Heidelberger Waldrappe in Spanien ausgewildert

Zoo Heidelberg beteiligt sich an Auswilderungsprojekt

Waldrapp im Zoo Heidelberg (Foto: Petra Medan/Zoo Heidelberg)

Ende Februar 2021 sind vier junge Waldrappe aus dem Zoo Heidelberg erfolgreich in La Janda, Cadíz, im Süden Spaniens ausgewildert worden. Dazu reisten sie bereits im Dezember von Heidelberg nach Jerez de la Frontera, um dort zusammen mit anderen Waldrappen auf die Auswilderung vorbereitet zu werden. Im Rahmen des Artenschutz-Projekts “Proyecto Eremita“ werden in dieser Region Spaniens immer wieder junge Waldrappe aus Europäischen Zoos, darunter in diesem Jahr erstmals Tiere aus dem Zoo Heidelberg, in die Natur entlassen. Ziel des Projekts ist es, über mehrere Jahre eine gesunde, sich selbst vermehrende Waldrapp-Population aufzubauen. Die vier jungen Waldrappe wurden in Heidelberg von den Elternvögeln großgezogen und waren im Alter von sechs Monaten fit und selbstständig genug, um in ihre neue spanische Heimat zu ziehen.

„Der Zoo Heidelberg hält und züchtet Waldrappe seit vielen Jahren. Viele der Heidelberger Jungtiere leben inzwischen in anderen Zuchtgruppen und haben dort bereits selbst Nachwuchs gezeugt. Wir haben im letzten Jahr bereits ein Auswilderungsprojekt in Deutschland finanziell unterstützt. Waldrappe waren früher in Europa, unter anderem in Süddeutschland, weit verbreitet, wurden dort aber durch den Menschen ausgerottet. Auswilderungsprojekte wie dieses zeigen, wie die Zucht bedrohter Tiere zum Überleben der Art im Freiland erfolgreich beitragen kann“, erklärt Dr. Eric Diener, Vogelkurator im Zoo Heidelberg.

Vom Aussterben bedrohte Vögel

Waldrappe stammen ursprünglich aus Regionen in Mittel- und Südeuropa, Nordafrika und dem Nahen Osten. Da sie im Mittelalter als Delikatesse galten, wurden sie fast überall durch den Menschen ausgerottet. Lange Zeit kannte man den Waldrapp, welcher an seinem charakteristischen Federschopf gut erkennbar ist, nur aus historischen Abbildungen, bis er in Nordafrika wiederentdeckt wurde. Der Waldrapp zählt laut IUCN zu den vom Aussterben bedrohten Vogelarten – es gibt nur noch zwei natürliche Vorkommen in Marokko und der Türkei. Erfolgreiche Wiederauswilderungen konnten den Waldrapp in Europa wieder heimisch

machen, unter anderem im Voralpenraum. Diese Waldrapp-Kolonie verbringt den Sommer in Bayern und Österreich, um zu brüten, und zieht im Herbst in das Winterquartier in der italienischen Toskana. In warmen Regionen, wie im Mittelmeerraum, finden die Vögel ganzjährig Nahrung und müssen nicht in ein Winterquartier ziehen. Durch erfolgreiche Zuchtbemühungen in Zoos, die Hand in Hand mit Artenschutzprojekten vor Ort zusammenarbeiten, kehrte der Waldrapp nach 400 Jahren Abwesenheit als Bestandteil der Europäischen Natur zurück.

In der Auswilderungsvoliere gewöhnen sich die Vögel an die Umgebung und können nach der Auswilderung dorthin zurückkehren, wo sie eine Zeit lang weitergefüttert werden, bis sie sich schließlich in der neuen Umgebung eingelebt haben. (Foto: Proyecto Eremita)

Das „Proyecto Eremita“

Mit der Region La Janda in Südspanien haben die Artenschützer des „Proyecto Eremita“ eine weitere Region gefunden, die dem ursprünglichen Lebensraum des Waldrapps mit Felsen zum Brüten und offenen Wiesen zur Nahrungssuche sehr ähnlich ist. In diesem Naturschutzgebiet soll sich eine sedentäre – nicht ziehende – Population ansiedeln. Dabei setzen die Artenschützer auf eine Mischung aus handaufgezogenen Tieren und Tieren, die in Zoos von ihren Elternvögeln aufgezogen wurden. In speziellen Volieren werden die im Zoo geborenen jungen Waldrappe für die Auswilderung vorbereitet. GPS-Sender auf dem Rücken der Vögel ermöglichen den Naturschützern, die Bewegungen der Tiere nach der Auswilderung nachzuvollziehen.

Erste Erfolge zeichnen sich nach 16 Jahren der Projektarbeit ab: Einige Walrappe haben in Spanien bereits in der Natur gebrütet und konnten die Küken erfolgreich großziehen. Insgesamt leben in Spanien inzwischen 115 Tiere. Der Zoo Heidelberg hofft, dass auch die Heidelberger Waldrappe ihren Weg finden und erfolgreich zum Erhalt der Population beitragen werden. In Zukunft werden sicherlich noch weitere Jungtiere aus Heidelberg die Reise nach Südspanien antreten.

Veröffentlicht am 19. März 2021, 13:38
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