Mit Passion auf dem Fahrradsattel

Ehrung der erfolgreichsten Stadtradlerinnen und -radler aus Walldorf mit Olympiasieger  Günter Haritz

Die Gewinner des kreisweiten „Stadtradelns“ vom Juni dieses Jahres stehen fest. Am 9. September ehrte Landrat Stefan Dallinger in Weinheim gemeinsam mit der ehrenamtlichen Oberbürgermeister-Stellvertreterin Elisabeth Kramer und dem Landtagsabgeordneten Hermino Katzenstein die Gewinnerinnen und Gewinner.

Zu den 2.255 Einwohnerinnen und Einwohner des Landkreises, die mitradelten, gehörten auch zahlreiche Walldorferinnen und Walldorfer, von denen einige in Weinheim geehrt wurden. Walldorf kann auf das fahrradaktivste Kommunalparlament stolz sein. In dieser Kategorie hatte Walldorf mit 190,7 Kilometern die Nase vorn. Als beste Radlerin des Rhein-Neckar-Kreises wurde Dagmar Criegee ausgezeichnet, die in den drei Stadtradel-Wochen 1018,9 Kilometer zurücklegte und damit 144,68 Kilogramm Kohlendioxid einsparte.

Bei der Ehrung unermüdlicher Stadtradlerinnen und -radler im Walldorfer Rathaus, die am 19. September mit einer Preisverleihung stattfand, wurde Dagmar Criegee nochmals als beste Walldorfer Radlerin geehrt. Sie legte ihr enormes Pensum als Mitglied der FDP-Radelgruppe zurück, die als Team mit den meisten gefahrenen Kilometern pro Mitglied aus dem Wettbewerb hervorging. Die acht FDP-Mitglieder legten umgerechnet jeweils 569,8 Kilometer zurück. Sie lieferten sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Team der Gemeinderatsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen. Das grüne Team kam auf 562,8 Kilometer pro Mitglied. Der Radtreff Walldorf kam in dieser Kategorie auf Platz drei mit 377,8 Kilometern pro Radler. Insgesamt kamen die 35-Radtreff-Mitglieder aber auf Platz 1 in der Kategorie des Teams mit den meisten Kilometern insgesamt. Der Radtreff legte sage und schreibe 13.222 Kilometer zurück. Bester Walldorfer Radler wurde Frank Sänger vom Team „Life Cycler“ mit 1.054 Kilometern und damit noch ein paar Kilometern mehr als Dagmar Criegee.

Bürgermeisterin Christiane Staab sprach allen, die sich für das „Stadtradeln“ ins Zeug gelegt hatten, ihren herzlichen Dank aus und ihrem Mitarbeiter Christian Horny für die Idee, daran teilzunehmen und ganz aktiv etwas für den Klimaschutz zu tun. Insgesamt beteiligten sich laut Christian Horny 18 Walldorfer Teams am „Stadtradeln“ mit 267 Radlerinnen und Radlern, die es auf 57.045 Kilometer brachten und dadurch 8,1 Tonnen Kohlendioxid vermieden haben.

An das Einsparen von Kohlendioxid dachte Olympiasieger Günter Haritz bestimmt nicht, als er sich schon als Jugendlicher leidenschaftlich gern auf sein Fahrrad schwang. Als besonderes Geschenk für die erfolgreichen Walldorfer Radlerinnen und Radler hatte die Stadt zur  Ehrung den „radsportbesessenen“ Günter Haritz eingeladen. Arnim Töpel, der von Günter Haritz‘ Werdegang und Persönlichkeit fasziniert ist, hat ein Buch über ihn geschrieben und warf im lockeren Gespräch Schlaglichter auf dessen „hochinteressantes Leben“. Dieses begann 1948 im Heidelberger Stadtteil Kirchheim-Neurott, wo Haritz auf einem Bauernhof aufwuchs. Vom aus Berlin stammenden Vater erbte er wohl die Passion für den Fahrradsport, denn dieser war selbst Amateurradrennfahrer. Den Sohn wollte er aber nicht so gern auf dem Fahrradsattel sehen und so machte sich Günter, der als Konfirmand sein erstes Fahrrad bekam, heimlich zu diversen Radrennen auf, die es damals überall gab. Unter dem Sonntagsanzug trug er Turnhose und Trikot. Die Mutter wurde stutzig, dass er dazu Turnschuhe trug – damals eigentlich undenkbar. Schutzbleche und Gepäckträger des Fahrrads wurden außer Sichtweite des Elternhauses abgeschraubt und vor der Heimkehr wieder in Position gebracht. „Günter Haritz hat seinen Platz im Leben früh gefunden – auf dem Fahrradsattel“, stellte Arnim Töpel schmunzelnd fest. Günter Haritz hatte für Arnim Töpel und die Gäste des Abends auch sein Album geöffnet und es wurden nostalgische Fotos von den wichtigsten Stationen des Radrennfahrers gezeigt, der Sportgeschichte geschrieben hat. Der Teufelskerl schaffte es sogar, sein Fahrrad in das Goggomobil seines Vaters hineinzuzwängen, nur damit ihn der Vater an einem bitterkalten Wintertag zur wichtigen Kreismeisterschaft nach Hemsbach fuhr. Haritz, der es gewohnt war, bei jedem Wetter täglich vom Neurott nach Heidelberg zur Lehrstelle zu radeln und nach der Arbeit und einem kurzen Stopp daheim weiter zum Training bis nach Oberhausen, sollte sich nach dem Willen seines Vaters auf dem Weg nach Hemsbach nicht den Tod holen. Doch mit dem Fahrrad im Goggomobil blieb dem strengen Vater nichts übrig, als den Junior nach Hemsbach zu kutschieren. Dass Günter Haritz Olympiasieger im Bahnvierer werden sollte, ahnte damals noch niemand. Doch Trainer und Funktionäre wurden auf den jungen Heißsporn mit dem unbändigen Willen bald aufmerksam und eine steile Karriere begann. Der Radler mit dem „schiefen Kopf“ als Markenzeichen bestritt bei der Olympiade 1972 in München mit dem Bahnvierer das direkte deutsch-deutsche Duell – nicht nur sportlich, sondern auch politisch brisant. Sogar Franz-Josef Strauß – wer hätte gedacht, dass dieser selbst einst Radrennfahrer war – kam vor dem Rennen zu den Vieren in die Kabine. „Ihr gewinnt doch, Ihr seid eine sichere Goldmedaille!“ lautete sein Appell. Trainer Gustav Kilian, der eine große Rolle in Günter Haritz‘ Leben spielte, instruierte seine Jungs und die Taktik ging auf. Als wäre es erst gestern gewesen, schilderte Haritz, welche Anweisungen Kilian gab und wie er per hochgehaltener Bild-Zeitung deutliche Signale während des Rennens gab. „Wir haben die DDR’ler geknackt!“ Die olympische Goldmedaille war und ist für Günter Haritz das „Allergrößte“. Nach dem zweiten Sieg des „Gold-Vierers“ bei Weltmeisterschaften anno 1973 wechselte Haritz ins Profi-Lager. Seinen Berichten über die Sechstagerennen mit Volksfestcharakter, seine Leiden bei Bergfahrten, sein Heimweh und dass er als junger Heißsporn  so manchen, der ihm in die Quere kam, am liebsten „auseinandergenommen“ hätte, hätte man bei dem von Arnim Töpel äußerst feinfühlig und mit großem Respekt geführten Gespräch noch lange zuhören können. Dass Günter Haritz, dem nachgesagt wurde, „wie ein junger Gott zu fahren“, rasch zum Publikumsliebling avancierte, konnte man sich nach diesem Abend nur zu gut vorstellen.

Der einstige Neurottler ist heute Ehrenbürger von Leimen. Seit er sich 1980 verletzungsbedingt aus dem Radsport zurückgezogen hat, führt er in Leimen erfolgreich ein Fahrradgeschäft.

Landrat Stefan Dallinger (2.v.r.) überreichte die Urkunde für das fahrradaktivste Kommunalparlament an Bürgermeisterin Christiane Staab, Stadträtin Dagmar Criegee, die auch aktivste Radlerin des Landkreises wurde, FDP-Fraktionsvorsitzenden Dr. Günter Willinger und Christian Horny (rechts) am 9. September in Weinheim (Foto: Dorothea Burkhardt)

Arnim Töpel (li.) im Gespräch mit dem „Teufelskerl“ Günter Haritz (Foto: Pfeifer)

Bürgermeisterin Christiane Staab und Christian Horny (re.) sowie Günter Haritz (Mitte vorn) mit den glücklichen Gewinnern des  Radtreffs Walldorf, der Radelgruppe FDP sowie den Einzelsiegern Dagmar Criegee (Radelgruppe FDP) und Frank Sänger (Life Cycler) (Foto: Pfeifer)

Text: Stadt Walldorf

 

 

Veröffentlicht am 30. September 2018, 10:00
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