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Sustainable Finance Gipfel in Frankfurt: Branche setzt auf Schulterschluss mit der Realwirtschaft

12. Oktober 2026 | Finanzwelt

Zum Auftakt des Oktobers hat sich die deutsche Sustainable-Finance-Szene erneut in Frankfurt verabredet. Vom 30. September bis zum 2. Oktober 2026 richteten das Frankfurt School Forum und der Sustainable Finance Cluster den Sustainable Finance Gipfel aus, der damit zum zehnten Mal stattfand. Angekündigt hatten die Veranstalter mehr als 400 Teilnehmende und über 40 Referierende aus Finanzinstituten, Unternehmen, Wissenschaft, Verbänden und Aufsicht. Das Leitmotiv der Jubiläumsausgabe zielte auf eine Schnittstelle, die in der Debatte um nachhaltige Finanzierung zuletzt an Gewicht gewonnen hat: Nachhaltige Finanzierung soll als Brücke zwischen Finanz- und Realwirtschaft dienen, weil sich die Transformation nicht allein aus dem Finanzsektor heraus umsetzen ließe.

Vom Klimarisiko im Kreditbuch bis zur Finanzierung der Transformation

Laut Programm bildete am Abend des 30. September eine Veranstaltung an der Frankfurt School of Finance & Management den Auftakt, bei der physische Klimarisiken im Mittelpunkt standen. Vorgesehen waren Beiträge dazu, wie sich solche Risiken im Bankensystem bewerten lassen, wie sie sich in Kreditportfolios niederschlagen und wie sie in Lieferketten messbar gemacht werden könnten. Der erste Hauptkonferenztag am 1. Oktober, ebenfalls an der Frankfurt School, spannte den Bogen weiter. Auf dem Programm standen Beiträge der europäischen Versicherungsaufsicht EIOPA zu Klimaresilienz und Anpassung, des International Sustainability Standards Board zur globalen Basis der Nachhaltigkeitsberichterstattung sowie des Klimazentrums der Europäischen Zentralbank zu Naturrisiken und Finanzstabilität.

Wie eng die Perspektiven von Unternehmen und Finanzwirtschaft inzwischen miteinander verknüpft sind, sollte ein Panel zur Steuerung und Finanzierung des wirtschaftlichen Umbaus zeigen, auf dem Nachhaltigkeitsverantwortliche aus Industrie und Bankwesen gemeinsam auftreten sollten. Hinzu kamen Themen, die nicht mehr zur klassischen Kapitalmarktdebatte gehören, etwa die Finanzlogik kreislauforientierter Immobilien oder die Frage, welchen Beitrag Nachhaltigkeit zur Widerstandsfähigkeit von Unternehmen leisten kann. Für den Nachmittag sah das Programm vier Workshops vor, die sich dem Einsatz künstlicher Intelligenz im ESG-Management, Natur-Kennzahlen für Banken, der Finanzierung der Wärmewende und dem Impact Investing widmeten.

Am 2. Oktober wechselte der Gipfel in die Räume der Commerzbank. Auf der Agenda standen dort erste Ergebnisse eines Projekts der Bertelsmann Stiftung mit Blick auf Realwirtschaft und Finanzindustrie sowie Panels zum Wandel der Kohlenstoffmärkte und zu Daten und künstlicher Intelligenz als Hebel für die Transformation. Für Marktbeobachter dürfte zudem die vierte Auflage des ESG-Daten Monitors von Interesse sein, deren Ergebnisse die Veranstalter für den Gipfel als erste Vorstellung angekündigt hatten.

Wirkungsorientiertes Investieren als eigener Programmpunkt

In diesem Jahr erhielt das Impact Investing einen eigenen Workshop. Unter Beteiligung der Analystenvereinigung DVFA und des Bundesverbands Impact Investing ging es dort um die Frage, wie wirkungsorientiertes Investieren zu einem Finanzierungshebel für die Transformation werden könnte. Im Unterschied zu Strategien, die Unternehmen anhand ihrer ESG-Praktiken auswählen, zielt Impact Investing auf einen vorab angestrebten Effekt, dessen Umfang sich im Nachhinein nachweisen lässt. Gerade dieser Anspruch macht den Ansatz für ein Konferenzmotto anschlussfähig, das Finanzierung an realwirtschaftliche Ergebnisse knüpft.

Ein weiterer Frankfurter Datenpunkt nach dem FNG-Marktbericht

Die Konferenz fiel in eine Phase, in der die öffentliche Debatte immer wieder um einen möglichen Rückzug aus nachhaltigen Anlagestrategien kreist. Einen Anhaltspunkt, wie sich der Markt tatsächlich verhält, lieferte bereits der FNG-Marktbericht 2026, den das Forum Nachhaltige Geldanlagen am 17. Juni ebenfalls in Frankfurt vorgestellt hatte. Demnach erweiterten 29 Prozent der befragten Finanzinstitute im Jahr 2025 ihre nachhaltige Produktpalette, nur 1 Prozent verkleinerte sie, und die Nachhaltigkeitsambition der meisten Institute blieb stabil. Unter den Instituten mit angepassten Zielen überwog die Verschärfung deutlich, da knapp 40 Prozent ihr Anspruchsniveau anhoben und 13 Prozent es zurücknahmen.

Der Sustainable Finance Gipfel lässt sich vor diesem Hintergrund als nächster Frankfurter Datenpunkt zu derselben Frage lesen. Ein Programm, in dem Aufsicht, Standardsetzer, Banken und Unternehmen zwei Tage lang vor allem über Transitionspläne, Naturrisiken und die Finanzierung konkreter Umbauprojekte sprechen sollten, spricht eher für eine Branche, die ihre Arbeit an der langfristigen Transformation fortsetzt. Ein Abwenden vom Thema lässt sich aus einer solchen Agenda jedenfalls nicht ablesen.

Welche Impulse von der Konferenz ausgehen, lässt sich nicht an einem einzelnen Termin festmachen und dürfte sich erst in den kommenden Monaten zeigen. Nicht zuletzt wird es davon abhängen, ob die Gespräche zwischen Finanz- und Realwirtschaft über den Konferenzsaal hinaus in gemeinsame Finanzierungsmodelle münden. Auch die laufende Überarbeitung der EU-Offenlegungsverordnung, von der sich laut FNG fast jedes zweite befragte Institut Fortschritte verspricht, wird den Rahmen dafür mitbestimmen.

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