Träumer, Forscher, Reisende – Von der Magie des Flohmarktes

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(mr) „Fleamarket“ nennt es der Engländer und Amerikaner, „Marché aux Puces“ betitelt ihn der Franzose und „Mercato delle Pulci“ nennen ihn unsere italienischen Nachbarn.

Meinen tun sie aber alle dasselbe: Den Flohmarkt. Und tatsächlich hat der Name dieser Hobbymärkte etwas mit dem blut -saugenden Parasiten zu tun.

Fürsten und andere Edelleute gaben im Spätmittelalter oft ihre abgetragene und zerschlissene Kleidung an die Armen weiter. Diese betrieben mit den noch verhältnismäßig wertvollen Stoffen Handel. Diese heute antiken „Second-Hand“ Gewänder wurden meist gegen Nahrung, Werkzeug oder andere Güter eingetauscht. Mangels Hygiene der damaligen Zeit hat bei diesen Tauschgeschäften natürlich auch der eine oder andere Floh den Wirt gewechselt. Für die Zusammenkünfte der Händler mit ihren Kleidersäcken entstand daher schnell der Begriff „Flohmarkt“.

Flohmarkt_04Aber egal, woher die Bezeichnung nun stammen mag: Einer der spannendsten Flohmärkte der Rhein-Neckar-Region findet alljährlich in Wiesloch statt. Die Veranstaltung zum „Wieslocher Herbst“ bietet eine so enorme Auswahl an Kunst, Antiquitäten und Trödel an, dass der Markt selbst zu einer echten Sehenswürdigkeit geworden ist. Schließlich wäre ohne Flohmärkte das Leben um einiges trister, denn jeder „profitiert“ auf irgendeine Weise vom Stöbern und (Wieder)Finden.

„WiWa lokal.de“ hat das tolle Freizeitvergnügen Flohmarkt redaktionell aufgegriffen und jemanden gefragt, der dieser Leidenschaft seit 30 Jahren frönt: Ludwig Friedt.

Flohmarkt_03Mit kreativen Ideen, viel Idealismus und großem Engagement gelang es ihm den Sonntagsflohmarkt zu retten und zu einem großen Besuchermagneten mit vielen Tausend Besuchern auszubauen.

Wir „erwischten“ ihn frühmorgens, kurz vor dem traditionellen Herbst(Floh)Markt in Wiesloch und fragten ihn nach seiner ganz persönlichen Flohmarkt-Geschichte, die bereits im Jahr 1986 beginnt. Seine Beweggründe schilderte er uns in einem bunten Interview.

WiWa-lokal.de: Herr Friedt, was fasziniert Sie an Flohmärkten und können Sie sich noch an Ihren ersten Markt erinnern?

Ludwig Friedt: Faszinieren tut mich alles daran: Die Atmosphäre, der An- und Verkauf – Ich bin ja selbst der geborene Verkäufer – eben das Ganze drumherum, was zum abwickeln der Flohmärkte gehört, das ist einfach alles sehr erlebnisreich..aber an den allerersten Flohmarkt kann ich mich leider nicht mehr erinnern.

WiWa-lokal.de: Dem Flohmarktstandort Rhein-Neckar sind Sie auch nach 1986 bis heute treu geblieben, aber in einer anderen Rolle: Als Veranstalter. Wie kam es dazu?

Ludwig Friedt: Zum Veranstalter wurde ich einfach deswegen weil es damals ja einmal im Jahr in Bruchsal den Stadtflohmarkt gab. Da gab es aber sonst keinen Flohmarkt und da dachte ich: „Kannst Du ja eigentlich genauso gut mal probieren“. Dann habe ich erst mal mit einem kleinen Flohmarkt angefangen und das hat sich dann entsprechend immer mehr gesteigert.

WiWa-lokal.de: Haben Sie den Herbst Flohmarkt in Wiesloch gegründet oder übernommen?

Ludwig Friedt: Übernommen. Ich wurde angerufen von Herrn Bauer von der Gewerbegemeinschaft. Die Stadt hatte vorher einen anderen Veranstalter, der es jedoch mehr schlecht als recht gemacht hat. Man wurde dann auf meine Werbung aufmerksam. Naja, begonnen haben wir dann mit etwa 40 Ständen, das war vor etwa sechs oder sieben Jahren und heute sind wir auf jedem Herbstmarkt komplett ausgebucht.

Flohmarkt_01WiWa-lokal.de: Was ist das für ein Gefühl, wenn man zum allerersten Mal solch ein großes Event mit vielen Tausend Besuchern veranstaltet?

Ludwig Friedt: Phänomenal!

WiWa-lokal.de: Hatten Sie vorher Sorgen und Bedenken, schlaflose Nächte oder überwog einfach die Vorfreude?

Ludwig Friedt: Bei diesen in Wiesloch nur die Vorfreude!

WiWa-lokal.de: In den 1980er und 1990er Jahren war ja einiges selbstverständlicher als heute. Mochten die Leute den Veranstaltungsort Wiesloch sofort?

Ludwig Friedt: Ja, das war eine tolle Sache.

Flohmarkt_06WiWa-lokal.de: Also kann man sagen, dass dieser Platz auch heute noch mit ausschlaggebend für den Erfolg des Flohmarktes ist?

Ludwig Friedt: Ja!

WiWa-lokal.de: Der Flohmarkt ist ja das beste Forum, um gute und gebrauchte Gegenstände den Besitzer wechseln zu lassen, anstatt das diese Dinge einfach auf dem Müll landen. Sehen Sie sich auch als praktizierender Umweltschützer?

Ludwig Friedt: Ja, denn das ist genau das Thema: Es wird nichts in den Müll geworfen. Es wird wieder verwendet und das für mehr oder weniger Geld. (lacht) Es wird ja sogar viel „Müll“ vom Sperrmüll wieder eingesammelt und dem nächsten Käufer angeboten.

WiWa-lokal.de: Durch unsere wirtschaftliche Situation, haben immer mehr Leute einen schmalen Geldbeutel. Organisieren Sie Märkte auch aus sozialer und ökologischer Motivation heraus?

Flohmarkt_08Ludwig Friedt: Ja, also Flohmarkt ist für mich eine kulturelle Veranstaltung und meine Märkte bezeichne ich deswegen auch gerne so. Sozial deswegen: Ich versuche möglichst günstig zu bleiben, nach der Devise: Wenn ich den Platz günstig bekomme, gebe ich ihn auch günstig weiter.

WiWa-lokal.de: Stichwort: Online-Handel! Spüren Sie die Auswirkungen in Form von weniger Besuchern bzw. weniger Verkäufern?

Ludwig Friedt: Ja, allerdings nur als der Boom damals begann. Das hat sich aber mittlerweile alles wieder eingespielt. Viele sind wieder zurück gekommen.

WiWa-lokal.de: Hat sich der Flohmarkt generell verändert?

Ludwig Friedt: Ja.

WiWa-lokal.de: Das hört sich ja positiv an. Trifft das Ihrer Meinung nach auch auf die Zukunft zu?

Ludwig Friedt: Ja natürlich.

Flohmarkt_02WiWa-lokal.de: Rein spekulativ: Glauben Sie, dass es die beliebten Flohmärkte auch noch in zehn oder 20 Jahren in der heutigen Form geben wird?

Ludwig Friedt: Ja.

WiWa-lokal.de: Warum?

Ludwig Friedt: Es eben ein sozialer Treffpunkt, für viele! Man trifft sich morgens auf dem Platz, trinkt am Imbiss erst mal einen Kaffee zusammen, tauscht sich aus und dann macht man sich mal daran, seinen Stand aufzubauen. Es ist also ein Treffpunkt für Verkäufer und Käufer. Es macht deswegen auch Spaß immer wieder ein paar vertraute Gesichter zu sehen.

WiWa-lokal.de: Das Flohmarktwetter hat sich ja in den letzten 20 Jahren spürbar verändert. Können Sie diesbezüglich einen Ausblick für die Zukunft wagen?

Ludwig Friedt: Ja, Flohmärkte werden immer schwieriger zu veranstalten. Die Auflagen der Städte werden immer schlimmer und strenger.

WiWa-lokal.de: Und was wäre Ihr Wunsch für den diesjährigen „Wieslocher Herbst(Floh)Markt?

Ludwig Friedt: Die Schwetzinger Strasse endet ja da unten, wo dieser Imbiss ist. Von der Stadt wird es so begründet: Weil die Strasse dort nicht weitergeht, also geradeaus durchführt, endet dort der Flohmarkt. Es gibt ja aber verschiedene Veranstaltungen in Wiesloch, wo eben auch diverse Straßen gesperrt sind. Warum kann man also nicht gleichzeitig mehrere Flohmärkte veranstalten? Das wäre eine schöne Sache……………….

WiWa-lokal.de: Herr Friedt, wir danken Ihnen für dieses tolle Interview und Ihre Geschichte.

Den Artikel schrieb und das Interview führte unser Mitarbeiter Mac Reutter

 

 

Veröffentlicht am 3. Oktober 2014, 06:00
Kurz-URL: https://www.wiwa-lokal.de/?p=85178 

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