Ein turbulentes Finanzjahr
„Das Werk ist wieder relativ umfangreich“, sagt Kämmerer Boris Maier mit bewusstem Understatement: Die Jahresrechnung 2024 umfasst stolze 470 Seiten. Wichtiger als der Umfang ist aber das Ergebnis, das höchst erfreulich ausfällt. Statt einem Minus von mehr als 77 Millionen Euro, von dem der im Juni 2024 verabschiedete Nachtragshaushalt ausgegangen war, weist das Ergebnis nun einen Finanzierungsmittelüberschuss in Höhe von mehr als 60 Millionen aus. Der Gemeinderat stellt die Jahresrechnung ebenso einstimmig fest wie die des Eigenbetriebs Wohnungswirtschaft, die mit einem Minus von 238.000 Euro schließt, rund 14.000 Euro weniger, als in der Planung erwartet.
Wie kompliziert das Finanzjahr 2024 gewesen ist, zeigt die Entwicklung der Gewerbesteuer: Im Haushaltsplan zunächst mit Einnahmen in Höhe von 160 Millionen Euro eingeplant, wurde sie nach der Ankündigung eines großen Steuerzahlers, im laufenden Jahr keine Vorauszahlungen leisten zu wollen, Mitte des Jahres im Nachtragshaushalt auf 90 Millionen nach unten korrigiert. „Dass es anders gekommen ist, wissen Sie“, kommentiert der Kämmerer die weitere Entwicklung. Denn daraus wurden dann dank unplanmäßig eingegangener Nachzahlungen und freiwilliger Vorauszahlungen tatsächlich mehr als 211 Millionen.
Erst in der zweiten Dezemberhälfte, also ganz am Ende des Jahres, trudelten die letzten 40 Millionen an freiwilligen Vorauszahlungen ein, die nicht nur die kommunalen, sondern auch die Kreisfinanzen beeinflussen sollten. „Nein, wir haben die 40 Millionen nicht falsch verbucht“, wiederspricht Kämmerer Maier anderslautenden Behauptungen. Es habe aber länger gedauert, das Statistische Landesamt zu überzeugen, die Summe noch dem Jahr 2024 zuzuschlagen. „Das fand erst im dritten Quartal 2025 statt“, so Maier zur späten Korrektur, auf die die Stadt gedrängt habe. Und erst dann habe – dank der höheren Umlagezahlungen aus Walldorf – der Rhein-Neckar-Kreis seine Umlage für alle Kreiskommunen doch zu einem niedrigeren Hebesatz als zunächst befürchtet beschließen können. Was nun 2026 niedrigere Zahlungen für alle bedeutet.
„Wenn die Ertragssituation auch noch so schön aussieht, zieht sie immer auch entsprechende Aufwendungen nach sich“, macht der Kämmerer auf die hohen Umlagen aufmerksam, die sich für 2024 an Kreis-, Finanzausgleichs- und Gewerbesteuerumlage auf mehr als 100 Millionen Euro summiert haben. Andererseits fielen die Auszahlungen aus der Investitionstätigkeit um einiges geringer aus als geplant: So schlugen etwa für Baumaßnahmen statt der vorgesehenen fast 34 Millionen Euro lediglich rund 16 Millionen zu Buche, weil sich „Etliches in die Zukunft verschoben“ hat. Es bleibt ein Jahresüberschuss von mehr als 60 Millionen und ein Anwachsen der liquiden Mittel zum 31. Dezember 2024 auf 674 Millionen Euro – ohne die gebundenen Mittel sind es 202 Millionen.
Mathias Pütz (CDU) geht in seiner Stellungnahme auf die „fiskalischen Ungewissheiten“ und „multimillionenschweren Schwankungen“ ein, denen der städtische Haushalt unterliege. Es sei richtig, auf Risikoidentifizierung und -minimierung zu setzen. Für die beschlossenen Großprojekte Pflegeheim, Feuerwehr, Schul- und Wohnungsbau sei es wichtig, „die Mittel jetzt zu fixieren“, so Pütz.
„Zufrieden mit dem positiven Ergebnis“ zeigt sich Dr. Andrea Schröder-Ritzrau (SPD). „Trotz Kapriolen in der Kasse“ habe man alle Pflicht- und freiwilligen Leistungen aufrechterhalten können. „Bemerkenswert“ sei, dass „trotz intensiver Bautätigkeit“ die eingeplanten Mittel nur zur Hälfte ausgeschöpft worden seien.
„Walldorf leistet seinen Beitrag für die umliegenden Kreiskommunen“, kommentiert Dr. Günter Willinger (FDP) den Beitrag der Walldorfer Umlagezahlungen zum Hebesatz der Kreisumlage. Nach den Entwicklungen 2024 müsse aber auch jedem klar geworden sein, „dass es keine Ewigkeitsgarantie bei den Gewerbesteuerzahlungen gibt“, so Willinger. Deshalb werde sich seine Fraktion auch weiter „für eine konservative und vorausschauende Finanzplanung“ einsetzen.
Wilfried Weisbrod (Bündnis 90/Die Grünen) sagte, zwar sei man zunächst „in der Bredouille“ gewesen, habe sich am Ende aber doch über ein „im Prinzip sehr erfreuliches Haushaltsjahr“ freuen dürfen. Mit Blick auf die Zukunft sei es „richtig, zu warnen“, grundsätzlich sehe er die Entwicklung aber nicht negativ. Zumal die Stadt ihre Finanzkraft für wichtige Infrastruktureinrichtungen nutze: „Wir geben dieses Geld ja zurück“, so Weisbrod.
Viel Lob kam von allen Rednern für die Arbeit des Eigenbetriebs Wohnungswirtschaft, der sich neben der Verwaltung vor allem auch um die energetische Sanierung des städtischen Wohnungsbestandes kümmert, was das übliche jährliche Defizit erklärt.
Text: Stadt Walldorf
Foto: BBinz




















