Daniele Ganser – Beitrag zur Friedensbewegung in unserer Region

Ausverkaufter Saal im HARRES Veranstaltungszentrum St. Leon-Rot – Historiker und Friedensforscher Dr. Daniele Ganser hält Vortrag

St. Leon-Rot, 11.09.2019 (rp) Der Kulturförderverein Kurpfalz e.V. hatte Daniele Ganser eingeladen.

Jörg Schreiner und Edgar Berlinghof tragen gemeinsam mit den Vereinsmitgliedern einen beachtlichen Anteil zum Kulturleben unserer Region bei. Nach eigener Aussage des Vereins: „Wir organisieren Veranstaltungen, führen Aktionen durch und unterstützen Künstler, Kunst und Kultur in der schönen Kurpfalz“.

Bereits seit seiner Gründung im Jahr 2006 im Cafe Art in Walldorf leistet der Verein auch wertvolle Arbeit im Bereich der Jugendarbeit. In der Tat ist beispielsweise Edgar Berlinghof mit einer beachtlichen Anzahl von Events und Künstlern immer wieder in Wiesloch und Walldorf anzutreffen. Ob Stadtfest oder Weihnachtsmarkt, er ist garantiert dabei.

Edgar Berlinghof und Jörg Schreiner

Edgar Berlinghof und Jörg Schreiner

 

Unter dem Motto: „Unser Beitrag zur Friedensbewegung“ veranstaltete der Verein nun keinen „üblichen“ Event, sondern viel mehr, eine „Friedensveranstaltung“.

Wenn man über Frieden redet, darf man den Krieg nicht verschweigen und auch Ursachen und Wirkungen nicht außer Acht lassen. Dinge beim Namen nennen und kritisch Hinterfragen, sollte nicht nur die Aufgabe eines Historikers sein, sondern jedes mündigen Bürgers. Krieg an sich ist ein Verbrechen an der Menschlichkeit und kann eigentlich nicht schöngeredet werden, doch dies geschieht durch Ersatzworte bzw. Neusprech – Krieg nennt man „Friedensmission“. Weit weg sind die heutigen Kriegsschauplätze, was wir wissen, wissen wir meist nur aus den Medien und von dem was die Politik uns mitteilt. 

Bisher hat man sich einen Historiker doch eher wie folgt vorgestellt: Mindestens mit einem langen grauen Bart, Brille über der Nasenspitze und in seine Bücher vertieft. Hoch oben im Elfenbeinturm der Universität oder weit unten im Archiv, doch meist wenig kommunikativ und selten in der Öffentlichkeit.

Daniele Ganser ist ein charismatischer 47-jähriger Schweizer, ein moderner beziehungsweise zeitgemäßer Historiker. Er beschäftigt sich insbesondere mit der Friedensforschung und ist nicht nur ein „typischer Historiker“.

Aufgabe des Historikers ist es, laut wissen.de –  alle überlieferten Zeugnisse der Vergangenheit zu sammeln und sie kritisch zu untersuchen, um daraus die geschichtliche Wirklichkeit zu erschließen. Der Historiker fragt nach Ursprung, Zusammenhang und Entwicklung menschlicher Handlungen, Erfahrungen und Denkweisen.

Marsch der Millionen in Paris

Marsch der Millionen in Paris

„Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen und die Zukunft nicht gestalten“ heißt es beispielsweise in der Ortschronik von Schatthausen.

Ganser hilft die Gegenwart zu verstehen, so zeigte er in seinem Vortrag in St. Leon-Rot zahlreiche Beispiele der Manipulation in den Medien aus der jüngsten Vergangenheit auf. „Es begann mit einer Lüge“ heißt es oft, wie Ganser an zahlreichen Beispielen darlegte.

Die Zukunft gestalten, tut er in dem er u.a. Denkansätze liefert, …

„Achten Sie darauf, auf was Sie Ihre Aufmerksamkeit richten. Wenn Sie immer in der Kriegspropaganda sich befinden, dann hassen Sie Leute die Sie nicht kennen, und sind für Kriege, die Sie nicht verstehen.“ so Ganser.

Können wir den Medien vertrauen? Können wir Politikern vertrauen?

Dr. Daniele Ganser

Dr. Daniele Ganser

„Ich bin spezialisiert auf internationale Zeitgeschichte seit 1945. In meiner Arbeit untersuche ich die Themen Frieden, Energie, Medien, Krieg und Terror. Tausende Menschen engagieren sich heute weltweit für Frieden und erneuerbare Energien. Ich glaube, dass auch Wissenschaftler helfen können, einen Teil der Lügen und der Brutalität zu überwinden, die unsere Welt noch immer prägen“so Ganser.

Die klassischen Medien wurden in den letzten Jahren immer wieder bei Verbreitung von Lügen überführt. Die „Zeitungsente“ gab es schon vor dem Internet, auch der Begriff „Falschmeldung“ war oft gebräuchlich und es folgen auch mehr oder weniger „Richtigstellungen“.

Um große Gruppen von Menschen zu erreichen, musste man in den letzten hundert Jahren über die traditionellen Massenmedien und deren Kanäle kommunizieren. Zeitungen, Radio und TV. Um eine Nachricht zu veröffentlichen, nutzte man Zeitungsanzeigen, Leserbriefen, Werbeanzeigen.

In dieser Welt hatten die Medien die Funktion das Ausmaß der Glaubwürdigkeit der Information, die man mit der Öffentlichkeit teilen wollte festzulegen. Dies stellte eine einseitige Kommunikation dar mit einem Sender und vielen Empfängern. Die Presse und die Medien entschieden, ob eine Nachricht es wert ist veröffentlicht zu werden oder nicht.

In der heutigen Welt ist die direkte Kommunikation miteinander möglich. Wir reden von Blogs, Wikis, Chatrooms und die sog. Sozialen Netzwerke wie Facebook usw. in denen gleichberechtigt  kommuniziert wird. Heute kann jeder einfach mit einem Mausklick oder einer Fingerbewegung auf dem Smartphone eine Nachricht in die Welt setzen und Millionen von Menschen weltweit erreichen.

Umso mehr liegt es heute an jedem einzelnen Empfänger eine Nachricht auch kritisch zu überprüfen. Das Vertrauen der Zivilgesellschaft in Medien Wirtschaft sowie Politik wurde nachhaltig beschädigt.

Fakenews, Lügenpresse und Lückenpresse, Unwahrheiten und bewusste Manipulationen haben dazu beigetragen.

Claas Relotius

Claas Relotius

Ganser äußerte sich in St. Leon-Rot auch zum prominentesten Beispiel in Deutschland, zu Claas Relotius – „der Fall Relotius “ – der mehrfach ausgezeichnete Journalist, der vorwiegend für den Spiegel tätig war, hat gelogen das sich die Balken biegen. Geschichten frei erfunden.

Der Konkurrenzdruck in der Medienbrache ist enorm, wir leben in einer schnelllebige Zeit wobei die Redewendung „Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern“ schon lange gilt. So bleibt immer weniger Zeit für zeitintensive Recherche oder kritisches Hinterfragen und Quellen prüfen.

Freie Journalisten stehen heutzutage auch Wettbewerben gegenüber die es so vor einem Jahrzehnt noch nicht gab. Seien es auf der einen Seite die Blogger, Youtuber, der sog. Bürgerjournalismus oder sog. Influencer auf der einen Seite oder auf der anderen Seite die Facebookposts von Städten, Polizei und Feuerwehr, welche kostenlos Fotos und Texte zur freien Nutzung für jedermann bereitstellen.

Dies kritisiert beispielsweise der Deutsche Journalistenverband (DJV): „Eine boulevard-pressemäßige Illustration ist für Polizei und Feuerwehr ebenso tabu wie das Layout nach Art einer Tages- oder Wochenzeitung. Die Berichterstattung ist laut Landespressegesetzen und Rundfunkstaatsvertrag Aufgabe der Medien, der Staat soll sich neutral verhalten und in Zurückhaltung üben. Insofern müssen sie, wenn sie berichten auf wertende oder meinungsbildende Elemente verzichten. Mit gratis Bildern belasten Polizei und Feuerwehr aber die gebotene Staatsferne und gefährden die Existenzgrundlage des Fotografen und Reporters“.

Der Journalismus ist besonderen Herausforderungen gegenübergestellt, doch die Glaubwürdigkeit bleibt sein wertvollstes Gut. Dies müssen auch die Entscheider in den Redaktionen begreifen.

„Der Schweizer Historiker Dr. Daniele Ganser zeigt in seinem Vortrag „Können wir den Medien vertrauen?“ nicht nur wie unsere Medien ihre Reputation verspielt haben, sondern wie es ihnen gelang, die Bürger mit bewusster Manipulation, Lüge und staatlichen Fake News in verbrecherische Angriffskriege zu führen. Sie haben sich und uns mit Blut besudelt. Die Konsequenz daraus ist die inzwischen für jeden erkennbare Systemkrise.“ – KENFM zu Daniele Danser.

Ganser ist Akademiker und er ist vom Fach, dennoch erntet er auch Kritik. Es gibt Medien die ihn unterstützen und solche die ihn angreifen. Um unliebsame Kritiker wie Ganser quasi mundtot zu machen, setzt man Wörter ein mit denen beim Zuschauer oder Leser gewisse Assoziationen geweckt werden sollen. Der Zweck solcher  Manipulationen besteht darin, die Zielperson von vornherein als unseriös zu diffamieren und also unglaubwürdig zu machen.

Machen Sie – liebe Leser und Leserinnen, sich selbst ein Bild zur Person Ganser und dem, was er schreibt und sagt. Seien sie kritisch, auch uns gegenüber – Leserbriefe nehmen wir gerne an unter: [email protected]

Publikationen von Daniele Ganser

Als Buchautor hat Ganser eine Vielzahl an Büchern veröffentlicht. Erhältlich sind diese im Buchhandel, beispielsweise bei Bücher Dörner in Wiesloch.

Neben den Büchern von Ganser seien auch folgende zu empfehlen: „Psychologie der Massen“ von Gustave Le Bon sowie „Propaganda“ von Edward Bernays.

Uwe Dörner und Ute Dörner

Uwe Dörner und Ute Dörner

 

Einige Impressionen des Abends mit Daniele Ganser

Text und Fotos: Robert Pastor

Video Daniele Ganser

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Website von Daniele Ganser: https://www.danieleganser.ch

 

Kommentar des Autors: „Das Vertrauen der Zivilgesellschaft in Medien, Wirtschaft sowie Politik wurde nachhaltig beschädigt. Heute sind wieder Werte angesagt. Der ehrbare Kaufmann, der ehrbare Handwerker und der ehrbare Bürger – statt Homo oeconomicus a la Machiavelli. Authentizität, Glaubwürdigkeit und Loyalität sind der einzigste Weg für Reputation und Markenaufbau – denn Lippenbekenntnisse haben keine Zukunft. Wenn ein Unternehmen sich bürgerschaftlich engagieren will, dann entweder Richtig – oder Gar nicht! Die Ziele dürfen nicht PR- und Imagepflege sein. Die oberste Devise lautet, Vertrauen schaffen durch Glaubwürdigkeit, um Anerkennung zu erhalten. Unternehmensführung und Kommunikationsbranche müssen der Versuchung widerstehen, eine schöne und heile Welt mittels kosmetischer PR- oder Werberetusche vorzugaukeln. Glaubwürdigkeit beinhaltet zuzuhören, sich innerhalb der Gesellschaft glaubwürdig darzustellen, ehrlich und loyal zu verhalten, denn dies wird sich positiv auf den Markenaufbau und das Ansehen eines Unternehmens auswirken. Neue globale Marken, und neue Märkte werden dadurch entstehen. Wer die Zeichen der Zeit erkennt, der macht Kunden zu Fans, der macht Mitarbeiter zu Fans, der macht Wähler zu Fans.“

Hinweis der Redaktion: Wir danken allen Teilnehmern für die Erlaubnis, sie zu fotografieren und die Fotos in unserer Internetzeitung veröffentlichen zu dürfen! Diese Erlaubnis kann lt. DSGVO jederzeit widerrufen werden per E-Mail an: [email protected] / Unsere Datenschutzerklärung finden Sie hier: https://www.wiwa-lokal.de/datenschutzerklaerung

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Veröffentlicht am 11. September 2019, 13:08
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