Lars Reichow geht ins Zwerchfell und ins Hirn

Zeltspektakel mit stimmungsvoller Eröffnung

Als Lars Reichow pünktlich um 19.30 Uhr nach der Ankündigung durch Organisator Jürgen Vogel die Bühne betritt, wird er von begeistertem Applaus in der Manege empfangen. Zur Eröffnung des Zeltspektakels am Dienstag präsentiert der Kabarettist, Entertainer, Moderator und Musiker sein aktuelles Programm „Ich!“. 

„Schön, dass es euch noch gibt“, freut sich Lars Reichow zur Begrüßung. Damit spielt er auf die Einschränkungen der vergangenen zwei Jahre an. Die Folgen der Corona-Pandemie kann er natürlich nicht unerwähnt lassen. Dass seine Heimatstadt Mainz durch den Impfstoffhersteller Biontech eine größere Rolle in der öffentlichen Wahrnehmung eingenommen hat, ist für den Kabarettisten eine Steilvorlage. Das „Vakzin Nummer eins in Deutschland“ habe man in der Fastnacht entwickelt, verkündet er grinsend. Dass eben jenes Vakzin der Stadt nebenbei zu großem Reichtum verholfen hat, veranlasst Reichow, dazu darüber zu sinnieren, wie sich das viele Geld am besten ausgeben lässt: etwa mit Fastnachtsraketen ins All zu fliegen, den Fastnachtsumzug über Walldorf bis nach Stuttgart zu erweitern oder einfach mal Wiesbaden zu kaufen.

 

Spaß über die Region

Das Publikum hat er zu diesem Zeitpunkt schon längst mitgenommen, die Stimmung auf den Rängen rund um die Manege ist ausgelassen und Lars Reichow weiß genau, welche „Knöpfe“ er drücken muss, um für Lacher zu sorgen. Ein paar Seitenhiebe auf Wiesloch, ein „autobiografisches“ Lied über das Kennenlernen seiner großen Liebe (natürlich in Walldorf) und die Zuschauer amüsieren sich hör- und sichtbar.

Lars Reichow deckt aber nicht nur Lokales ab. Immer wieder wagt er den Schwenk zu den großen Themen, die Europa und die Welt betreffen. Er richtet den Blick nach Großbritannien und auf den Brexit und er besingt „die großartige Demokratie Amerika“, ohne dabei die Ambivalenz dieses Landes aus den Augen zu verlieren. Lars Reichow präsentiert sich als ein Mann der klaren Worte: Er kritisiert die FDP für ihre Ablehnung des Tempolimits auf den Autobahnen und lobt die Grünen für ihre klare Haltung im Ukraine-Krieg. Dass Olaf Scholz nun Kanzler sei, mache es den Kabarettisten im Land nicht gerade einfach, gibt Lars Reichow zu. „Der redet ja fast gar nicht.“ Immerhin: „Er trägt die Raute im Gesicht.“ Auch die Kirchen bekommen ihr Fett weg. Wo waren die eigentlich während der Corona-Pandemie? Wo sind deren Ideen für die Zukunft? Diese Fragen richte er vor allem an die „Geschäftsführung“, macht Reichow deutlich. Die Basis sei da schließlich schon viel weiter.

Lars Reichow kann auch Selbstironie: Er berichtet von seinen Erfahrungen mit Fitness-Videos im Internet, Selbstversuchen mit „Planks“ und von seiner sportlichen Tochter, die so gar nicht nach dem Vater kommt. Sein neues Credo laute: „Raus aus der Fitness – rein ins Schlemmerland.“ Dem Walldorfer Publikum empfiehlt er, Fitness-Videos anzuschauen und dabei zu essen. Auch die Rollenverteilung in seiner Ehe thematisiert Lars Reichow auf amüsante Weise. Er sei in der Beziehung der „Merker“ und seine Frau die „Macherin“. Mit der Erfahrung eines kaputten Duschschlauchs hat er gleich ein konkretes Beispiel parat. Blöd werde es für ihn nur, wenn der rasenmähende Nachbar am Sonntagmittag nervt und die „Macherin“ nicht zu Hause ist. Dann muss Lars Reichow selbst zum „Macher“ werden und zum Nachbarn rübergehen, gleich nachdem er die Adresse herausgefunden hat. Solche skurrilen Alltagsbeschreibungen amüsieren das Publikum köstlich, Szenenapplaus ist an diesem Abend keine Seltenheit. Besonders schütteln sich die Gäste vor Lachen, als Lars Reichow vor der Pause eine Reise durch Europa unternimmt und verschiedene Sprachen lautmalerisch imitiert.

Solidarität mit der Ukraine gefordert

Bei allem Spaß geht der Abend doch melancholisch zu Ende: Nach einem Liebeslied „à la Hollywood“ möchte Lars Reichow noch einmal die aktuelle Situation in der Ukraine in den Fokus rücken. Mit einem flammenden Appell, die Ukraine nicht im Stich zu lassen, und mit deutlicher Kritik an der Bundesregierung, die seiner Meinung nach nicht genug unternimmt, um das angegriffene Land zu unterstützen, wird der Künstler noch einmal ernst. Mit einem Lied gegen den Krieg verabschiedet sich Lars Reichow von der Bühne und nimmt den Applaus der Zuschauer leise mit hinter den Vorhang.

 

Text: Stadt Walldorf
Foto: Pfeifer

 

Veröffentlicht am 4. September 2022, 10:00
Kurz-URL: https://www.wiwa-lokal.de/?p=303477 

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