Steuerungsgruppe „Demenz im Quartier“ zieht nach zwei Jahren Fazit

„Gut Ding braucht Weile“

Zu ihrem letzten Treffen kamen die Mitglieder der Steuerungsgruppe „Demenz im Quartier“ im Sozialraum des Rathauses zusammen. Vor allem ging es bei dem Treffen darum, ein Fazit der vergangenen zwei Jahre zu ziehen, in denen das Modell-Projekt „Demenz im Quartier“ in Walldorf stattfand. In der Steuerungsgruppe waren zahlreiche Akteure des gesellschaftlichen, politischen und kirchlichen Lebens in Walldorf vertreten.

 

Andrea Münch von der IAV-Stelle, Projektverantwortliche seitens der Stadt, sprach nach der Begrüßung über ihren persönlichen Eindruck. „Was ich für mich gelernt habe: Gut Ding braucht Weile.“ Es benötige einfach Zeit, bis Vertrauen aufgebaut ist, resümierte Andrea Münch. Sie sprach unter anderem die Zielsetzung des ersten Treffens der Steuerungsgruppe im Sommer des vergangenen Jahres an, welche lautete, dass die Mitglieder als Multiplikatoren dienen sollten. Um Menschen für das Projekt zu gewinnen, sei nun eine wichtige Erkenntnis: „Je konkreter die Idee oder das Anliegen, desto einfacher ist es.“ 

Auch die Mitglieder der Steuerungsgruppe sprachen über ihre persönlichen Erfahrungen. Andrea Wirth-Müller zeigte sich überzeugt, dass viele Menschen in Walldorf für das Thema Demenz sensibilisiert wurden. Auch sie habe gelernt, sich in Geduld zu üben. Das Vorhaben, Jugendliche an den Schulen zu erreichen, habe durch den Ukraine-Krieg leider nicht wie gewünscht umgesetzt werden können. Aber man sei stattdessen auf die Konfirmanden zugegangen und freue sich nun auf die Umsetzung einer Veranstaltung am 21. Januar.

„Eine Erkenntnis, die ich hatte, war, dass es viel mehr Betroffene gibt, als man denkt“, sagte Paula Glogowski. Wichtig sei, dass jemand anfängt, sich für das Thema zu öffnen und darüber zu sprechen. Das mache es für andere leichter. Das habe beispielsweise der Film gezeigt. „Nach außen zu gehen, hat vielen gutgetan.“ Schwierig sei es inzwischen allerdings geworden, Menschen für ein dauerhaftes Engagement im Ehrenamt zu gewinnen, so Paula Glogowski.

„Ich bin unendlich dankbar, dass Sie gleich zu Beginn auf die Kirchen zugegangen sind“, sagte Pfarrerin Henriette Freidhof zu Andrea Münch. Das sei ein Türöffner gewesen, um zu netzwerken. „Die Kirchen können und wollen einen Beitrag leisten“, so Henriette Freidhof weiter. Sie selbst sei im Laufe der vergangenen zwei Jahre auch mehr für das Thema sensibilisiert worden. „Ich habe viel gelernt und bin sehr dankbar für das Projekt.“

Thorsten Antritter sprach über seine Erfahrungen, die er als Leiter des Astor-Stifts gesammelt hat. „Auffällig war: Es gab viele Angehörige, die uns angesprochen haben.“ Sein Dank ging auch an Reiner Menges, der als Angehöriger seiner demenzerkrankten Frau in die „Offensive ging“. Er selbst habe durch das Projekt gelernt, noch „genauer und intensiver“ auf die betroffenen Menschen zu schauen. Innerhalb seines ehrenamtlichen Engagements beim DRK gelang es ihm, jüngere Vereinsmitglieder als Reaktion auf die Frage: „Was ist eigentlich Demenz?“ mit einer kleinen internen Schulung und einer gemeinsam durchgeführten Veranstaltung im Pflegezentrum für das Thema zu interessieren.

„Wir würden uns wünschen, noch mehr Kontakt zu Vereinen zu haben, die sich für das Thema interessieren“, meinte Andrea Münch.

Für Doris Schuppe, Fachdienstleiterin Soziale Hilfen, braucht es für die Menschen ein Gesicht, das man mit dem Thema verknüpft. Dann falle es vielen leichter, darauf zuzugehen. „Ich sehe, es gibt bei einigen eine tolerantere Haltung gegenüber an Demenz Erkrankten“, schilderte sie ihre Eindrücke. Das sei ein „toller Schritt in die richtige Richtung“. 

Wilfried Weisbrod, der in Vertretung von Nele Böhm gekommen war, zeigte sich von dem Projekt-Film beeindruckt. Das Thema Demenz werde immer wichtiger werden und daher sei das Projekt „eine gute Sache“ gewesen.

Reiner Menges hat nach eigenen gelernt, dass er als betroffener Angehöriger den Mut hat, auch fremde Menschen auf das Thema Demenz anzusprechen. Seine Empfehlung lautet: „Geht offen mit der Krankheit um.“ Während des Projekts hatte sich der Stadtspaziergang, den er mit der Stadt anbot, zu einer nachgefragten Veranstaltung entwickelt. „Das hat richtig Spaß gemacht, ich will es gerne weitermachen“, so Reiner Menges, der anklingen ließ, dass er noch weitere Ideen zum Thema habe.

Der Erste Beigeordnete Otto Steinmann sprach die Workshops an, die während des Projekts angeboten wurden. Die Offenheit dort habe ihn sehr berührt und tief bewegt. Das Projekt habe wieder einmal gezeigt: „Das Ehrenamt braucht das Hauptamt und umgekehrt.“ Das Hauptamt habe als Motor fungiert. Seinen Dank richtete der Erste Beigeordnete in dem Zusammenhang an Andrea Münch. Auch der Steuerungsgruppe, der noch weitere Mitglieder angehörten, sprach Steinmann seinen Dank aus.

Alle Beteiligten waren sich einig, dass es nun darum gehe, das Thema weiter mit Leben zu füllen. Andrea Münch gab schon mal einen Ausblick auf kommende Veranstaltungen und Aktivitäten. Das Begegnungsangebot „Café im Quartier“ als Kooperationsprojekt des Vereins „Generationenübergreifendes Leben in Walldorf“ und der Stadt Walldorf ist so gut angenommen worden, dass es weiterhin regelmäßig einmal monatlich stattfinden wird, die Denkwerkstatt Demenz soll wieder im Herbst stattfinden. Der Plan sei: „Netzwerke weiter nutzen und die Zielgruppen ausweiten.“ Damit seien zum Beispiel in einer geplanten Veranstaltungsreihe alle pflegenden Angehörigen gemeint.

Am 21. Januar findet um 17 Uhr im evangelischen Gemeindehaus eine gemeinsame Veranstaltung der Evangelischen Kirchengemeinde und der Stadt Walldorf statt. Der 16-jährige Autor Oskar Seyfert aus Hamburg wird zu Gast sein und aus seinem Buch „Vom Privileg, einen kranken Vater zu haben“ vorlesen. Oskar ist elf Jahre alt, als sein Vater mit nur 54 Jahren die Diagnose Alzheimer erhält. Wie kommen Oskar und seine Familie, seine Geschwister, seine Mutter mit dieser schwierigen Situation zurecht?  Diese Erinnerungen hat Oskar in seinem berührenden Buch festgehalten. 
Es ist eine Erzählung über die Zuneigung eines Sohnes zu seinem Vater und darüber, wie der familiäre Zusammenhalt auf die Probe gestellt wird. Die Veranstaltung ist kostenfrei und richtet sich an alle an dem Thema Interessierte, insbesondere sind auch junge Menschen herzlich eingeladen.

 

 

 

Text/Logo/Fotos: Stadt Walldorf

 

 

Veröffentlicht am 23. Dezember 2022, 17:00
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