Hoffnung für den Vietnamfasan: Nachwuchs und Auswilderungsprojekt im Zoo Heidelberg
Der Zoo Heidelberg freut sich aktuell über gleich zwei besondere Erfolge im Artenschutz: Acht junge Vietnamfasane sind in der vergangenen Woche geschlüpft und bereits in der Voliere zu beobachten. Gleichzeitig beteiligt sich der Zoo an einem internationalen Wiederansiedlungsprojekt für die stark bedrohte Vogelart. Einer der kürzlich nach Vietnam gebrachten Fasane stammt sogar aus Heidelberg.
Zwischen Laub und Ästen erkunden die kleinen Jungvögel aufmerksam ihre Umgebung und orientieren sich dabei stets an den erwachsenen Tieren. Noch sehen sich Männchen und Weibchen sehr ähnlich, doch in einigen Monaten entwickeln die männlichen Tiere ihr charakteristisches tiefblaues Federkleid. Für Besucher bietet sich derzeit eine seltene Gelegenheit, die jungen Fasane aus nächster Nähe zu beobachten.
Der Nachwuchs hat jedoch weit mehr Bedeutung als einen gewöhnlichen Zuchterfolg. Vietnamfasane zählen zu den seltensten Hühnervögeln der Welt. Auf der Roten Liste der Weltnaturschutzorganisation International Union for Conservation of Nature werden sie als „akut vom Aussterben bedroht“ geführt. Der letzte gesicherte Nachweis eines wildlebenden Tieres liegt bereits mehr als 25 Jahre zurück. Seit 2024 gilt die Art offiziell als „wahrscheinlich in der Natur ausgestorben“. Hauptursachen dafür sind die Zerstörung der Lebensräume, intensive Jagd sowie die schweren Folgen des Vietnamkriegs. Besonders der Einsatz von Entlaubungsmitteln wie Agent Orange zerstörte große Waldgebiete und damit wichtige Rückzugsorte der Tiere.
Umso bedeutender ist das internationale Artenschutzprojekt „Bring Back Blue“. Vergangene Woche wurden insgesamt 20 Vietnamfasane aus europäischen Zoos nach Vietnam gebracht. Ziel ist es, dort zunächst stabile Zuchtgruppen aufzubauen und die Tiere später schrittweise wieder in geeigneten Waldgebieten anzusiedeln. Koordiniert wird das Europäische Erhaltungszuchtprogramm vom Prague Zoo. Einer der transportierten Fasane schlüpfte 2022 im Zoo Heidelberg.
Vogelkurator Joshua Förg betont die Bedeutung der langjährigen Zusammenarbeit zwischen Zoos und privaten Züchtern: Die Rückkehr der Vietnamfasane nach Vietnam sei nur möglich geworden, weil über Jahrzehnte hinweg konsequent gezüchtet und genetische Vielfalt erhalten wurde. Dass nun ein in Heidelberg geschlüpfter Vogel direkt zum Erhalt seiner Art im Ursprungsland beiträgt, sei ein besonders erfreulicher Erfolg für den Zoo.
Foto: In der Natur sind Vietnamfasane höchstwahrscheinlich ausgestorben. (Foto: Heidrun Knigge / Zoo Heidelberg)














