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Dreimonatige Fahrradstraße startet am 14. Juni

Der Kleinfeldweg wird für drei Monate zur Fahrradstraße. Den Verkehrsversuch hat der Gemeinderat jetzt mehrheitlich beschlossen. Ziel ist, so Stadtbaumeister Andreas Tisch, Erkenntnisse für eine dauerhafte Lösung auf der wichtigen Route zwischen Bahnhof und Gewerbegebiet zu gewinnen, um die Sicherheit und Attraktivität für den Radverkehr zu erhöhen. Die Pendlerroute zwischen Walldorf und Wiesloch soll zudem im Rahmen der Mobilitätswoche vom 14. bis 20. Juni beworben werden. „Dabei werden wir vom Land unterstützt“, sagte Tisch. Im Rahmen des Mobilitätspakts Walldorf/Wiesloch sind das Verkehrsministerium, das Regierungspräsidium und die Initiative Radkultur Baden-Württemberg, aber auch ansässige Unternehmen mit im Boot.
Offizieller Start für die Fahrradstraße ist gemeinsam mit der Mobilitätswoche am Sonntag, 14. Juni. An diesem Tag beginnt auch das Stadtradeln im Rhein-Neckar-Kreis.

Der Kleinfeldweg ist im städtischen Radverkehrskonzept als Premium-Pendlerroute ausgewiesen und soll perspektivisch an Bedeutung gewinnen. Gleichzeitig weist die bestehende Verkehrsführung mit einseitigem Schutzstreifen und gegenüberliegendem Parken erhebliche Konflikte auf: Eine nur etwa 2,50 Meter breite Kernfahrbahn begünstigt gefährliche Überholmanöver von Autos ohne ausreichenden Sicherheitsabstand zu Radfahrern. Insbesondere der Lkw-Begegnungsverkehr ist im Bestand nicht regelkonform möglich.

Im Versuch wird der Kleinfeldweg als Fahrradstraße mit auf 30 km/h begrenzter Geschwindigkeit und einseitigem Längsparken getestet. Markierungen mit Radpiktogrammen, Sicherheitstrennstreifen von 75 Zentimetern zu den Parkständen sowie Rotmarkierungen an Einmündungen sollen die Regelungen der Fahrradstraße mit dem Vorrang für den Radverkehr sichtbar machen und das Tempo dämpfen. Die Zahl der Stellplätze im südöstlichen Abschnitt, in dem besonders viel Verkehr herrscht, wird von rund 30 auf etwa 17 reduziert, um größere Lücken zum Ausweichen zu schaffen.

Begleitet wird der Verkehrsversuch durch die landesweite RadKultur-Kampagne und die Mobilitätswoche des Mobilitätspakts Walldorf/Wiesloch. Vorgesehen sind eine Online-Beteiligung sowie Vorher-/Nachher-Zählungen des Radverkehrs, um die Wirkung der Maßnahme zu bewerten und eine Grundlage für eine mögliche dauerhafte Einrichtung der Fahrradstraße zu schaffen.

„Wir halten die Fahrradstraße für zielführend und für eine sinnvolle Maßnahme“, sagte Uwe Lindner (CDU). Richtig sei zudem, den Verkehrsversuch über drei Monate hinweg durchzuführen, statt wie ursprünglich geplant nur einen Monat lang. Für ein gutes Gelingen sei allerdings die Akzeptanz der betroffenen Gewerbetreibenden und ihrer Beschäftigten „dringend erforderlich“.

Dagmar Criegee (FDP) erklärte, der Kleinfeldweg habe eine wichtige Funktion für die Erschließung des Gewerbegebiets für den Radverkehr. Deshalb könne ihre Fraktion dem Verkehrsversuch zustimmen.
Als positiv unter den zusätzlich im Rahmen der Mobilitätswoche geplanten Maßnahmen hob sie die geplante Rotmarkierung an der Einmündung der Ringstraße am Kreisverkehr Nahversorgungszentrum zur Bevorrechtigung des Radverkehrs hervor, die aus ihrer Sicht auch an der Bürgermeister-Willinger-Straße möglich wäre.

„Endlich wirkt der Mobilitätspakt auch mal nach außen“, meinte Maximilian Himberger (Bündnis 90/Die Grünen). Die Mobilitätswoche sei „eine gute Sache“, um ihn in die Öffentlichkeit zu rücken. Die Fahrradstraße im Kleinfeldweg sei sinnvoll und werde vom lokalen ADFC schon länger gefordert. Auch den Grünen sei der zunächst anvisierte Zeitraum von einem Monat für den Verkehrsversuch zu kurz erschienen, drei Monate seien besser.

Mihriban Gönenç (Zusammen für Walldorf) erklärte, es sei wichtig, die Sorgen der Gewerbetreibenden ernst zu nehmen. Sie finde es gut, dass der Verkehrsversuch zunächst zeitlich begrenzt sei. Damit könne man „Lösungen finden, die für möglichst viele Menschen funktionieren“.

Skepsis kam aus Reihen der SPD – weniger wegen der geplanten Maßnahmen, die als positiv bewertet wurden, als vielmehr wegen der kurzen Vorbereitungszeit. „Ist es überhaupt möglich, das kurzfristig umzusetzen?“, fragte Manfred Zuber angesichts der aktuell „konfliktträchtigen Situation“. Neben den Fragen zur Verkehrssicherheit sehen nach seinen Worten Teile der SPD-Fraktion auch einen zu kurzen zeitlichen Vorlauf, um alle Betroffenen richtig zu informieren. „Grundsätzlich halte ich den Verkehrsversuch für sinnvoll“, sagte Zuber aber auch.
„Ich halte die Vorlaufzeit für zu kurz anberaumt“, begründete seine Fraktionskollegin Petra Wahl ihr Nein bei der folgenden Abstimmung, zu dem sich zwei Enthaltungen von Dr. Andrea Schröder-Ritzrau (SPD) und Dr. Gerhard Baldes (CDU) gesellten. Schröder-Ritzrau vermisste „genaue Zahlen“ zu den Nutzern der Pendlerroute und befürchtete: „Wir produzieren vielleicht auch eine Gefährdung.“

„Wir sind froh um jede weitere Maßnahme“, sagte dagegen Wilfried Weisbrod (Bündnis 90/Die Grünen) mit Blick auf den Mobilitätspakt, in dem aus seiner Sicht bislang „wenig passiert“ sei.

„Wir kriegen das gut hin“, zeigte sich Stadtbaumeister Tisch zuversichtlich, aus dem Versuch „Erfahrungen zu sammeln“.

 

Text und Foto: Stadt Walldorf

 

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