Regionalbericht zur Studie „Mobilität in Deutschland“ liefert detaillierte Aussagen für den Landkreis / Fahrradanteil über Bundesdurchschnitt
Wie bewegen sich die Menschen im Rhein-Neckar-Kreis fort? Welche Verkehrsmittel nutzen sie für ihre alltäglichen Wege zur Arbeit, in die Schule bzw. auf dem Weg zur Ausbildung oder zum Einkaufen? Wie wird die Verkehrsinfrastruktur im Rhein-Neckar-Kreis wahrgenommen und welche Mobilitätsangebote werden tatsächlich genutzt?
Der Regionalbericht für den Rhein-Neckar-Kreis zur Studie „Mobilität in Deutschland“ (MiD), deren bundesweite Ergebnisse Ende 2025 veröffentlicht wurden, beantwortet unter anderem diese Fragen und gibt Auskunft zum alltäglichen Verkehrsverhalten, zur Verkehrsleistung und zu den genutzten Verkehrsmitteln der Einwohnerinnen und Einwohner im Rhein-Neckar-Kreis. Als regionaler Partner hat der Rhein-Neckar-Kreis für die aktuellste Befragung der Studienreihe mit einer Stichprobe an der deutschlandweiten Mobilitätsstudie teilgenommen, wodurch erstmals besonders detaillierte Daten für den Landkreis vorliegen. Zwischen April 2023 und Juli 2024 konnten so insgesamt 5.617 Personen aus 2.873 Haushalten befragt werden.

Die wichtigsten Ergebnisse für den Rhein-Neckar-Kreis
Die Menschen im Rhein-Neckar-Kreis sind sehr mobil: An einem durchschnittlichen Tag sind 82 Prozent der Bevölkerung unterwegs. Jede Person legt dabei im Durchschnitt 3,1 Wege mit rund 33 Kilometern in etwa 77 Minuten zurück. Das Auto bleibt das wichtigste Verkehrsmittel. Insgesamt werden 51 Prozent aller Wege mit dem motorisierten Individualverkehr zurückgelegt. Gleichzeitig zeigt sich aber auch eine starke Nutzung klimafreundlicher Verkehrsformen: 25 Prozent der Wege werden zu Fuß zurückgelegt, 15 Prozent mit dem Fahrrad, 9 Prozent mit Bus und Bahn.
Besonders bemerkenswert ist die hohe Fahrradnutzung. Fast jede vierte Person nutzt das Fahrrad täglich oder nahezu täglich. Zudem verfügen 78 Prozent der Menschen ab 14 Jahren über ein eigenes Fahrrad oder Pedelec. Auch das Thema Homeoffice prägt die Mobilität des Landkreises: 45 Prozent der Erwerbstätigen arbeiten zumindest teilweise von zu Hause aus, durchschnittlich 2,7 Tage pro Woche.
Verlässliche und repräsentative Planungsgrundlagen
„Zukunftsorientierte Mobilitätsplanung muss immer auch das individuelle Mobilitätsbedürfnis der Nutzerinnen und Nutzer berücksichtigen“, so Landrat Manuel Just und sagt weiter: „Mit dem Regionalbericht bekommen wir für den Rhein-Neckar-Kreis verlässliche und repräsentative Planungsgrundlagen und können diese zukünftig bei der Erstellung von Mobilitätsstrategien und Verkehrsmodellen einbinden. Gleichzeitig zeigt uns diese Positionsbestimmung auch, dass die bereits eingeschlagenen Wege des Kreises wie beispielsweise zur strategischen Radverkehrsförderung oder dem Kreisstraßendeckenprogramm sich auszahlen und auch in der Wahrnehmung bei den Bürgerinnen und Bürgern ankommen.“
Wie steht der Rhein-Neckar-Kreis im Vergleich da?
Die Ergebnisse zeigen, dass der Rhein-Neckar-Kreis in vielen Bereichen besser abschneidet als der Bundesdurchschnitt oder vergleichbare städtische Kreise. Während bundesweit elf Prozent der Wege mit dem Fahrrad zurückgelegt werden, liegt dieser Anteil im Rhein-Neckar-Kreis bei 15 Prozent. Auch die alltägliche Fahrradnutzung ist deutlich höher als im Bundes- und Vergleichsdurchschnitt. Der Rhein-Neckar-Kreis zeichnet sich durch ein besonders vielfältiges Mobilitätsverhalten aus: 42 Prozent der Bevölkerung nutzen regelmäßig mehrere Verkehrsmittel im Alltag. Deutschlandweit liegt dieser Wert nur bei 34 Prozent. Besonders häufig wird die Kombination aus Auto und Fahrrad im üblichen Wochenverlauf genutzt. Die Mehrheit setzt jedoch nur auf ein Verkehrsmittel. Bei 39 Prozent ist es das Auto. Die Verkehrssituation wird insgesamt positiv bewertet. Besonders gut schneiden das Zufußgehen (Note 2,0) sowie der Autoverkehr (Note 2,1) ab. Auch die Bedingungen für den Radverkehr werden mit der Note 2,5 besser bewertet als im Bundesdurchschnitt. Trotz des vergleichsweise guten Abschneidens gegenüber anderen Regionen bleibt die Wahrnehmung des öffentlichen Nahverkehrs bei den Erwartungen zurück. Mit der Schulnote 3,1 erhält der ÖPNV die schlechteste Bewertung aller Verkehrsarten im Rhein-Neckar-Kreis. Als wichtigste Kritikpunkte nennen die Befragten unzureichende Verbindungen, mangelnde Zuverlässigkeit und lange Reisezeiten.
Welchen Nutzen haben die Ergebnisse für den Landkreis?
Die MiD-Daten liefern dem Rhein-Neckar-Kreis eine wissenschaftlich fundierte Grundlage für strategische Entscheidungen in der Mobilitätsplanung. Die Ergebnisse könnten unter anderem für die Weiterentwicklung des landkreisweiten Radverkehrsnetzes, die Verbesserung des ÖPNV-Angebots, die Planung von Mobilstationen und intermodalen Angeboten oder die Förderung klimafreundlicher Mobilität, die Verkehrs- und Infrastrukturplanung in Städten und Gemeinden sowie die Fortschreibung von Mobilitäts- und Klimaschutzkonzepten genutzt werden.
„Besonders wertvoll ist dabei, dass die Daten nicht nur für den gesamten Landkreis vorliegen, sondern auch differenzierte Aussagen zu verschiedenen Altersgruppen, Haushaltsformen oder Einkommensgruppen ermöglichen. Dadurch kann in der Zusammenarbeit mit den Kreiskommunen künftig noch gezielter geplant werden. Für den Landkreis bietet die MiD damit eine wertvolle Datengrundlage, um die Mobilität der Zukunft bedarfsgerecht, nachhaltig und klimafreundlich weiterzuentwickeln“, ist Patrick Fierhauser, Leiter der Stabsstelle Nachhaltige Mobilität, vom Mehrwert der Studienergebnisse überzeugt.
Kontext und weitere Informationen
Die Studie „Mobilität in Deutschland“ (MiD) ist eine bundesweite Befragung von Haushalten zu ihrem alltäglichen Verkehrsverhalten im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr (BMV). Sie fand bereits 2002, 2008 und 2017 statt. Zwischen Mai 2023 und Juni 2024 wurden dafür über 218.000 Haushalte und rund 421.000 Personen in ganz Deutschland zu ihrem Mobilitätsverhalten befragt. Erfasst werden unter anderem die täglichen Wege der Menschen, die Nutzung verschiedener Verkehrsmittel, die Ausstattung der Haushalte mit Autos oder Fahrrädern sowie die Bewertung der Verkehrsinfrastruktur.
Quelle: Landratsamts Rhein-Neckar-Kreis















