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Bedarfsplanung und Schulbericht im Gemeinderat Walldorf

9. Juli 2024 | > Walldorf, Allgemeines, CDU Walldorf, Das Neueste, Die Grünen Walldorf, FDP Walldorf, Gemeinderat Walldorf, Politik, SPD Walldorf

 

Fachkräftemangel erschwert die Kinderbetreuung

Der Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung einstimmig die Kindergartenbedarfsplanung 2024 beschlossen und den Schulbericht zur Kenntnis genommen. Deutlich wurde, dass der Fachkräftemangel der Stadt und den übrigen Trägern zu schaffen macht. „Wenn das qualifizierte Personal weiter fehlt, wird dies dazu führen, dass man die Öffnungszeiten reduzieren und damit die Betreuungszeiten nachhaltig einschränken muss“, sagte der Erste Beigeordnete Otto Steinmann. Das schlage auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch. Deshalb will die Stadtverwaltung einerseits für die kommunalen Einrichtungen eine Art „Fachberatung“ einrichten, die Koordinierungsstelle im pädagogischen Bereich sein soll. Zum anderen will man die Leitungen der Einrichtungen dadurch weiter entlasten, dass die sogenannten Verhinderungsstellvertretungen wöchentlich mit je fünf Stunden für eine zusätzliche Leitungsunterstützung freigestellt werden. Beiden Vorschlägen konnte der Gemeinderat folgen.

Wie sehr sich der Fachkräftemangel bereits auswirkt, zeigt der Blick auf die Zahlen in der Bedarfsplanung. Für rechnerisch 641 drei- bis sechsjährige Kinder stehen 638 Plätze zur Verfügung. Allerdings mache die Situation im katholischen Kindergarten St. Marien, der mit massiven Personalproblemen kämpft, die Platzvergabe weiter brisant. Dort können von 54 verfügbaren Plätzen seit Mitte 2023 nur etwa 30 Plätze belegt werden, was wiederum andere Einrichtungen mehr belastet. Einige Träger hätten deshalb bereits eine Abweichung von der Höchstgruppenstärke beantragt, was die Aufnahme von zwei weiteren Kindern pro Gruppe ermöglicht. Das sieht die Stadtverwaltung allerdings durchaus zweischneidig: Einerseits würden die Plätze gebraucht, auf der anderen Seite Erzieherinnen und Erzieher durch größere Gruppen noch stärker belastet.

„Formal gut aufgestellt“ ist Walldorf in der Betreuung der Unter-Dreijährigen. Mit 160 Krippenplätzen und 46 Plätzen in der Tagespflege erreicht man eine Quote von 69 Prozent für zwei Jahrgänge (womit rein juristisch der Rechtsanspruch als erfüllt gilt) und 46 Prozent für drei Jahrgänge. Dazu kommen noch zehn Plätze in einer Spielgruppe. „Die Nachfrage nach Krippenplätzen und Betreuung in der Kindertagespflege für Kinder im Alter ab einem Jahr hat sich deutlich erhöht“, heißt es in der Bedarfsplanung. Auch deshalb sei es richtig gewesen, im Kommunalen Kindergarten eine weitere Krippengruppe einzurichten. In dieser werden hauptsächlich ältere Krippenkinder ab etwa eineinhalb Jahren aufgenommen. Auch eine Spielgruppe der Zipfelmützen wurde in eine Krippengruppe umgewandelt. „Diese Maßnahmen haben die Situation der Krippenplätze entspannt“, lautet das Fazit.

Neben der geplanten Einrichtung einer Schnittstelle für pädagogische Fragen und dem Zeitkontingent für Verhinderungsstellvertretungen hat die Stadt ihre Bemühungen in der Ausbildung bereits noch weiter verstärkt. Mit zehn jungen Erwachsenen im Ausbildungsjahr 2024/2025 (als PiA-Erzieherinnen, Anerkennungspraktikantinnen oder berufliche Umsteiger im Modellprojekt „Direkteinstieg Sozialpädagogische Assistenz“) und sechs Tagespraktikantinnen sei allerdings „eine Grenze erreicht, die gegenüber den pädagogischen Fachkräften gerade noch zu vertreten ist“.

Im Schulbericht wird unter anderem auf die Wiedereinführung des neuen neunjährigen Gymnasiums zum Schuljahr 2025/26 hingewiesen. Über die „Konsequenzen für die Raumsituation“ werde man in der kommenden Sitzung des Arbeitskreises Schulentwicklung sprechen, so Otto Steinmann. Auch bei der vom Land vorgegebenen Ganztagsbetreuung an den Grundschulen (ab 2026) sei man im Gespräch, „unabhängig von der Tatsache, dass es ziemlich unklar ist, wo die qualifizierten Fachkräfte für die Betreuung herkommen sollen“. Den erhöhten Anforderungen des Landes, die Betreuung von derzeit in Walldorf je sieben Stunden an vier Tagen auf dann je acht Stunden an fünf Tagen und das in mindestens 50 Wochen im Jahr auszuweiten, werde wohl letztlich die Stadt gerecht werden müssen, so Steinmann.

„Die beste Planung kommt nicht gegen den Fachkräftemangel an“, stellte Katrin Siebold (CDU) fest. Und auch das Bildungspaket des Landes „stellt uns vor neue Herausforderungen“. Gerade der zusätzliche Raumbedarf werde sich wohl erst nach der Wiedereinführung von G9 zeigen, deshalb gelte es, „wachsam“ zu bleiben.
„Strukturell werden wir das Problem nicht lösen, es wird noch schlimmer“, sagte Dr. Andrea Schröder-Ritzrau (SPD) zum Fachkräftemangel. Ihrer Fraktion sei eine bedarfsgerechte Vergabe der Öffnungszeiten wichtig, ebenso deren Verlässlichkeit. „Mich entsetzt das Vorgehen“ des Kultusministeriums, sagte sie zum eng gesteckten Zeitplan in Sachen G9. Und sie befürchtete: „Baulich müssen wir nachsteuern.“ Zudem sei der angekündigte Wegfall des Werkrealschulabschlusses „für die Waldschule ein Schlag ins Gesicht“.
Aus Sicht von Wilfried Weisbrod (Bündnis 90/Die Grünen) werden im Land „Dinge geboren, die nicht realisierbar sind“. Zum Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in den Grundschulen sagte er: „Wer von den Kommunen kann das leisten? Die Kräfte sind nicht da.“ Und man müsse auch „gucken, wer das bezahlt“. Walldorf hebe sich in dieser Hinsicht „aus der Masse heraus“. Die Stadt ist aus seiner Sicht allerdings auch „gefordert, dass mehr Erzieherinnen ausgebildet werden“.
Eine angespannte Lage sah Günter Lukey (FDP). Der Mitarbeitermangel ziehe sich durch alle Einrichtungen. Der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschüler werde „alle Beteiligten vor große Herausforderungen stellen“. Und mit der Wiedereinführung von G9 „werden räumliche Engpässe kommen“.

Alle Redner konnten den Verwaltungsvorschlägen zustimmen und dankten für den ausführlichen, informativen Überblick.

 

Text: Stadt Walldorf

 

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