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Gemeinsam und solidarisch durch die Pandemie

3. Februar 2022 | > Wiesloch, Das Neueste, Politik

Über 350 Personen hatten sich am 31. Januar auf Einladung des Bündnis für Demokratie und Toleranz auf dem Adenauerplatz in Wiesloch zu einer angemeldeten Kundgebung unter dem Motto „Gemeinsam und solidarisch durch die Pandemie“ versammelt.

(zg) Die Vorsitzenden Adrian Seidler und Jan-Peter Oppenheimer begrüßten die Teilnehmer und bedankten sich für das zahlreiche Erscheinen. Sie wiesen darauf hin, dass das Recht auf Versammlungsfreiheit und freie Meinungsäußerung auch in Corona-Zeiten wichtig sei und nicht zur Diskussion stehe. Aber Freiheit verlange auch, die Interessen anderer anzuerkennen. Gerade deshalb sei es wichtig, die gesetzlichen Regeln und Auflagen zum Schutz aller einzuhalten.
Oberbürgermeister Dirk Elkemann sagte in seinem Grußwort, dass er Verständnis dafür habe, dass es Menschen gibt, die angesichts der Corona-Pandemie und der daraus resultierenden Bestimmungen Ängste und Sorge haben. Er erkenne auch die Widersprüchlichkeit mancher Regeln an. Aber Corona sei eine Katastrophe von nie gekanntem Ausmaß und die Politik habe keine Musterlösungen gehabt.
Vieles musste kurzfristig entschieden werden und auch vor dem Hintergrund, dass die Entwicklung der Pandemie nicht vorhersehbar war. Er lud zum Dialog ein und mahnte jedoch auch die Einhaltung von Regeln an. Dennoch versuchten Teilnehmer der nicht genehmigten Demonstration ihn durch Zwischenrufe zu unterbrechen.
Dr. Michael Preusch, Oberarzt und Sektionsleiter der internistischen Intensivmedizin, berichtete von seiner Arbeit im Universitätsklinikum. Hierbei ging er vor allem auf die Situation auf den Intensivstationen ein. Schwere Corona-Erkrankungen bei Geimpften seien immer auf Defekte des Immunsystems zurückzuführen. Das Problem seien jedoch nicht nur die Intensivstationen. Insbesondere die Normalstationen drohten zum Nadelöhr zu werden. Es sei davon auszugehen, dass die Hospitalisierungsrate der ungeimpften Erwachsenen und der über 50-Jährigen dramatisch ansteigen werde. Dies wird für viele Patienten mit anderen ernsthaften und teilweise lebensbedrohlichen Krankheiten bedeuten, dass sie zumindest im Augenblick auf eine Behandlung verzichten müssen. Nach einer Studie des Forschungsnetzwerkes COVIDSurg verpasste heute schon jeder siebte Patient weltweit coronabedingt eine lebensnotwendige Tumoroperation. In diesem
Kontext warnte er ausdrücklich vor Falschinformationen, die diese Situation verschärften, weil sie zu Leichtsinn verleiten. Seriöse Informationen gäbe es nur bei medizinischen Forschungseinrichtungen. Regina Glockmann, Krankenschwester und Vorsitzende des Personalrats der Uniklink Heidelberg, berichtete von ihren Erfahrungen in der Pflege und aus dem Alltag der Beschäftigten und Patienten des Klinikums. Das Pflegpersonal befinde sich seit Beginn der Pandemie in einem Ausnahmezustand.
Die Belastungen seien kaum noch zu ertragen. Sie warnte ausdrücklich davor, dass eine weitere Zunahme der Corona-Infektionen unweigerlich zu einem Kollaps des Pflegwesens führen würde. Sie mahnte mehr Solidarität mit den Pflegekräften und den Kranken an. Es gehe nicht nur darum, dass jeder sich selber schütze, sondern auch um die Gemeinschaft. „Ich würde mir auch wünschen, dass Bürger auch für uns einmal demonstrieren.“ erklärte sie.
Während und nach der Veranstaltung kam es zu versuchten Provokationen und verbalen Angriffen aus der Gruppe der „Corona-Spaziergänger“, um die Veranstaltung zu stören oder aber Teilnehmer anzugreifen und zu verunglimpfen. Auch waren rechtsextreme Kräfte klar erkennbar vertreten. Es wurde deutlich, dass diese die Bedenken, Ängste und Nöte vieler Bürger instrumentalisieren, um ihre demokratiefeindliche Agenda zu propagieren.

Quelle: Prof. Dr. Thorsten Krings, Stadtrat (FDP)

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