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Stadt Walldorf: Sozialbericht zeigt Auswirkungen der Krisenjahre

17. Juli 2023 | > Walldorf, Allgemeines, Das Neueste, Politik

Gemeinderat würdigt Engagement der Ehrenamtlichen, Vereine und Organisationen

Mit dem aktuellen Sozialbericht, der jetzt vom Fachbereich Zentrale Verwaltung unter dem Ersten Beigeordneten Otto Steinmann dem Gemeinderat vorgelegt wurde, blickt die Stadtverwaltung auf die Jahre 2021 und 2022 zurück. Eine Zeit, die zunächst noch von der Corona-Pandemie, dann vom russischen Angriffskrieg in der Ukraine geprägt worden ist. Die sich aus Energiekrise, Inflation und weiteren negativen Entwicklungen ergebenden finanziellen Belastungen werden aus Verwaltungssicht gerade für die einkommensschwächeren Haushalte erst noch deutlich werden. Der Sozialbericht geht unter anderem auf Arbeits- und Wohnungsmarktdaten, Obdachlosigkeit und Anschlussunterbringung, Kinderbetreuung und Schulsozialarbeit, Ferien- und Freizeitangebote sowie Angebote für Familien, Erwachsene und Senioren in Walldorf ein.

Dezidiert schildert der 55 Seiten starke Sozialbericht die Auswirkungen in der Kinderbetreuung und die Folgen der Corona-Pandemie für Schülerinnen und Schüler. „Kinder und Jugendliche litten besonders unter den durch Schließungen der Kindertagesstätten und Schulen entstandenen reduzierten sozialen Kontakten und den daraus resultierenden Erfahrungen im sozialen Miteinander, was sich deutlich mit dem Wechsel in die Grundschule zeigte“, heißt es im Bericht. Mit zunehmender „Normalisierung“ sei wieder etwas mehr Alltag in den Einrichtungen eingekehrt, die Überlastung der pädagogischen Kräfte bleibe aber. In den Grundschul-Anfangsklassen werde eine Zunahme an verhaltensauffälligen Kindern beobachtet, es gebe vermehrt Probleme im sozialen Miteinander im Klassenverband. Es fehle an sozialen Erfahrungen, es gebe eine Abnahme von motorischen Fähigkeiten und ein problematisches Nutzungsverhalten der sogenannten sozialen Netzwerke. Am Schulzentrum habe die Zahl der Inobhutnahmen sowie die Vermittlung in ambulante und stationäre psychiatrische Therapien sprunghaft zugenommen. Angesichts ohnehin knapper Therapieplätze seien die Wartezeiten auf ein halbes Jahr und mehr angestiegen. „Überbrückungsmaßnahmen durch die Psychologische Beratungsstelle sind willkommen, jedoch auch nur teilweise eine Lösung“, so der Sozialbericht.

Der Bericht widmet sich auch den Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine. So lebten (Stand Ende März) nach Kenntnis der Stadtverwaltung 413 Geflüchtete aus der Ukraine in Walldorf. 219 davon seien im Wege der Anschlussunterbringung öffentlich-rechtlich eingewiesen, 194 lebten in einer privat angemieteten Wohnung. Die Stadt habe bisher 17 Privatwohnungen angemietet und vier Wohnungen aus dem Bestand des Eigenbetriebs Wohnungswirtschaft belegt. Der Rhein-Neckar-Kreis habe zudem die große Gemeinschaftsunterkunft in der Industriestraße 58 mit (Stand Ende April) 135 Personen belegt, eine weitere Gemeinschaftsunterkunft ist im ehemaligen Hotel „Weißes Rössel“ entstanden. Ausdrücklich wird das große private Engagement der Walldorferinnen und Walldorfer gewürdigt, daneben aber auch die Unterstützung der Geflüchteten durch Tafel, Kleiderstube, den Verein Begegnungen oder den Lions-Club Walldorf. Im weiteren Bericht wird unter den Angeboten in der Astorstadt auch auf die Tagesstätte Plattform, auf die Generationenbrücke, den Verein Generationenübergreifendes Leben Walldorf (GeLeWa), die verschiedenen Beratungsstellen und die Unterstützung externer Einrichtungen und Organisationen wie der Frauenhäuser oder des Vereins PLUS eingegangen.

Der Sozialbericht liefert zudem zahlreiche Daten und Fakten über Walldorf. So wird die Einwohnerzahl Ende 2022 auf 16.199 beziffert, die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten auf 26.666 – bei insgesamt 22.286 Beschäftigten, die in die Stadt einpendeln, was deutliche Anforderungen an die lokale Infrastruktur stellt. Dagegen pendeln aus Walldorf 4400 Beschäftigte zu ihren Arbeitsplätzen in anderen Kommunen. Und die Zahl der Arbeitslosen hat sich mit 344 gegenüber dem Vorjahr (345) kaum verändert. Die Zahl der Wohngebäude in Walldorf ist Ende 2021 auf 3747 gestiegen (2012 waren es 3541), die Zahl der Wohnungen auf 7535 (2012: 6921).

Im Gemeinderat wurde der Bericht sehr positiv und mit großem Lob an die Verwaltung für die detaillierte Aufarbeitung aufgenommen. Lob in den Beiträgen von Mathias Pütz (CDU), Elisabeth Krämer (SPD), Nele Böhm (Bündnis 90/Die Grünen) und Paula Glogowski (FDP) gab es auch für die Ehrenamtlichen, Vereine und sozialen Organisationen. Mehrfach positiv hervorgehoben wurde das 2023 über die Bühne gehende Jugendbeteiligungsprojekt „Dein Kreis – Deine Ideen“, an dem sich die Schulsozialarbeit beteiligt. „Vielen Dank für die wertschätzenden Stellungnahmen“, schloss Bürgermeister Matthias Renschler den Tagesordnungspunkt.

Der Sozialbericht ist auf der städtischen Homepage zu finden: www.walldorf.de/fileadmin/Rathaus/Sitzungen/2023-7-4/Anlage_TOP3.pdf

 

Text: Stadt Walldorf

 

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