Einkaufen in Schatthausen – Der Tante Emma Laden von Onkel Werner

(rp) Wiesloch Schatthausen, 01.12.2019 – Shopping uff’m Dorf – Ein Besuch in Wieslochs Ortsteil Schatthausen

Integriertes Stadtentwicklungskonzept INSEK Wiesloch 2030+ -schon bei der Konzeptvorstellung vor einigen Monaten bei einer Gemeinderatssitzung fragten sich so manche: „Hat das Beratungsunternehmen etwa zwei Ortsteile miteinander verwechselt?“

Wurde Schatthausen etwa tatsächlich mit Frauenweiler verwechselt? In Frauenweiler gab es mal einen kleinen Edekamarkt, gibt’s schon lange nicht mehr. Da heißt es im Maßnahmenplan der Stadt Wiesloch als Punkt G17:  „Lebensmittelmarkt nach genossenschaftlichen Modell“.

Wenn also keine Einkaufsmöglichkeiten im Ortsteil vorhanden sind und Handelsketten kein Interesse an einer Ansiedlung haben, sollen die Bürger eine Genossenschaft gründen? Quasi Unternehmer werden mit allen unternehmerischen Risiken und aller Verantwortung?

Nun, zur Zeit gib es sehr wohl Einkaufsmöglichkeiten In Schatthausen! Dass es keinen Lebensmittelhandel in Schatthausen gibt, ist nicht richtig. Das wollen wir mit diesem Artikel mal richtigstellen!

Tante Emma ist in Schatthausen Onkel Werner

Werner Hoffmann betreibt im Ortskern von Schatthausen ein kleines Lebensmittelgeschäft. Hier kann man sich für den täglichen Bedarf eindecken, von frischen Backwaren über Obst und Gemüse sowie allerlei weiterer Lebensmittel und Waren.

Den Lottoschein abgeben? Auch möglich. Ebenso wie die Abholung von Paketen im Paketshop.

Eine Besonderheit, bei der Werner Hoffmann und sein Team konkurrenzlos sind, ist die Freundlichkeit. In der Regel wird man beim Discounter und den Supermärkten regelrecht gehetzt und gestresst. Die Kassierer schieben die Waren in Eiltempo über den Kassenscanner und man kommt kaum nach, den Einkauf vom Band zu nehmen. Begrüßung, Verabschiedung und zwischendrin noch die Frage nach Payback. Ja, jedes Mal die nervige Frage nach Payback-Karte. „Haben Sie eine Payback-Karte?“ – „Möchten Sie eine Payback-Karte?“. Die Kassierer sind angehalten zu fragen, auch wenn sie ihre Kunden schon kennen und wissen, dass diese (k)eine Karte für das sog. Bonus bzw. Zahl-Zurück-System besitzen und auch keine möchten. Mit Knopf im Ohr sitzen sie an der Kasse, fast könnte man vermuten, dass die Kommunikation mit den Kunden abgehört wird. Das so mancher Discounter seine Mitarbeiter Audio-Video bespitzelt, ist hinlänglich bekannt und kein Geheimnis.

Doch bei Werner ist das anders. Hier nimmt man sich noch Zeit für den Kunden. Scannerkasse gibt’s hier keine! Dafür Freundlichkeit und Zeit für Zwischenmenschliches.

Hier kennt man sich und achtet einander. Und noch viel mehr, man schenkt sich Wertschätzung. Während der Redakteur den kleinen Lebensmittelmarkt in Schatthausen besucht, kommt eine Kundin in das Lebensmittelgeschäft und bringt dem Inhaber Werner Hoffmann ein Stückchen selbstgebackenen Kuchen. 

Der ehrbare Kaufmann statt Homo oeconomicus in der Konzernzentrale, der nur auf maximalen Profit aus ist. Vor allem auch gelebte Nachhaltigkeit, was wohl gerade auch im sog. Stadtentwicklungskonzept als besonders wichtig erachtet wird. Herr Hoffmann weiß abzuschätzen, welche Mengen er benötigt. Blaue Säcke voller Brot und Backwaren, die im Müll landen, gibt’s im Laden von Herrn Hoffmann nicht.

Das täglich Brot ist dem Stammkunden sicher; schon vor der „super Marketing-Idee“ von Starbucks schrieb man bei Hoffmanns den Namen des Kunden auf die Papierverpackung und legte die bestellten Backwaren reserviert zur Seite – bereit zur Abholung.

Schon morgens um 7 Uhr kommen die ersten Kunden. Am Stehtisch nehmen sie ihr Frühstück zu sich oder trinken einen Kaffee, während man sich nett mit Herrn Hoffmann unterhält.

Die beiden Mitarbeiterinnen tragen auch stets ein Lächeln auf den Lippen und sind sehr zuvorkommend. Sucht man etwas Bestimmtes, wird einem schnell geholfen. Und ist das Brot vor der Mittagszeit ausverkauft, nimmt man halt Brötchen oder Toastbrot.

Wie schon zu D-Mark Zeiten, finden auch die Kinder ihren Weg zum „Onkel Werner“ – mit einigen „Pfennigen“ (heute Euro-Cent) in der Hand kommen sie, manchmal einzeln – manchmal eine ganze „Bande von Kindern“ – und wollen Süßigkeiten kaufen! (Als Wieslocher denkt man da auch an die vielen Kioske der 80/90er oder den Schulshop – Süßes!)

Werner Hoffmann hilft den Kindern da auch mal beim Kopfrechnen, die Qual der Wahl kann er ihnen nicht abnehmen. Was sie nun lieber möchten, Saures oder Süßes, müssen die Kinder entscheiden. Er hilft nur mal, dass sie sich schneller entscheiden. Man kann ja nicht den ganzen Tag dastehen und sich nicht entscheiden! (-;

Auch für Erwachsene ist es hilfreich, wenn sie wissen, was sie wollen, das heißt einen Einkaufszettel nutzen. Die Verkaufsräume der großen Handelsketten sind darauf ausgelegt, den Kunden so lange wie möglich im Geschäft zu halten. Sie locken mit vermeintlichen Angeboten. Sie drängen den sog. klassischen Einzelhandel aus den Städten, indem sie sich als sog. Vollsortimentler aufstellen.

Vom Brotbackautomaten bis zur Käse-, Fisch- und Fleischtheke, vom Drogeriebedarf bis zum Getränkehandel oder Gartencenter und noch weiter, meist auf der grünen Wiese außerhalb der Innenstädte. Man spricht von sog. Nahversorgungszentren am Stadtrand. Gut erreichbar müssen sie sein, für die LKWs mit den Waren aus aller Welt. Aber auch für die Kunden, die mit dem Auto auch Parkplätze benötigen. Onkel Werner liefert auch mal aus!

Die traurigen Stehkrägen und die glücklichen Esel

„Was der Bauer nicht kennt, das isst er nicht. Würde der Städter kennen, was er isst, er würde Bauer werden“

In Schatthausen bei den Eseln scheint die Welt noch relativ in Ordnung zu sein.  Die haben sogar noch einen echten handwerklichen Metzgereibetrieb. Und da duftet es. Nein, keine besonderen Düsen wie an Backautomaten.

Eine Metzgereitheke oder Wände voller Tiefkühlware, verpacktem Fleisch aus aller Herren Länder – braucht Hoffmann nicht. Frisches Fleisch gibt’s bei der Metzgerei Werner Seltenreich gar nicht so weit weg. Da wird noch selbst geschlachtet. Regionales Fleisch von Landwirtschaftlichen Betrieben aus der nahen Region. Kleiner Trost für Wiesloch, die Metzgerei beliefert auch den Supermarkt in der Stadtgalerie!

(Einkaufen in Schatthausen – Buy lokal in Wiesloch-Walldorf  – Fortsetzung folgt!).

Eine lange Tradition

Bereits seit 1776 – zunächst als Bäckerei Hoffmann, wie eine Gründungsurkunde, ausgestellt von August Philip Brüggen zu Schatthausen, belegt. Bäckerei Heinrich Hoffmann hieß es um 1900. Im Jahr 1910 befand sich der Verkaufsladen der Bäckerei in der Ortsstraße 15

In den 1950ern – Coca Cola und Chewing Gum

1958 folgte ein top moderner Umbau der Verkaufsräume – Theke in Nierendesign.

Fotos von anno dazumal:

 

Fotos von heute:

Im Jahr 2006 waren die Kollegen von Pro7 mal zu Besuch. Siehe http://www.serv24.net/Hoffmann/4Plus/de/pro7.htm

Text und Fotos: Robert Pastor

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Veröffentlicht am 1. Dezember 2019, 16:00
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