Haubenlerchen in Walldorf: Umstrittene Maßnahme sorgt für Erfolg

Acht junge Haubenlerchen haben die Brutzeit überlebt – Allgemeinverfügung greift 2023 wieder

Großer Presserummel in Walldorf-Süd: Regierungspräsidentin Sylvia M. Felder, Landrat Stefan Dallinger und Bürgermeister Matthias Renschler haben am Montag Vertreter von Fernsehen, Radio und der schreibenden Zunft über die aktuelle Entwicklung rund um die Haubenlerche informiert. Dabei wurde deutlich, dass die vom Landratsamt des Rhein-Neckar-Kreises erlassene, umstrittene Allgemeinverfügung, die bis Mitte August den Freigang von Katzen im Gebiet verboten hat, letztlich als erfolgreiche Maßnahme gewertet wird: Acht junge Haubenlerchen sind in diesem Jahr flügge geworden und haben die kritische Phase überlebt. Gleichzeitig galten der Dank und das Verständnis der Verantwortlichen den betroffenen Katzenhaltern, die sich an die Verfügung gehalten haben. Bürgermeister Renschler betonte, dass im kommenden Jahr, wenn die Allgemeinverfügung wieder zum 1. April in Kraft treten soll, vor allem eine bessere Kommunikation notwendig sein wird. „Ich glaube, dass die Menschen dann eher Verständnis entwickeln“, sagte er.

 

 

Regierungspräsidentin Felder fasste den Sachverhalt zusammen: Seit der Erschließung des Neubaugebiets 2013 ist in Walldorf-Süd die Haubenlerche nachgewiesen, eine streng geschützte und in Baden-Württemberg bei nur noch 60 Brutpaaren akut vom Aussterben bedrohte Art. Daher sei die Bebauung des Gebiets artenschutzrechtlich nur unter der Voraussetzung zulässig gewesen, dass es gelingt, die vorhandenen Brutreviere zu erhalten und den Schwerpunkt des Brutgebiets in angrenzende landwirtschaftlich genutzte Bereiche zu verlagern. „Die Stadt hat einiges getan“, sagte die Regierungspräsidentin, dennoch sei der Brutbestand „massiv zurückgegangen“: von fünf Brutpaaren 2015 auf zunächst drei, dann nur noch zwei in diesem Jahr. „Es war klar, dass weitere Maßnahmen notwendig sind“, verteidigte die Regierungspräsidentin die Allgemeinverfügung. Das Artensterben sei „eine stille Katastrophe“, dem man entgegenwirken müsse. „Klimaschutz und Biodiversität hängen eng zusammen“, abstrakt unterstütze das jeder gerne. „Hier ist es konkret geworden“, so Sylvia Felder. „Die Haubenlerche ist auf den Schutz des Staates angewiesen“, erklärte sie. Ob die Allgemeinverfügung wie geplant bis 2025 gelte, hänge auch vom Erfolg ab. „Wir schauen drauf“, werde man die weitere Entwicklung der Haubenlerchen-Population im Auge behalten.

Als „Ultima Ratio“ bezeichnete Landrat Dallinger die Allgemeinverfügung, die allerdings „nicht vom Himmel gefallen“ sei, sondern mit Einzelverfügungen und Appellen an die Freiwilligkeit Vorläufer gehabt habe. Diese hätten aber „nicht den gewünschten Erfolg gebracht“. Auch Dallinger sagte: „Artenschutz findet nicht im Fernsehen, sondern vor Ort statt.“ Er persönlich halte „die Allgemeinverfügung für ausgewogen“, es habe für die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises „keine andere Möglichkeit gegeben, als sie zu erlassen“. Und: „Der Erfolg gibt dieser Maßnahme recht.“ Jetzt hoffe man, dass es gelingt, dass junge Haubenlerche-Brutpaare die geschaffenen Ausweichhabitate besiedeln. Dallinger berichtete auch, dass insgesamt 43 Widersprüche gegen die Allgemeinverfügung eingegangen seien. Drei hätten sich bereits erledigt – wegen Befreiungen oder weil die Katzenhalter nicht im Gebiet lebten –, die anderen würden nun vom Regierungspräsidium geprüft.

„Auch der Stadt liegt der Artenschutz am Herzen“, sagte Bürgermeister Renschler, der von Zustimmung, aber auch Ablehnung in der Bevölkerung berichtete und viel Verständnis für die betroffenen Katzenhalter äußerte. Eines der Hauptprobleme sei die Kommunikation gewesen: Es habe berechtigte Kritik seitens der Katzenhalter gegeben, dass sie kaum Vorlauf gehabt hätten – um etwa Maßnahmen wie GPS-Tracking oder auch Schutzzäune im eigenen Garten verwirklichen zu können. Das muss aus Sicht des Bürgermeisters im kommenden Jahr besser werden, denn auch er hat aktuell keine Hoffnung, dass die Allgemeinverfügung 2023 nicht erneut greift. Für die Zeit danach hofft man, „Maßnahmen zu entwickeln“, die vielleicht ein früheres Ende der Katzen-Ausgangssperren als erst 2025 möglich machen. „Wir arbeiten daran, die Population zu erhöhen, wollen aber trotzdem, dass die Leute bauen können“, sagte Renschler mit Blick auf die vielen Bauwilligen in Walldorf-Süd. Auch deshalb gebe die Stadt im Jahr 80.000 bis 100.000 Euro für das Haubenlerchen-Monitoring und die damit verbundenen Maßnahmen aus. „Eine stolze, gewaltige Summe, die aber gern investiert wird“, so der Bürgermeister. Denn die Stadt will nach dem laufenden Baugebiet auch den dritten Bauabschnitt und darin vor allem das dringend notwendige Pflegeheim verwirklichen.

 

 

Text: Stadt Walldorf
Fotos: Pfeifer

 

Veröffentlicht am 11. September 2022, 12:00
Kurz-URL: https://www.wiwa-lokal.de/?p=303819 

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