Rede von Klaus Rothenhöfer zur Verleihung der Ehrenbürgerwürde an Rainer Kircher

Rainer Kircher und Klaus Rothenhöfer

Rainer Kircher und Klaus Rothenhöfer

Lieber Rainer, liebe Margit,

meine sehr verehrten Damen und Herren,

Im Namen des Gemeinderats, insbesondere der sechs verbleibenden Stadträtinnen und Stadträten, die noch zusammen mit Dir amtiert haben, gratuliere ich Dir. lieber Rainer, von ganzem Herzen zur Ehrenbürgerschaft.

Endlich mal wieder ein echter Wieslocher, dem diese höchste Ehrung, die eine Stadt vergeben kann, verliehen wird. Man mag es kaum glauben, der letze Ur-Wieslocher, dem diese Ehre zuteil wurde, war Landrat Georg Steinbrenner im Jahr 1973.

Echte Wieslocher wissen, dass man, wenn man wie Du in der Hesselgasse, in der Altstadt, aufgewachsen ist, fast garnicht vermeiden kann, kommunalpolitisch aktiv zu werden. Sieben Stadträte aus der Hesselgasse gehörten nach dem zweiten Weltkrieg dem Gemeinderat an: Jakob Hecker, Oskar Hecker, Hermann Stark, Wolfgang Hirn, Walter Wagner, Du Rainer und ich.

Es war damals eine eigene kleine Welt mit dem Milchladen Lauer, Lebensmittel Bäckerei Lamade, Metzger Schäfer, Küfer Hirn, Schuhmacher Maier und Stöckinger Schuhgeschäft Gaberdiel, Landwirte Stark, Burkhard, Schweinfurth, Kirschenlohr und natürlich dem Friedrichshof. Die Feuerwehr wurde noch mit der Sirena alarmiert, später dann mit den „roten Faden“, der sich durch die Stadt zog und in jede Wohnung eines Feuerwehrmannes führte.

Aber auch Deine Familiengeschichte deutete Deine kommunalpolitische Karriere an. Von 1811 bis 1834 war ein Mann namens Johann Jakob Kircher Bürgermeister in Wiesloch. Sein Sohn Friedrich Kircher war Vater von Johann Nicolaus Kircher, der wieder war Vater von Johann Jakob Kircher, der wiederum einen Sohn namens Nicolaus Kircher hatte. Auf  Nicolaus Kircher folgte dann Johann Nicolaus Kircher, dem Vater von Hermann August Kircher. Seine Frau Anna gebar am 8. August 1940 einen Sohn mit dem Namen Rainer Adam Kircher.

Rainer Kircher und seine Ehefrau Margit mit OB Elkemann

Rainer Kircher und seine Ehefrau Margit mit OB Elkemann

Und damit nicht genug, Dein Großvater, liebe Margit, gehörte dem ersten Nachkriegsgemeinderat der Stadt Wiesloch an. Dich möchte ich in diese heutige Ehrung ausdrücklich einbeziehen. Ohne Dich, Deine Unterstützung und Dein Verständnis hätte Rainer, mit dem Du im kommenden Jahr Diamantene Hochzeit feierst, nicht all das für die Stadt Wiesloch, ihre Bürgerinnen und Bürger, tun können, was er getan hat. Gleiches gilt für das Familienunternehmen, den Getränkehandel, den ihr beide betrieben habt. So kamst Du, Rainer, in zahlreiche Wieslocher Haushalte und warst immer bestens informiert – ganz ohne social media.

Du bist am 23.8.1978 für Max Dannheimer in den Gemeinderat nachgerückt, OB Bettinger war gerade zehn Jahre im Amt, Hanne Schröckhaas, Dr. Bergdolt, und Dr. Schmidt-Rohr bildeten mit Dir die damalige Freie Wähler Fraktion.

Für den Gemeinderat waren es gute 26 Jahre, die wir mit Dir zusammen arbeiteten. Dein Feld war nicht die flammende Rede oder das leidenschaftliche Argumentieren im Gemeinderat, sondern das beharrliche Wirken im kleinen, in „Einzelsitzungen“ hast Du uns überzeugt, wenn Dir wieder eine Idee zum Wohle der Stadt gekommen war, Du hast Vertrauen geschaffen, im Laufe der Jahre vertrauten fast alle auf Deine Einschätzung bei der Notwendigkeit von Ersatz- oder Neubeschaffungen für die Feuerwehr.

Aber es wäre völlig falsch, Deine 26 Jahre Gemeinderat auf Deinen Einsatz für die Feuerwehr zu reduzieren, alle Vereine lagen Dir am Herzen, die ganze Stadt, die Stadtverwaltung, die technischen Dienste, die Zusammenarbeit mit Walldorf und als selbständiger Getränkehändler nicht zuletzt auch Handel und Gewerbe. Ganz besonders lobenswert finde ich auch heute noch, dass Du nie mit der Forderung „Ihr solltet mal…“ gekommen bist, sondern mit dem Angebot „Wir könnten mal….“. Legendär sind Deine Anrufe mit der Einleitung „Klaus, mein Freund…“

Dann weiß man, jetzt hast Du wieder eine Idee, eine Frage für die Du Mitarbeiter brauchst, aber nie für Dich selbst oder Deine Darstellung in der Öffentlichkeit, sondern zum Wohle unserer Heimatstadt. In den ersten vier Jahren unserer Gemeinderatstätigkeit bis 31.12.1982 gab es in Wiesloch noch den Wettbewerb zweier unabhängiger Tageszeitungen um die aktuellste und informativste Berichterstattung aus dem Gemeinderat, freitags, spätestens samstags, war man informiert, was mittwochs im Gemeinderat oder den Ausschüssen behandelt wurde und wer wie Stellung nahm – freitags in der gleichen Woche selbstverständlich.

Mit vier Oberbürgermeistern hast Du zusammengearbeitet, viele Deiner Ideen und Vorschläge sind auf dem kleinen Dienstweg umgesetzt worden. Ein Beweis für das gegenseitige Vertrauen zwischen Dir, dem jeweiligen Oberbürgermeister und der Verwaltung

Einige Entscheidungen aus den 26 Jahren Deiner Gemeinderatstätigkeit seien erwähnt. 1980 wurde die Nebenbahn nach Waldangelloch stillgelegt mit der Konsequenz, dass sich viele frühere Wieslocher Einzelhandelskunden anders ortientierten, 1981 wurde das erstes Winzerfest in der Eisweinhalle gefeiert, von Anfang an umstritten und inzwischen wieder aufgegeben.

In all den Jahren bis heute lag und liegt Dir das Winzerfest am Herzen, Du hast es immer verteidigt und warst immer dabei, wenn es galt, die Zukunft des Festes zu sichern Den Neubau des Feuerwehrhauses hast Du von Anfang an begleitet, von der Planung, dem Abbruch des alten Gebäudes 1980 bis zur Fertigstellung 1982

In der Amtszeit von OB Fürniß war dann der Bau des Palatin ein Schwerpunkt auch Deiner Arbeit im Gemeinderat. In diese Zeit fiel auch der Bürgerentscheid gegen den Bau einer Seniorenbegegnungsstätte auf dem Bolzplatz Bergstraße, Gartenstraße.

In der Sitzung des Gemeinderats am 10.01.1990 ging es um den Neubau eines Geschäftshauses in Wiesloch, Ecke Schwetzinger Straße/Bahnhofstraße auf Grundstück Flst.Nr. 812 – Postloch! und wir lesen im Protokoll:

Stadtrat Kircher wollte wissen, ob die vorgesehene Straßenführung im Bereich der Einmündung bei der geplanten Bebauung Berücksichtigung findet. Knapp dreißig Jahre später sind diese Planungen erst umgesetzt

In der Sitzung des Gemeinderats am 23.03.1994 beschlossen die Mitglieder des Gemeinderates einstimmig, die Beschaffung einer Drehleiter DLK 23-12 nach den EWG-Vorschriften zur Angebotsabgabe auszuschreiben. In der gleichen Sitzung stimmten die Mitglieder des Gemeinderates einstimmig der technischen Konzeption für die Nahwärmeversorgung Sofienstraße und Freibad mit Abdampf der Wellpappe zu.

In den letzten Monaten Deiner Amtszeit gab es dann noch zwei besonders harte Brocken. Der Gemeinderat beschloss am 31.3.2004 mit Stimmenmehrheit (bei 10 Neinstimmen) in namentlicher Abstimmung den Grundsatzbeschluss über den Bebauungsplanentwurf „Äußere Helde“ und beschloss, auf dieser Grundlage die Bürgerbeteiligung nach § 3 BauGB und Beteiligung der Träger öffentlicher Belange nach § 4 BauGB durchzuführen.

In der gleichen Sitzung lehnte der Gemeinderat die Abschaffung der unechten Teilortswahl und eine Reduzierung der Größe des Gemeinderats ab.

Lieber Rainer, rückblickend habe ich fast den Eindruck dass Du nach Deinem Ausscheiden aus dem Gemeinderat erst richtig zu großer Form aufgelaufen bist. Vieles davon wurde schon von OB Elkemann erwähnt, zwei Dinge , die mich persönlich besondrs beeindruckten, mochte ich noch nennen. Zum einen Deine Idee, an verschiedenen Stellen unserer schönen Stadt „Wegweiser“ in unsere Partnerstädte aufzustellen. Wie es Deine Art ist, hast Du in Deinem Netzwerk Fachleute für alle damit verbundenen Arbeiten gefunden und so künden diese Wegweiser von unseren Partnerschaften. Und zum zweiten Dein Umgang mit unserer Jugend, Als es Probleme rund um das Bussierhäusel gab, hast Du mit den Jugendlichen gsprochen, nicht über sie. du warst im Jugendgemeinderat, wo man Dir unter anderem sagte, der Einwurf der dortigen Abfallbehälter sei zu klein, um Pizzakartons einzuwerfen. Manch anderer hätte gedacht und die Jugendlichen fühlen lassen: „Es gibt wichtigeres als zu kleine Einwürfe für Pizzakartons“. Nicht Rainer Kircher. Du hast nachgedacht, gezeichnet, Lösungen gefunden und – ich wiederhole mich – in Deinem Netzwerk Fachleute für alle damit verbundenen Arbeiten gefunden.

Lieber Rainer, nochmals herzlichen Glückwunsch anlässlich der Ernennung zum Ehrenbürger, Du hast viel für die Stadt getan, während Deiner Zeit im Gemeinderat und danach. Du bist ein würdiger Träger dieser Auszeichnung.

Text: Klaus Rothenhöfer

Fotos: Robert Pastor

Veröffentlicht am 27. November 2019, 07:00
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