Zwischen zwei amtlichen Angaben zur jährlichen Fahrleistung eines Autos in Deutschland liegen gut 1700 Kilometer, obwohl beide dasselbe Jahr beschreiben. Für 2024 standen bisher 12309 Kilometer je Pkw in den Tabellen, inzwischen sind es 10581 Kilometer. Der Unterschied entsteht durch eine neue Art zu rechnen, und der niedrigere Wert gilt nach amtlicher Einschätzung als der realitätsnähere.
Veröffentlicht hat die Zahlen das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) in Flensburg am 9. September 2026 in seiner Statistik Verkehr in Kilometern. Alle in Deutschland zugelassenen Kraftfahrzeuge legten demnach 2025 zusammen 674,7 Milliarden Kilometer zurück, das waren 0,7 Prozent mehr als im Jahr davor. Den größten Teil fuhren mit 562,3 Milliarden Kilometern die Pkw, auf sie entfielen 83,3 Prozent der Strecke. Je Auto ergibt das für 2025 einen Schnitt von 10616 Kilometern, 35 Kilometer mehr als im Vorjahr. Zum ersten Mal beruhen die Ergebnisse auf einem neuen Verfahren, das die Behörde in einem Projekt namens WeiterFahrt entwickelt hat. Den Auftrag dazu hatte das Bundesverkehrsministerium erteilt, und nach dreieinhalb Jahren wurde das Projekt im Juni 2026 abgeschlossen. Die Jahre 2023 und 2024 hat das Amt rückwirkend neu berechnet, ältere Jahrgänge bleiben beim alten Verfahren.
Früher nahm das KBA den Kilometerstand, der bei der Hauptuntersuchung, im Alltag meist TÜV genannt, abgelesen wurde, und verteilte ihn gleichmäßig auf alle Monate seit der Erstzulassung. Fuhr ein Wagen zuletzt weniger als in seinen ersten Jahren, bildete diese Rechnung das kaum ab. Das neue Verfahren vergleicht den Kilometerstand zweier aufeinanderfolgender Hauptuntersuchungen und teilt die Differenz durch die Tage, an denen das Auto in dieser Zeit tatsächlich zugelassen war. Abgelesen werden die Stände von den Prüfstellen und Überwachungsorganisationen, die sie an das Amt weitergeben. Bei einem Pkw steht die erste Untersuchung in der Regel nach 36 Monaten an und danach alle 24 Monate, weshalb in jedem Jahr nur für einen Teil der Autos ein frischer Wert vorliegt. Gespeichert werden die Daten der Untersuchungen seit dem 20. Mai 2018 im Zentralen Fahrzeugregister. Das KBA schreibt in seinem Bericht zur Umstellung, das alte Verfahren habe dazu geneigt, die Fahrleistung zu überschätzen, was in der Zeit der Pandemie besonders deutlich geworden sei. Alte und neue Werte seien nicht miteinander vergleichbar, und ein niedrigerer Wert nach der Neuberechnung bedeute keinen Rückgang der Fahrleistung.
Je Auto liegt der neue Wert für 2024 um 14,0 Prozent unter dem alten, die Summe aller Kilometer, die Pkw gefahren sind, sank durch die Neuberechnung dagegen nur um 6,1 Prozent. Gleichzeitig stieg die Zahl der Autos, auf die diese Kilometer verteilt werden, um 9,2 Prozent auf rund 52,7 Millionen. Gezählt wird jetzt jedes Auto, das im Lauf des Jahres mindestens einen Tag zugelassen war, also auch Wagen, die erst im Herbst angemeldet oder schon im Frühjahr stillgelegt wurden. Wohnmobile gehören seit der Umstellung nicht mehr zu den Pkw und werden getrennt ausgewiesen. Mehr als die Hälfte des Abstands geht nach eigener Rechnung aus diesen Tabellen auf die geänderte Zählweise zurück und der kleinere Teil auf die Kilometerstände. Der neue Durchschnitt beschreibt deshalb kein Auto, das zwölf Monate lang gefahren wird. Je Tag der Zulassung kam ein Pkw 2025 laut dem Projektbericht auf 32,7 Kilometer, und auf ein volles Jahr gerechnet wären das rund 11900 Kilometer. Diese Hochrechnung stammt nicht vom KBA, sie ergibt sich aus dem Tageswert mal 365.

Für den einzelnen Wagen sagt der Durchschnitt wenig, solange sein Alter nicht bekannt ist. Wie viele km fährt man im Jahr, lautet die Frage an eine solche Statistik, und die Antwort fällt für einen Neuwagen anders aus als für ein Auto mit 20 Jahren. Pkw bis zu einem Alter von drei Jahren kamen 2025 im Schnitt auf 13722 Kilometer. In der Klasse von zehn bis 19 Jahren waren es 9415 Kilometer, bei Autos ab 20 Jahren 5559 Kilometer und damit rund 40 Prozent des Wertes der jungen Wagen. Fast die Hälfte aller Pkw ist inzwischen zehn Jahre oder älter, und diese Hälfte fährt 39 Prozent der Kilometer. Setzt man die Tageswerte der einzelnen Altersklassen für zehn Jahre aneinander, kommt ein durchgehend zugelassenes Auto auf rund 148000 Kilometer. Auch das ist eine eigene Rechnung aus den Zahlen von 2025, die alle Antriebe und alle Halter mischt.
Ein Diesel fuhr 2025 im Schnitt 14561 Kilometer und ein Benziner 8406 Kilometer, das ist ein Abstand von 73 Prozent. Reine Elektroautos lagen mit 11312 Kilometern dazwischen. In der Mitteilung des KBA steht bei den Elektroautos ein Plus von 25,8 Prozent, und diese Zahl bezieht sich auf die Summe aller elektrisch gefahrenen Kilometer. Sie wuchs vor allem, weil die Zahl der Elektroautos um 23,5 Prozent auf mehr als zwei Millionen gestiegen ist. Das einzelne Elektroauto fuhr 1,9 Prozent mehr als im Jahr davor. Benziner bis zu einem Alter von drei Jahren kamen auf 11195 Kilometer und lagen damit fast gleichauf mit dem Durchschnitt aller Elektroautos. Wie Elektroautos im Vergleich zu gleich alten Benzinern abschneiden, weist die Statistik nicht aus.
Für 47 Prozent der Pkw lag 2025 nach Angaben des KBA ein verwertbarer Kilometerstand aus einer Hauptuntersuchung vor, die übrigen Autos erhalten den Tageswert vergleichbarer Fahrzeuge. Eine Fehlerrechnung, die eine Schwankungsbreite angeben würde, nimmt das Amt nicht vor, und Kilometer im Ausland lassen sich von denen im Inland nicht trennen, weil der Tacho beide zählt. Stände oberhalb von 1600000 Kilometern wertet die Behörde bei Pkw als unplausibel. In den Daten für 2024 fanden sich außerdem 50835 Untersuchungen von Pkw, bei denen der Tacho weniger anzeigte als beim Termin davor, das entspricht 0,2 Prozent der auswertbaren Fälle, und diese Werte fließen nicht in die Rechnung ein. Als Ursache nennt der Projektbericht ältere Zähler, die nach Erreichen ihrer höchsten Anzeige wieder bei null beginnen, weitere Gründe nennt er nicht.
Für die Region gibt es keine eigenen Werte, denn das KBA schlüsselt die Fahrleistung bisher weder nach Bundesland noch nach Kreis auf. Tabellen nach Bundesländern sind im Projektbericht für private Pkw angekündigt. Bekannt ist für den Rhein-Neckar-Kreis nur der Bestand, und der lag nach Angaben des Straßenverkehrsamtes zum 31. Dezember 2024 bei genau 480132 Fahrzeugen, darunter 363862 Pkw und 17453 Elektroautos. Das ist der jüngste Stand, der sich aus den Mitteilungen des Kreises belegen lässt. Zuständig für die Zulassung sind drei Behörden des Landratsamtes in Sinsheim, Weinheim und Wiesloch, die Wieslocher sitzt im Adelsförsterpfad. Seit dem 1. Oktober 2026 gibt der Kreis neben dem Kennzeichen HD auch wieder das Altkennzeichen SNH des früheren Landkreises Sinsheim aus.
Über weitere Kilometerstände wird derzeit in Brüssel verhandelt. Der Verkehrsausschuss des Europäischen Parlaments hat am 5. Mai 2026 mit 30 zu 11 Stimmen dafür gestimmt, dass Werkstätten den Kilometerstand von Pkw und Transportern erfassen und Hersteller die Stände vernetzter Fahrzeuge an eine nationale Datenbank melden. Gelten soll das nach dem Willen der Abgeordneten nur bei Reparaturen, die länger als eine Stunde dauern. Der Berichterstatter Jens Gieseke, ein deutscher Abgeordneter der Europäischen Volkspartei, nannte als Ziel sicherere Straßen, effizientere Prüfungen und einen entschiedeneren Kampf gegen Betrug ohne Mehrbelastung für Verbraucher und Betriebe. Eine jährliche Hauptuntersuchung für Autos ab zehn Jahren lehnte der Ausschuss ab, die Mitgliedstaaten hatten sich im Dezember 2025 ebenso entschieden. Die Verhandlungen zwischen Parlament und Rat begannen am 2. Juli 2026 unter irischem Vorsitz, die zweite Runde ist für Oktober angesetzt. Eine Einigung lag bis zum 6. Oktober 2026 nicht vor.














