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Pilotprojekt im Reilinger Eck zum Erhalt des lichten Weißmoos-Kiefernwalds

6. Dezember 2014 | > Walldorf, Allgemeines, Das Neueste

Die Schonzeit ist vorbei
Nicht alle „Einwanderer“ sind im Wald willkommen. Dazu gehören in Walldorf die Kermesbeere und die Spätblühende Traubenkirsche, die sich beide im Laufe der Zeit eingebürgert haben. Obwohl sie durchaus einen schönen Anblick bieten können, verdrängen diese Neophyten wertvolle heimische Pflanzen.
Mit einem Pilotprojekt, das Mitte November im Forstrevier Walldorf angelaufen ist, wird das Übel nun im wahrsten Sinne des Wortes an der Wurzel gepackt. Ort des Geschehens ist die Dünenkuppe „Am Hohen Stein“ im Reilinger Eck, die im Staatswald im Waldschutzgebiet Schwetzinger Hardt liegt. Wie Dr. Dieter Münch, Leiter des Kreisforstamtes, erläutert, dunkelt vor allem die Kermesbeere, die bis zu zwei Meter hoch wird und sich rasant ausgebreitet hat, den ursprünglich lichten Weißmoos-Kiefernwald im Reilinger Eck völlig aus. Moose und Flechten, die für diese Waldgesellschaft charakteristisch und auf lichte Verhältnisse angewiesen sind, sind durch die wuchernden Neophyten gefährdet.

Eingewandert sind Kermesbeere und Spätblühende Traubenkirsche als Zierpflanzen in privaten Gärten. „Da sich aus einem Busch etwa 2.000 Samen entwickeln, die über Vögel verbreitet werden, wuchern die Neophyten unkontrollierbar an vielen Stellen“, erklärt Revierförster Gunter Glasbrenner. Wie die Moose und Flechten bevorzugen auch die Neophyten lichte Stellen und stellen damit eine großflächige Konkurrenz für den typischen Weißmoos-Kiefernwald dar. In Kooperation mit dem Kreisforstamt und der Abteilung Waldnaturschutz der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg (FVA) prüft das Walldorfer Forstrevier nun in einem ersten Schritt auf einer Fläche von rund 1,5 Hektar, ob sich die Neophyten zurückdrängen lassen. Die drei städtischen Forstwirte Marcel Greulich, Christian Heß und Jonathan Lutz müssen dabei mit dem Hohlspaten kräftig Hand anlegen, um die rübenähnlichen Wurzeln möglichst unversehrt aus dem Boden zu ziehen. Anschließend müssen die Pflanzen sorgfältig eingesammelt und schließlich als Sondermüll entsorgt werden. Der zweite Teil dieser kräfteraubenden Arbeit folgt im Frühjahr, um weitere Pflanzen vor der Samenreifung zu erfassen. Dr. Mattias Rupp von der FVA begleitet das Pilotprojekt wissenschaftlich. Da Kermesbeere und Spätblühende Traubenkirsche nicht an den Gemarkungsgrenzen haltmachen, hoffen Dr. Mattias Rupp, Dr. Dieter Münch und Gunter Glasbrenner darauf, dass auch die benachbarte Gemeinde in das Projekt einsteigt, damit ein Gesamtareal von rund 18 Hektar von den Neophyten befreit werden kann. Erste Gespräche wurden schon geführt. Die aktuelle Maßnahme im Staatswald wird aus Mitteln des Landes Baden-Württemberg bezahlt.

Kermesbeere_Gruppe Kermesbeere_WurzelDer Waldlehrpfad im Reilinger Eck ist dank des Pilotprojekts um eine weitere Station bereichert worden. Informationstafeln geben Aufschluss über die Arbeiten vor Ort. Ob sich die mühsame Handarbeit lohnt, bleibt abzuwarten.
Dr. Dieter Münch, Gunter Glasbrenner, Marcel Greulich, Jonathan Lutz und Christian Heß vor den Informationstafeln „Am Hohen Stein“ (Fotos: Pfeifer, Text: Stadt Walldorf)

 

Dr. Dieter Münch und Christian Heß mit einem Wurzelexemplar

 

 

 

 

Wuchernde Kermesbeere

Kermesbeere

 

 

Gegen die Neophyten hat das Weißmoos ohne menschliche Hilfe keine Chance

Weißmoos

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