Vortrag von Professor Stefan Rahmstorf bei Promega

Klimaforscher weist eindrücklich auf Notwendigkeit zum Handeln hin

Der bekannte Klima- und Meeresforscher Professor Stefan Rahmstorf hielt am 29. April auf Einladung der Stadt Walldorf einen Vortrag zu den „Auswirkungen des Klimawandels“ in den Räumen der Firma Promega. Dr. Anette Leue begrüßte im Namen von Promega die geladenen Gäste.

Stefan Rahmstorf ist Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam und leitet die Abteilung Erdsystemanalyse am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Paläoklimaforschung, Veränderungen von Meeresströmungen und Meeresspiegel sowie Wetterextreme. Stefan Rahmstorf schreibt außerdem regelmäßig für den SPIEGEL über die Klimakrise.
„Aus Sicht der Wissenschaft wird er uns also viel Wissenswertes zum Thema Klimawandel zu sagen haben“, war sich Bürgermeister Matthias Renschler bei seiner Begrüßung sicher. Der Klimawandel, so Renschler weiter, sei bereits überall zu spüren. Auch in Walldorf müsse man sich damit auseinandersetzen. Um die dringend gebotene Walderhaltung bzw. Waldwiederherstellung mittel- und langfristig zu gewährleisten, habe etwa das Forstrevier umfangreiche Maßnahmen geplant.
Matthias Renschler erwähnte auch die Umwelt-Förderprogramme der Stadt Walldorf und die öffentliche Sitzung des Gemeinderats am 22. März, in der beschlossen wurde, dass die Stadt im Rahmen einer Klimaschutzoffensive ein klimapolitisches Leitbild entwickeln soll.

Professor Stefan Rahmstorf, der nach 2003 und 2009 bereits seinen dritten Vortrag in Walldorf hielt, machte gleich zu Beginn deutlich, dass es keinen Zweifel am menschengemachten Klimawandel gibt. Die Folgen beschrieb der Forscher mit deutlichen Worten: „Wir katapultieren uns in atemberaubender Geschwindigkeit aus dem Holozän heraus.“ Das Holozän ist die gegenwärtig andauernde Klimaepoche. Der Mensch habe bereits so viel CO2 in die Atmosphäre gegeben, dass die nächste prognostizierte Eiszeit in 50.000 Jahren ausfallen werde, so Rahmstorf.

Der Klimaforscher untermalte seinen Vortrag mit Zahlen und Erkenntnissen, die daraus in den vergangenen Jahrzehnten gezogen wurden. Eindrucksvoll legte er dar, welche dramatischen Folgen der Erde drohen, sollten die Menschen sich nicht in absehbarer Zeit von den fossilen Brennstoffen verabschieden. Das 1,5-Grad-Ziel (Erderwärmung bezogen auf den Zeitraum seit dem Beginn der Industrialisierung um 1830 bis zum Jahr 2100), auf das man sich 2015 im Pariser Klimaschutzabkommen geeinigt hatte, sieht Rahmstorf unter den aktuellen Entwicklungen nicht für erreichbar. „Auf unserem Pfad steuern wir auf 3,2 Grad zu.“ Die Politik müsse wesentlich mehr tun, auch Deutschland.
Er gab zu bedenken, dass das 1,5 Grad-Ziel nur ein globales Mittel darstelle. Das beziehe auch Wasserflächen mit ein. Die Erderwärmung bei den Landflächen betrage schon jetzt bis zu 2 Grad. Immer mehr Hitzewellen mit mehr Toten seien die Folge.
Als Beispiel führte Rahmstorf den Rekordsommer im Jahr 2003 an, der alleine im Nachbarland Frankreich viele tausend Tote gefordert hatte, in Europa waren es geschätzte 70.000. Normale Sommer seien wir inzwischen nicht mehr gewohnt, so der Experte. Der letzte Sommer sei von vielen Menschen als relativ kühl empfunden worden, dieser sei aber der heißeste Sommer überhaupt gewesen, nur eben mit Schwerpunkt in Osteuropa.
Zukünftig müsse man sich auf eine Häufung von Extremniederschlägen und Hitzewellen einstellen. Der Mittelmeerraum werde besonders darunter leiden.

Professor Stefan Rahmstorf ging in seinem Vortrag auch auf die Bedeutung sogenannter Kipppunkte im Klimasystem ein, also kritische Schwellenwerte, bei deren Überschreiten es zu starken und teils unaufhaltsamen und unumkehrbaren Veränderungen kommt. Diese betreffen unter anderem die ganzjährige Meereisdecke auf dem arktischen Ozean und die tropischen Korallenriffe. Letztere würden auch beim Einhalten des 1,5 Grad-Ziels fast vollständig verschwinden und auch der Meeresspiegel werde sicher ansteigen, im schlimmsten Fall bis zu 2 Metern. „Je länger wir warten, desto früher müssen wir bei den CO2-Emmissionen auf 0 kommen“, so Rahmstorf.
Was es nun laut Rahmstorf brauche, sei ein „gesellschaftlicher Kipppunkt“, der ein Umdenken in der Politik bewirke. Denn seiner Meinung nach sei in Bezug auf die Wissenschaft „unser Einfluss auf die Politik nicht groß genug“.
Bewegungen wie „Fridays for Future“ hätten in der jüngeren Vergangenheit erfolgreich wesentlich mehr Druck aufgebaut.

Nach dem Vortrag nutzten die Gäste die Möglichkeit, dem Forscher Fragen zu stellen und in die Diskussion zu kommen.

 

Text und Foto: Stadt Walldorf

 

Veröffentlicht am 8. Mai 2022, 12:00
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