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Ijoma Mangold und „Das deutsche Krokodil“ zu Gast in der Stadtbücherei Walldorf

18. März 2019 | > Walldorf, Kultur & Musik, Leitartikel, Photo Gallery, Stadtbücherei Walldorf

Ijoma Mangold, einer der besten Literaturkritiker in Deutschland, stellte in der Stadtbücherei Walldorf seine Kindheits- und Jugenderinnerungen mit dem Buch „Das deutsche Krokodil“ vor.

(bb) Geboren 1971 in Heidelberg und in Dossenheim aufgewachsen, sei er tatsächlich das erste Mal in Walldorf, begrüßte er lächelnd die zahlreichen Gäste. Offensichtlich ist er jedoch für die Walldorfer kein Unbekannter, denn die Stadtbücherei war bis auf den letzten Platz besetzt.

Frau Grabl begrüßt Herrn Mangold

In seinem Buch „Das deutsche Krokodil“  erinnert sich Ijoma Mangold an seine Kinder- und Jugendjahre als Sohn einer Deutschen aus Schlesien und eines Afrikaners aus Nigeria, wobei er bemerkte, für seine Memoiren sei es noch zu früh.

Zu Beginn der Lesung – oder besser: Erzählstunde – erklärte er, warum sein Vater, der in Deutschland Medizin studierte und eine Ausbildung zum Facharzt für Kinderchirurgie absolvierte, wieder zurück nach Nigeria ging, als er ein Jahr alt war. Da sein Heimatdorf in Afrika sein Studium mitfinanziert hatte, wie es damals üblich war, stand es von vorneherein fest, dass er nach Afrika zurück geht, um den Menschen dort mit seiner Arbeit für ihre Unterstützung zu danken, durch die sie ihm das Studium in Deutschland ermöglichten.
Der Plan, wieder nach Afrika zurückzugehen, hielt aber seine Mutter nicht davon ab, seinen Vater zu heiraten und ihn als Wunschkind zu bekommen.

Den ersten Teil des Buches „Der Junge“ schreibt Ijoma Mangold nicht in der Ich-Form. Er sagt, aus seinen jungen Jahren zu erzählen sei ihm leichter gefallen, wenn er von „dem Jungen“ schrieb.
Bald geht das Buch jedoch in die Ich-Form über und Ijoma Mangold liest und erzählt abwechselnd von seinen teils lustigen, teils berührenden Erlebnissen aus seiner Kinder- und Jugendzeit als dunkelhäutiger Mensch mit krausem Haar. Sein Abitur machte er auf dem Kurfürst-Friedrich-Gymnasium in Heidelberg und studierte danach in München Philosophie und Literaturwissenschaften.

Den ersten Brief seines Vaters erhielt er, als er 22 war. So erfuhr er von seiner Familie in Afrika; sein Vater lebte dort mit seiner Frau sowie zwei Söhnen und vier Töchtern. Seine beiden Brüder starben an einer Erbkrankheit in jungen Jahren. Eine seiner Schwestern studierte ebenfalls wie sein Vater Medizin in Heidelberg. Sie besuchte ihn dann in München und nach und nach lernte er seinen Vater und seine ganze afrikanische Familie kennen.

Fast zwei Stunden unterhielt Ijoma Mangold die Zuhörerinnen und Zuhörer in der Stadtbücherei mit Erzählungen aus seinem bewegten Leben. Gerne beantwortete er anschließend noch Fragen, und zum Schluss gab es noch eine Signierstunde.

 

Ute Jakob von Bücher Dörner präsentierte den Büchertisch mit den Büchern „Das deutsche Krokodil“, und das Team der Stadtbücherei mit ihrer Leiterin Barbara Grabl sorgte für die Bewirtung.

Ijoma Mangold ist – nach Anstellungen bei der „Berliner Zeitung“ und der „Süddeutschen Zeitung“ – seit 2009 bei der Wochenzeitung „Die Zeit“. Dort war er Literaturchef von 2013 bis 2018, anschließend wurde er Kulturpolitischer Korrespondent dieser Zeitung. Außerdem gehört er zum Kritikerquartett der Sendung „lesenswert“ des SWR-Fernsehens.

Text und Fotos: BBinz

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