Großübung des Katastrophenschutzes – Notfallsimulation der AG Notfallstation Rhein-Neckar-Odenwald

Katastrophenschutzübung „Notfallsituation Rhein-Neckar-Odenwald 2019“ der Arbeitsgemeinschaft Notfallstation Rhein-Neckar-Odenwald – Pilotübung für das Land Baden-Württemberg unter Mitwirkung aller im Bevölkerungsschutz tätigen Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS)

(rp) Wiesloch / Rhein-Neckar-Kreis / Neckar-Odenwald-Kreis, 14.04.2019 – Am Samstag, den 13. April 2019, fand auf dem Gelände des Schulzentrums in Wiesloch eine großangelegte Übung des Katastrophenschutzes statt. Mit rund 500 Übungsbeteiligten war dies bisher die größte Übung dieser Art in Baden-Württemberg.

Geübt wurde der Aufbau beziehungsweise der Betrieb einer sogenannten Notfallstation. Diese sind wesentlicher Bestandteil der Katastophenschutzplanungen in der Umgebung von Kerntechnischen Anlagen.

AKW in Philippsburg (Archivfoto der Red.)

AKW in Philippsburg (Archivfoto der Red.)

Nach Ereignissen mit einer Freisetzung von Radioaktivität dienen die Notfallstationen als freiwillige Anlaufpunkte für die Bevölkerung. Dort erhält sie Informationen, Betreuung und wird auf eine mögliche Kontermination gemessen und gegebenenfalls dekontaminiert.

Die Notfallstationen sind für bis zu 1000 Menschen am Tag und einen 24-Stunden Betrieb ausgelegt.

Für den Betrieb der Notfallstation wird eine große Anzahl an Helfern benötigt, Sanitätsdienste, Polizei, Feuerwehr, Technisches Hilfswerk, Psychosoziale Notfallversorger (PSNV) sowie Vertreter der verschiedensten Behörden.

AG Notfallstation Rhein-Neckar-Odenwald

An der Übung nahmen die Kräfte des Katastrophenschutzes der Städte Mannheim und Heidelberg und aus den Landkreisen Neckar-Odenwald und dem Rhein-Neckar-Kreis teil. Erstmals wurde der gemeinsame Betrieb einer Notfallstation geprobt. 

Bevölkerungsschutz Baden-Württemberg

Bevölkerungsschutz Baden-Württemberg

Notfallstation Wiesloch – Lob aus dem Innenministerium

Professor Hermann Schröder, Leiter der Abteilung „Bevölkerungsschutz und Krisenmanagement“ des Innenministeriums des Landes Baden-Württemberg äußerte sich positiv zum Verlauf der Übung und betonte die Wichtigkeit solcher Simulationen. Die technische Ausstattung des Katastophenschutzes in den Städten und Landkreisen sei auf einem zufriedenstellenden hohen Niveau.

Professor Hermann Schröder

Professor Hermann Schröder

Landrat des Rhein-Neckar-Kreis Stefan Dallinger führte Landtagsabgeordneter Karl Klein und weitere Gäste durch die Teilstationen. „Die Helfer leisten ganze Arbeit“ lobte Karl Klein die Einsatzkräfte. Unter anderem waren auch Gäste aus der Schweiz anwesend die die Übung mit großem Interesse beobachteten. Wieslochs Bürgermeister Ludwig Sauer war ebenfalls anwesend.

Landrat Stefan Dallinger und Landtagsabgeordneter Karl Klein mit einigen der Helfern

Landrat Stefan Dallinger (3. v.r.) und Karl Klein (r.) mit einigen der Helfern

Landrat Dallinger bedankt sich bei den Einsatzkräften und sonstigen Beteiligten sowie auch bei der Wieslocher Bevölkerung die für die Dauer der Übung Verkehrseinschränkungen in Kauf nehmen musste.

Dr. Armin Brötel (links)

Dr. Armin Brötel (links)

Sein Kollege Landrat des Neckar-Odenwald-Kreis Dr. Armin Brötel äußerte sich wie folgt: „Niemand plant zu versagen, aber viele versagen beim Planen. Wenn es tatsächlich zu einem kerntechnischen Störfall kommen würde, könnten wir es uns nicht leisten zu versagen. Deshalb müssen wir Vorsorge treffen. Für mich war es beeindruckend zu sehen wie bei dieser Übung jedes Rädchen ineinander gegriffen hat“.

Der Rhein-Neckar-Kreis, der Neckar-Odenwald-Kreis und die beiden Städte Mannheim und Heidelberg seien im Fall des Falles hervorragend aufgestellt so Landrat Brötel.

Zentrum beruflicher Schulen Wiesloch

Zentrum beruflicher Schulen Wiesloch

Radiologische Notfallstationen werden ausschließlich außerhalb von Gebieten die von einer Freisetzung von radioaktiven Stoffen betroffen sind eingerichtet. Dazu eignen sich auf Grund ihrer Infrastruktur besonders Schulzentren und Großsporthallen.

Für den Betrieb der Notfallstation werden pro Schicht etwa 200 Einsatzkräfte benötigt, also bei 3 Schichten somit 600 Helfer pro Tag. Die Notfallstation wird in Teilstationen untergliedert. Die Notfallstation besteht insgesamt aus der Abschnittsleitung mit einer Führungsgruppe, dem „Informationszentrum“, der „Ersten Hilfe und Ärztlichen Erstversorgung/Einweisung in das Krankenhaus“, der „Psychosozialen Notfallversorgung (Psychosoziale Notfallversorgung)“ und weiteren bezeichneten Teilstationen.

Ganzkörperdekontamination (Duschen mit viel Seife oder Shampoo) nur bei vordringlich zu dekontaminierenden Personen (Kontamination > 40 kBq/cm²), dabei soll möglichst kein Wasser in Augen, Nase oder Mund gelangen (Vermeidung der Inkorporation).

Für die Pilotübung Radioaktiver Zwischenfall wurden in Wiesloch etwa 100 Darsteller engagiert. Auch diese leisteten ganze Arbeit, sie spielten ihre Rollen sehr glaubhaft, der Ensthaftigkeit einer solchen Katastrophenschutzübung bewusst.

Psychosoziale Notfallversorgung in kleinerem Umfang,

Psychosoziale Notfallversorgung in kleinerem Umfang,

Die Frau auf dem Foto spiele ihre Rolle sehr realistisch. Sie sei alleine hier, sie wisse nicht wo ihr Mann und ihre Kinder sind. Sie erreicht ihren Mann telefonisch nicht mehr, und überhaupt sie weiss nicht mehr wo ihr der Kopf steht und was sie nun tun soll.

strahlung schilddrüsenuntersuchung

Strahlung Schilddrüsenuntersuchung

Grossübung Atomunfall

Das Szenario bei dieser Übung war ein Zwischenfall im Kernkraftwerk Neckarwestheim.

Über einige Stunden trat radioaktives Material in die Atmosphäre aus. In Abhängigkeit von ihrem Aufenthaltsort und der Windrichtung, könnten Personen in einer bestimmten Gefahrenzone radioaktiv kontaminiert werden.

Ebenso wäre jedes weitere Szenario denkbar, ob Zwischenfall in AKW oder bei einem Castortransport.

Einsatzmöglichkeiten der Notfallstationen bestehen bei Ereignissen, die mit der Kontamination einer größeren Personengruppe (Bevölkerung und Einsatzkräften) verbunden sind.

Hierunter können insbesondere zählen radiologische Notstandssituationen, Unfälle, Störfälle und sonstige sicherheitstechnisch bedeutsame Ereignisse im Zusammenhang mit dem Umgang oder der Beförderung radioaktiver Stoffe, wie beispielsweise bei einem Brand im Anwendungs- oder Lagerbereich radioaktiver Stoffe oder bei einem Transportunfall im Zusammenhang mit der Beförderung radioaktiver Stoffe sowie Fälle der nuklearspezifischen Gefahrenabwehr, d.h. Ereignisse im Zusammenhang mit der missbräuchlichen Verwendung radioaktiver Stoffe, wie beispielsweise strafbare Handlungen.

Darüber hinaus können die Notfallstationen bedarfs- und ausstattungsabhängig auch nach bestimmten CBRN-Lagengenutzt werden. Für die Nutzung der Notfallstationen in den vorgenannten Fällen sind nur geringe Anpassungen der Einsatzplanung erforderlich.

Teilstation 1 – Eingang, Befragung der eintreffenden Personen (bei der Befragung ist festzustellen, ob die Personen aus einem betroffenen oder nicht betroffenen Gebiet kommen)

Teilstation 2 – Registrierung

Teilstation 3 – Kontaminationsmessung. Auf dem Erhebungsbogen ist von der Einsatzkraft das Ergebnis der Kontaminationsprüfung einzutragen.

Teilstation 4 – Abschätzung der Strahlendosis. Abschätzen der Dosis aufgrund der übermittelten radiologischen Daten und der angegebenen Aufenthaltsorte und -zeiten der Betroffenen.

Teilstation 5 – Ärztliche Beurteilung. Überprüfung auf Anzeichen einer Strahlenexposition (Frühsymptome).

Teilstation 6 – Registrierung, ggf. weitere Informationen sowie ggf. Betreuung/Aufenthaltsregelung.

Teilstation 7 – Ausgang. Registrierung aller Personen, die Teilstation 7 durchlaufen (Einbeziehung derPersonenauskunftsstelle, der Polizei oder anderer Stellen). Ausgabe des Merkblattes „Wie verhalte ich mich nach dem Verlassen der Notfallstation?“

"Mensch ärgere dich nicht!"

„Mensch ärgere dich nicht!“

Bei der Planung der Notfallstationist nach Möglichkeit zu beachten, dass Familien zusammen bleiben und die Belange von Menschen mit HilfebedarfBerücksichtigung finden. Menschen mit Hilfebedarf soll soweit eine Dekontamination erforderlich ist in erster Linie durch die sie begleitenden Personen geholfen werden. Soweit Menschen mit Hilfebedarf die Notfallstation allein erreichen, ist die erforderliche Hilfestellung zu gewährleisten.

Nach einem kerntechnischen Unfall kann es zu einer vorübergehenden Trennung von Familien bzw. Angehörigen kommen. Damit diese wieder zusammengeführt werden können, wird für die Notfallstationen auf Anordnung der zuständigen Katastrophenschutzbehörde zum Zweck der Familienzusammenführung eine Personenauskunftsstelle nach den jeweiligen landesspezifischen Gegebenheiten eingerichtet. Die Personenauskunftsstelle kann durch das zuständige Kreisauskunftsbüro betrieben und der Notfallstation zugeordnet werden. Die Personenauskunftsstelle erhebt die zur Aufgabenerfüllung erforderlichen Personendaten.

Einige Impressionen der Katastrophenschutzübung „Notfallsituation Rhein-Neckar-Odenwald 2019“ 

Text und Fotos: Robert Pastor

 

Weiterführende Informationen:

RAHMENEMPFEHLUNGEN ZU EINRICHTUNG UND BETRIEB VON NOTFALLSTATIONEN

Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis: Informationen zu Katastrophenschutz

Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen

Infos des Landesinnenministeriums Baden-Württemberg zu katastrophenschutz

Video des Bundesamt für Bevölkerungsschutz u. Katastrophenhilfe:

Was tun bei CBRN-Gefahren – Vorsorge und Selbsthilfe

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Veröffentlicht am 14. April 2019, 03:58
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