Japanischer Schnurbaum im Stadtwingert zeigt: Abgestorbene Bäume können wertvolle Lebensräume werden
Baumtorso bietet Fledermäusen, Vögeln und Insekten neuen Lebensraum
Nicht jeder abgestorbene Baum muss vollständig entfernt werden. Häufig kann es sinnvoll sein, ihn als sogenannten Habitatbaum zu erhalten und ihm damit eine neue Funktion für die Natur zu geben. Ein gelungenes Beispiel dafür steht im Stadtwingert an der Gerbersruhstraße in Wiesloch: Der rund 100 Jahre alte Japanischer Schnurbaum (Sophora japonica) war weitgehend abgestorben und dennoch ortsbildprägend.
Statt den Baum vollständig zu fällen, entschied sich die Stadt im Jahr 2025 für eine fachgerechte Kappung. Aus dem einst mächtigen Baum wurde ein sogenannter Baumtorso – und damit ein wertvoller Lebensraum für zahlreiche Tierarten.
Mittlerweile zeigt der Schnurbaum eine erfreuliche Entwicklung: Er treibt wieder kräftig aus und beweist, dass ein Baumtorso keineswegs das Ende eines Baumes bedeuten muss. Vielmehr kann daraus ein neuer Lebensabschnitt entstehen.
Ein „Hochhaus“ für Fledermäuse, Vögel und Käfer
Baumtorsi sind weit mehr als abgestorbenes Holz. Mit der Zeit entstehen Höhlungen, Risse und abplatzende Rindenbereiche, die vielen Tieren wichtige Rückzugsorte bieten.
So nutzen beispielsweise Vögel wie Stare vorhandene Baumhöhlen als Brutplätze. Fledermäuse finden dort geschützte Tagesquartiere oder geeignete Plätze für Wochenstuben. Auch die abstehende Rinde und feine Spalten werden von den Tieren als Verstecke genutzt.
Darüber hinaus bietet das morsche Holz zahlreichen Käfern und anderen Insekten Nahrung und Lebensraum. Besonders Arten, die auf Totholz spezialisiert sind, profitieren von solchen Strukturen, die in einer zunehmend aufgeräumten Landschaft immer seltener werden.
Über die Jahre kann sich ein solcher Baum zu einem kleinen eigenständigen Ökosystem entwickeln – mitten im Siedlungsbereich, wo natürliche Lebensräume für viele Tiere knapp geworden sind.
Verkehrssicherheit und Artenschutz gemeinsam denken
Der Erhalt von Baumtorsi zeigt, dass Verkehrssicherheit und Artenschutz nicht zwangsläufig im Widerspruch stehen müssen. Die Stadt Wiesloch prüft daher bei abgestorbenen oder geschwächten Bäumen, ob anstelle einer vollständigen Fällung eine fachgerechte Kappung möglich ist.
Dabei stehen mehrere Ziele im Mittelpunkt: die Sicherheit im öffentlichen Raum, der Erhalt des Stadtbildes und die Förderung der Artenvielfalt.
Der Japanische Schnurbaum im Stadtwingert soll deshalb auch in den kommenden Jahren an seinem Standort erhalten bleiben – als markantes Element des Stadtbildes und zugleich als wertvoller Lebensraum für Tiere.
Foto: Stadt Wiesloch















