Ausstellung „Scarlet Lake“ von Maria Sainz Rueda bei „Kunst im Rathaus“

Der Boden bleibt schwankend
Zu ihrer ersten Ausstellung in Walldorf begrüßte Bürgermeisterin Christiane Staab am 20. November die aus Walldorf stammende Künstlerin Maria Sainz Rueda.

Die Anwesenheit von Marianne Falkner, der Direktorin des Gymnasiums Walldorf, sowie zahlreicher Lehrkräfte, früherer Mitschülerinnen und Mitschüler und natürlich von Familie und Freunden machte deutlich, wie eng Maria Sainz Rueda, die in Leipzig studiert hat und dort lebt, noch mit ihrer Heimatstadt verbunden ist. Nachdem sie bereits in Zagreb, in Berlin und vielfach in Leipzig und der weiteren Region ausgestellt hat, kam es nun zur Vernissage im Walldorfer Rathaus in der Reihe „Kunst im Rathaus“.

Die Bürgermeisterin vermutete in ihrer Begrüßung richtig, dass die Ausstellung vor allem für Walldorfs Kunstbeauftragten, Hartmuth Schweizer, als einstigem Kunstlehrer von Maria Sainz Rueda etwas Besonderes sein dürfte. „Ich freue mich ganz besonders, dass Maria Sainz Rueda mit viel Energie, Ausdauer und nicht zuletzt mit ihrem Können auf dem Weg zu einer großen Künstlerin ist, was sich durch allgemeine fachliche Anerkennung und Präsenz in Ausstellungen und Projekten zeigt“, stellte Hartmuth Schweizer denn auch gerne fest. Maria Sainz Rueda, die bei den berühmten Repräsentanten der Leipziger Schule, Arno Rink und Neo Rauch, studiert hat und Meisterschülerin von Neo Rauch war, stellt in Walldorf ausschließlich großformatige Bilder aus, die größtenteils zur Landschaftsmalerei gezählt werden können. In seiner Werk-einführung ging Hartmuth Schweizer auf die Wirkung von Maria Sainz Ruedas Landschaftsbildern in Öl ein. Er berichtete von einem Gespräch mit einer Rathausbesucherin aus Walldorf, die die Bilder noch vor Ausstellungsbeginn betrachtete. Von der Arbeit „Bodenlos“ sei sie sofort begeistert gewesen, so Schweizer. Dieses Bild sei genau richtig für ihr Wohnzimmer, habe sie gemeint. Nach und nach seien ihr jedoch bei genauerer Betrachtung Bedenken gekommen. Das Bild vermittle etwas Geheimnisvolles, aus dem Wasser, das sie zunächst als ruhigen See oder Bachlauf angesehen habe, entwickle sich eine bedrohliche Welle. In der Tat zeige Maria Sainz Rueda scheinbar Gefälliges, erklärte Hartmuth Schweizer. Ihre Bilder seien jedoch das Ergebnis eines komplexen Musters im Zusammenspiel von Farben und Formen, von Inhalten und Bildgegenständen. „Diese setzt sie sowohl inuitiv als auch bewusst ein, um den Betrachter zu verführen, in ihre Bilder, die von ihr geschaffenen Landschaftsräume, einzutreten“, erklärte Schweizer. „Dabei berühren sich in diesen Räumen die Empfindungen – die Seelen – der Künstlerin und des Betrachters. Diese „innere Landschaft“ oder auch „Seelenlandschaft“ beschreibe die große Bedeutung, die diese Bildgattung als Projektionsfläche unterschiedlichster Aspekte des menschlichen Innenlebens habe. Hier konkretisierten sich Ängste, Träume, Wünsche und Phantasien aller Art. Dank der naturalistischen Darstellung werde der Zugang zu den Bildern erleichtert, die jedoch bei zunehmender Betrachtung für Irritationen sorgten. Maria Sainz Rueda, so Schweizer, habe dazu gemeint, dass Landschaft für sie mehr verstecke, als sie zeige. Sie werfe mehr Fragen auf, als sie beantworte.
Dass Farben für Maria Sainz Rueda von besonderer Bedeutung sind und intensive Farben charakteristisch für ihren Stil, wie auch der Titel der Ausstellung „Scarlet Lake“ (Scharlachroter See) nahelegt, wird in allen Bildern deutlich. Schweizer verwies hier vor allem auf das neue Werk „Douglas firs“ (Douglasien), das fast noch nach der feuchten Ölfarbe rieche, wie er meinte. Der rote See kippe nach vorne weg und das Rot, das den Malprozess und die autonome Farbe betone, könne für den sensiblen Betrachter auch gegenständlich-inhaltliche Funktion bekommen, es „kann blutig werden und der See zum Blutsee“. Durch raffinierte Eingriffe in das Farb- und Formenrepertoire kippe die Stimmung der Bilder, sie könne fremd, ja albtraumhaft werden. Auch Sainz Ruedas Verehrung für die miteinander befreundeten Maler Henri Matisse und Pierre Bonnard hat sie bildnerisch umgesetzt mit den Werken „Ich erzähle Ihnen all das, um Sie zu zerstreuen“ und „… denn es wiegt leicht im Vergleich zu Ihren Leiden“; beide Titel sind Zitate aus dem Briefwechsel der Künstler und verstärken den Eindruck des Geheimnisvollen, der sich beim Betrachten der Bilder einstellt. Hartmuth Schweizer lobte Sainz Ruedas „freien, expressiven, die Malaktion demonstrierenden Malduktus“, der gleichwertig neben ihre naturalistischen, die Realittä betonenden Darstellungsmittel getreten sei. „Es ist ihr Ziel, Ambivalenz darzustellen … denn der Boden, auf dem wir stehen, bleibt immer schwankend.“ Mit dem Hinweis darauf, dass Maria Sainz Rueda, in Anlehnung an ihren Lehrer Arno Rink, für jeden Quadratzentimeter der Leinwand Verantwortung übernehme, machte Schweizer die Gäste noch auf einen rätselhaften roten Pinselstrich Ruedas auf einem der Bilder aufmerksam.
Die magische Atmosphäre von Maria Sainz Ruedas Bildern übersetzte die virtuose Flötistin Almut Werner in Musik, wie sie besser nicht hätte passen können. Singend-spielend beschwor sie den Geist der Bilder herauf.

Die Ausstellung ist noch bis 22. Januar zu den üblichen Öffnungszeiten im Rathaus Walldorf zu sehen.

WA_Vernissage_Maria_Sainz_Rueda_11Maria Sainz Rueda (re.) mit ihrem einstigen Lehrer Hartmuth Schweizer, Bürgermeisterin Christiane Staab und deren Mitarbeiterin Heike Schweizer vor dem Bild „Bodenlos“ (Foto: Pfeifer, Text: Stadt Walldorf)

Veröffentlicht am 29. November 2014, 13:00
Kurz-URL: https://www.wiwa-lokal.de/?p=91663 

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