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Ungepflegt und ungewollt: Kaninchen im Tom-Tatze-Tierheim in Walldorf abgegeben

6. Oktober 2020 | > Walldorf, Gesellschaft, Leitartikel, Photo Gallery, Tierheim Tom Tatze, Wiesloch/Walldorf

Im Tom-Tatze-Tierheim in Walldorf erlebt man es immer wieder, dass Menschen ihre Tiere abgeben, da sie ihnen überdrüssig geworden sind. Das ist traurig genug, aber wie egal ein Tier seinem Menschen ist, davon konnten sich die Mitarbeiter nun bei einem Kaninchen ein Bild machen.

Abgegeben wurde es wegen einer Allergie. Der Anblick verriet aber den wahren Grund. Das Kaninchen war in einem äußerst ungepflegten Zustand. Die Mitarbeiter kämmten Unmengen von Fell heraus, die Zähne wurden geschnitten und sogar das Geschlecht wurde neu bestimmt. Ein trauriger Anblick und hinzu kam noch, dass dieses Kaninchen in Einzelhaltung sein Dasein fristete. Diese Zeiten sind für dieses Kaninchen Gott sei Dank nun vorbei und das Tierheim ist definitiv ein besseres Zuhause. Einzelhaltung für Kaninchen ist grausam. Kaninchen leben in der Natur in Gruppen und besitzen ein gemeinsames Revier. Innerhalb der Gruppen gibt es meist eine feste Rangordnung. Ein Großteil des Verhaltensrepertoires eines Kaninchens ist auf das Zusammenleben mit anderen Kaninchen ausgerichtet. Kaninchen machen Männchen, um die Gruppe besser vor Fressfeinden zu warnen. Sie geben durch Klopfen Alarm, wenn sich eine Gefahr nähert, damit sich die anderen rechtzeitig in Sicherheit bringen können. Kaninchen zeigen durch Anstupsen, wenn sie Aufmerksamkeit von einem Partnertier wünschen, ducken sich vor ranghöheren Tieren, um diese zu beschwichtigen, putzen sich gegenseitig, um ihre Bindung zu vertiefen. Sie knurren, wenn sie ihre Ruhe haben wollen und liegen oft stundenlang Seite an Seite mit einem Partner ihrer Wahl. Es liegt also in der Natur des Kaninchens, mit anderen Artgenossen zu leben und mit ihnen zu kommunizieren. Aus diesen Gründen sollten Kaninchen niemals alleine gehalten werden. Zwingt man Kaninchen, alleine zu leben, zeigen sie häufig vermehrt Sozialverhalten ihren Besitzern gegenüber. Dies wird oft fälschlicherweise als eine intensive Bindung des Tiers an den Menschen interpretiert. Leider ist die traurige Wahrheit eher, dass ein Tier dadurch sehr stark sein unerfülltes Bedürfnis nach einem adäquaten Partner ausdrückt.

Kaninchen sind keine Kuscheltiere, also sollte die Anschaffung gut überlegt sein. Wenn man sich aber einmal dafür entschieden hat, kann man sich an ihnen erfreuen und einfach beim Beobachten im Alltag entspannen.

www.tierschutz-wiesloch.de

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