Wiesloch: Erfolgreiche ver.di-Unterschriftenaktion

Erfolgreiche ver.di-Unterschriftenaktion bei der Service-Tochter des Psychiatrischen Zentrums in Wiesloch – zum Auftakt der Tarifverhandlungen am 6.12.2019:

„Gleiches Geld für gleiche Arbeit! – wir wollen den Ländertarif!“

ver.di-Mitglieder der Service-Tochter vom PZN Wiesloch präsentieren ihre 104 Unterschriften für die Tarifverhandlung am 6.12.2019

Foto: Daniel Fehr, ver.di und fehr-foto.de

104 Beschäftigte der Service-Tochter aus Wiesloch, das sind rund rund 86 Prozent, haben mit ihrer Unterschrift bezeugt, dass sie Respekt & deutlich mehr Geld wollen. Diese Unterschriften überbringt ver.di beim Verhandlungsauftakt am Freitag, den 6.Dezember, dem Arbeitgeber: „Die KollegInnen der Servicegesellschaft Nordbaden fordern, dass sie für ihre Arbeit die gleiche Bezahlung gemäß dem Länder-Tarif erhalten, wie an allen anderen Zentren für Psychiatrie in Baden-Württemberg auch, so zum Beispiel in Weinsberg und Winnenden“, so der ver.di- Verhandlungsführer Michel Zimmer. „Wir erwarten, dass der Arbeitgeber uns am Freitag seine Bereitschaft zusagt, über diese berechtigte Forderung zu verhandeln“, so Zimmer weiter.

Insgesamt beträgt die Anzahl der Beschäftigten bei der Servicegesellschaft Nordbaden (SGN) in Wiesloch um die 140 in den Bereichen Küche, Wäscherei, Café, Kantine, SB-Shop und auf Komfort-Station. Von 120 erreichbaren Beschäftigten haben 104 KollegInnen innerhalb von wenigen Wochen die Forderung nach Bezahlung gemäß dem Länder-Tarif unterschrieben. Dies entspricht einer Quote von 86%. „Noch vor wenigen Monaten hätten wir diesen Zusammenhalt nicht für möglich gehalten. Wir haben sehr viele Gespräche geführt und deutlich gemacht, dass sich an der ungleichen Bezahlung nur etwas ändern kann, wenn wir uns alle gemeinsam engagieren. 104 Unterschriften sind für uns ein Riesen-Erfolg. Mit diesem Rückhalt unserer Kolleginnen und Kollegen haben wir in der ver.di-Tarifkommission die Forderung nach Bezahlung gemäß Länder-Tarif beschlossen und gehen nun am Freitag sehr selbstbewusst zum Verhandlungsauftakt mit dem Arbeitgeber“, so Irina Andrienko und Silke Rausch, beides ver.di-Tarifkommissionsmitglieder.

Bis zum Jahr 2006 wurden alle Beschäftigten beim Psychiatrischen Zentrum Wiesloch (PZN) in Wiesloch nach Länder-Tarif bezahlt. Dann wurden die Beschäftigten der Küche und Wäscherei in die SGN, eine 100% Tochter, outgesourct. „Von allen neun Standorten der Zentren für Psychiatrie in Baden-Württemberg hat dieses Outsourcing bis heute nur in Wiesloch stattgefunden. Überall sonst gehören zum Beispiel die Küchen-Beschäftigten so selbstverständlich zum Psychiatrischen Zentrum wie auch Pflegekräfte, Verwaltung oder Therapeuten. Dort fallen sie damit bis heute unter den Tarifvertrag der Länder“, so Monika Neuner, ver.di-Ansprechpartnerin vor Ort und Co-Verhandlungsführerin.

Die Folgen des Outsourcings sind große Unterschiede in der Bezahlung, allein beim Monatsentgelt betragen diese bis zu 28 Prozent. So bekommt eine langjährige Küchen- oder Wäschereihilfe bis zu 602,40€ weniger Bruttolohn im Monat. Eine Beiköchin erhält bis zu 421,51€ brutto weniger. „Wir haben hier noch Stundenlöhne zwischen 10,75€ und 12,34€ brutto für Mitarbeitende, die z.B. als Küchen- oder Wäschereihilfe arbeiten. Einige davon erhalten keinen Vollzeit-Arbeitsvertrag, weil der Arbeitgeber mit Teilzeitkräften flexibler umgehen kann, so unsere Vermutung. Ein Stundenlohn dieser Höhe reicht selbst bei Vollzeit nicht aus für eine Rente über dem Existenzminimum.“, so Sven Hanke, ver.di-Tarifkommissionsmitglied und auch Betriebsratsvorsitzender. „Für den Arbeitgeber ist es heute schon schwierig bei diesen Löhnen noch Personal zu finden und sein Personal zu halten.“ pflichtet ihm Monika Neuner von ver.di bei. „Wenn wir z.B. die Zuschläge für Überstunden oder Sonn- und Feiertagsarbeit dazu rechnen oder das Weihnachtsgeld, in Form der Jahressonderzahlung, fallen die Lohnunterschiede zum TV-L noch gravierender aus“.

Kay Clement, Koch und ebenfalls ver.di-Tarifkommissionsmitglied macht deutlich: „Wir arbeiten indirekt für das Land Baden-Württemberg, daher steht uns auch eine entsprechende Bezahlung nach Länder-Tarif zu. Politiker sagen oft, dass wir Beschäftigte uns für bessere Arbeitsbedingungen gewerkschaftlich organisieren und gute Tarifverträge erkämpfen sollen. Das tun wir jetzt. Dafür erwarten wir auch die Unterstützung aus der Politik, falls das nötig werden sollte.“ Sein Kollege Sven Hanke ergänzt: „Unsere Kolleginnen und Kollegen geben alles hier im Geschäft: sie springen ein, machen Überstunden, damit hier der Betrieb läuft und die Patient*innen und auch die Kindergärten versorgt werden. Wir wollen ein Ende des Lohndumpings und wieder zurück in den Tarifvertrag der Länder. Uns kann niemand erklären, dass wir in der Metropolregion Rhein-Neckar niedrigere Lebenshaltungskosten haben als in Winnenden oder in Oberschwaben. “

Hintergrund:
Die Servicegesellschaft Nordbaden mbH (SGN) ist eine 100% Tochter des Psychiatrischen Zentrums Wiesloch. Insgesamt beträgt die Beschäftigtenanzahl bei der Servicegesellschaft Nordbaden in Wiesloch um die 140 KollegInnen in Küche, Wäscherei, Privatstation, Café, Kantine und SB-Shop. Seit 2006 fallen die SGN-Beschäftigten nicht mehr unter den Tarifvertrag der Länder, sondern unter einen niedrigeren Haustarifvertrag. In Baden-Württemberg gibt es insgesamt 9 Zentren für Psychiatrie (ZfP). Die ZfP-Gruppe Baden-Württemberg ist ein Unternehmensverbund von sieben rechtlich selbständigen Anstalten des öffentlichen Rechts, die unter Gewährsträgerschaft des Landes Baden-Württemberg stehen.

 

Veröffentlicht am 5. Dezember 2019, 06:00
Kurz-URL: https://www.wiwa-lokal.de/?p=278074 

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