Beim vegetarischen Kochabend wird geschnippelt und probiert
„Regional oder fair gehandelt?“ Die Frage sorgt an diesem Abend nicht für Streit, aber für Gesprächsstoff. Während zehn Hobbyköche in der Schulküche der Theodor-Heuss-Realschule Gemüse schnippeln, Töpfe umrühren und Gewürze abschmecken, wird deutlich: Die Entscheidung für ein Produkt ist nicht immer einfach. Beim Kochabend „Weltweite vegetarische Küche“ der Fairtrade-Steuerungsgruppe Walldorf geht es deshalb um die Suche nach einer guten Mischung – auf dem Teller ebenso wie bei der Wahl der Zutaten.
Susanne Nisius und Barbara Mühle von der veranstaltenden Steuerungsgruppe begrüßen die bunt gemischte Kochschar. Sogar vier Männer sind unter den Teilnehmenden verschiedenen Alters. Dass es sich ausdrücklich nicht um einen Kochlernkurs handelt, stellt Nisius gleich zu Beginn klar: „Dazu wäre ja ein gelernter Koch notwendig.“ Wie schon im vergangenen Jahr geht es vielmehr um einen gemeinsamen Abend.
Die Gründe für die Teilnahme sind unterschiedlich. Thomas ist dabei, weil seine Tochter ihn mit den Worten „Da wird vegetarisch gekocht, da gehst du hin“ geschickt hat. Heike, Leila und Anja, die bereits als Kinder gemeinsam die Walldorfer Schule besuchten, freuen sich auf einen Kochabend unter Freundinnen. Arnold wurde bei einem Kinobesuch im Rahmen der Fairen Woche neugierig.
Eines verbindet sie: die Lust, Neues auszuprobieren. „Man lernt immer etwas dazu“, lautet der Tenor. Den Teilnehmern geht es darum, zu entdecken, wie aus fair gehandelten, saisonalen und regionalen Lebensmitteln Gerichte mit internationalen Wurzeln entstehen können.
Für Antonius, jüngster Teilnehmer und Mechatronik-Azubi im ersten Lehrjahr, ist Kochen zudem eine Fähigkeit mit Zukunft. „Ich denke, es ist hilfreich, gut kochen zu können“, sagt er lachend. Noch wohnt er daheim, in einer späteren WG könne das durchaus von Vorteil sein. Seit einiger Zeit isst er weniger Fleisch und greift lieber zu Tofu oder anderen Ersatzprodukten.
Auch die anderen Teilnehmer verstehen vegetarische Küche nicht als strikten Verzicht. Viele wollen einfach weniger Fleisch essen. „Solche Dogmen bringen uns ja nicht weiter“, lautet der gemeinsame Tenor. Thomas sieht es pragmatisch: „So ein Stück Braten gönne ich mir ab und zu im Restaurant.“ Susanne nickt zustimmend. Für sie und ihren Mann war Corona der auslösende Faktor. Seitdem kochen sie gemeinsam und vorwiegend vegetarisch.
Dann geht es an die Arbeit. Nach einer kurzen Einweisung zu Küchenutensilien und Mülltrennung wird geschnippelt, gerührt und abgeschmeckt. Es duftet nach Gewürzen und frischem Gemüse, während nebenbei über Kochrituale und persönliche Vorlieben gefachsimpelt wird. Zugleich rückt die Herkunft der Zutaten in den Mittelpunkt.
Manfred kauft beispielsweise bei einem Bauern aus Maisbach. „Der schlachtet zweimal im Jahr und da weiß ich, wie die Tiere gelebt haben.“ Für ihn gehört zum Essen auch die Frage, unter welchen Bedingungen Lebensmittel produziert werden. Genau darum geht es an diesem Abend: fair gehandelte, saisonale und regionale Produkte zusammenzubringen, ohne sie gegeneinander auszuspielen.
Nach knapp zwei Stunden ist der Tisch reich gedeckt. Quinoa-Butternut-Salat macht den Anfang, gefolgt von Chili sin Carne und einem ostafrikanischen Kichererbsen-Curry mit Bohnen, Möhren und Tomaten. Zum Abschluss gibt es vegane Schokoladen-Brownies. Die Rezepte orientieren sich an den Rezeptheften von Fairtrade Deutschland, werden aber regional und individuell abgewandelt.
„Nicht immer ist das fair gehandelte Produkt das bessere, manchmal sind regionale Zutaten die passendere Alternative“, erklärt Susanne Nisius. Entscheidend sei vielmehr, biologisch produzierte, regionale und fair gehandelte Lebensmittel sinnvoll miteinander zu kombinieren. So endet der Kochabend nicht nur mit einem gemeinsamen Essen, sondern auch mit einer Erkenntnis: Bewusster Genuss hat viele Zutaten.
Text und Fotos: Stadt Walldorf

















