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Bin kein Kampfhund, bin ein Frosch – Oberbürgermeister überzeugt sich selbst davon – Bericht Teil 1

12. November 2018 | > Wiesloch, Das Neueste, Leitartikel, Photo Gallery

So spassig der Titel dieses Artikels auch sein mag, wollen wir einen sachlichen und neutralen Blick auf die Thematik werfen.

Wiesloch/Rhein-Neckar-Kreis, 12.11.2018 (rp) – Um Beißvorfälle wirksam verhindern zu können, muss Wissen über Hundeverhalten und Wissen über den richtigen Umgang mit den Tieren in der Bevölkerung weit verbreitet werden. Die Gründe für Beißvorfälle können vielfältig sein. Sie alleine den Hunden zuzuschreiben wäre grob fahrlässig.

Oberbürgermeister Dirk Elkemann nahm die Einladung seiner Bürgerin Mareike S. an und nutzte die Gelegenheit sich persönlich ein eigenes Bild vom Wesenstest aber auch von „einem seiner Wieslocher Hunde“ zu machen.

Am 16.10.2018 wurden 6 Hunde geprüft, bei zwei Hunden wurde der Test abgebrochen um ihnen die Möglichkeit zu geben nach entsprechender Schulung den Wesenstest dann bestehen zu können. Bei dem einen Hund, hatte ich Gelegenheit zuzuschauen, dieser hatte sich, so seine Besitzer, vor einigen Wochen sehr erschreckt als in der Küche ein Kochtopf zu Boden lief. Daher reagierte er bei der Übung mit der Plastiktüte voller Blechdosen die vor ihm zu Boden geworfen wurde, nicht wie gewünscht.  

Die einzigen Teilnehmer an diesem Tag die in Wiesloch wohnen, waren die angehende Gymnasiallehrerin Mareike S. und ihr 2-jähriger American Staffordshire Terrier Dexter. Für Dexter war es der zweite Wesenstest an dem er teilnahm. Bereits im Alter von 9 Monaten hatte er den ersten Wesenstest erfolgreich absolviert.

Sigurd Hartlieb (LRA Referatsleiter), OB Dirk Elkemann und XXX

Herr Hartlieb (LRA Referatsleiter), OB Dirk Elkemann und Jürgen Gruber stellvertretender Leiter des Ordnungsamtes im Rhein-Neckar-Kreis

Beim Wesenstest sind neben Vertretern der Kreispolizeibehörde und des Ordnungsamtes, eine Amtstierärztin und Mitarbeiter des Veterinäramtes anwesend. Diese beurteilen Hund und Halter zunächst innerhalb eines Untersuchungsraums, eine typische Szene wie beim Tierarzt. 

Zugegeben, im Falle Dexter war der kleine Raum mit 7-8 Personen die im Kreis standen unüblich mit Zuschauern gefüllt, mich als Pressevertreter eingeschlossen. Wir standen quasi im Halbkreis, so das der Hund jeden erstmal begrüßen wollte. Was ja schon mal eine freundliche Gesinnung erwarten lässt. Von Knurren oder Bellen keine Spur.

Anfangs hatte Dexter einen Maulkorb zu tragen, während erstmal die Papiere kontrolliert und gesichtet wurden, beispielsweise Nachweise bezüglich Impfungen. Danach musste er Grundgehorsam beweisen. Kommandos wie „Sitz“ erfüllte er ebenso wie „Platz“ – wobei er eben jene „Froschposition“ einnahm und geduldig auf dem Boden lag während sein Frauchen befragt wurde.

Bin ein Frosch

Bin ein Frosch

Anschließend wurde ein genauerer Blick auf den Hund selbst geworden. Dazu gehörten die Beurteilung des Allgemeinzustandes, Überprüfung ggf. vorhandener Bisswunden, ein Chiptest wurde ebenso durchgeführt. Ein Ball kam als Spielzeug in’s Spiel, um den Gehorsam bezüglich dem Kommando „Aus“ zu testen. Auch diesen Test bestand Dexter einwandfrei. Es erfolgte auch ein Blick in das Hundemaul, zum einen aus medizinischen Aspekten und der Frage nach dem Gesundheitszustand sowie auch hinsichtlich der Frage ob der Hund sich vom Besitzer aber auch von Fremden in’s Maul greifen lässt.

Nachdem die Prüfer sich im Untersuchungs- bzw. Besprechungsraum einen allerersten Eindruck über Hund und Halter verschafft haben, musste der Maulkorb nicht weiter getragen werden. Den zweiten Teil des Wesenstestes führten Harald Hohmann, Leiter der Hundestaffel des Polizeipräsidiums Mannheim sowie weitere Polizeibeamte durch. Dabei wurden verschiedene Szenarien und Situationen nachgespielt, der Kinderwagen mit Babypuppe und bunten Luftballons, der Fahrradfahrer, der Jogger welcher den Anschein macht zu stürzen oder ganz nah vorbei rennt, Menschen mit Krücken die vorbeihumpeln. Auch pöbelnde und bedrohend wirkende Menschen muss der Hund gekonnt ignorieren können. Gerade bei diesem Test muss man wirklich die Frage zulassen; Wie würden die Nicht-Listenhunde die nicht im Hundeverein erzogen wurden auf diesen Test reagieren? – Beim Radfahren traf ich neulich auf eine ältere Dame und ihren recht unerzogenen Pudel, der kleine wollte doch tatsächlich an’s Rad springen. Auf der Rückfahrt traf ich beide wieder, und blieb zu einem kurzen netten Smalltalk stehen. „Ach, ich weiss auch ned warum der des macht?“ so die ältere Dame. Mein Tipp: Besuchen Sie doch mal einen Hundeverein.

Im Zuge der Recherchen und der Besuche bei den beiden Hundevereinen in Tairnbach sowie in Rauenberg, bin ich den beiden Wieslochern einige Male begegnet und konnte mir so ein genaueres Bild über die Arbeit der Vereine verschaffen. Auch die Entwicklung so mancher Hundebesitzer und ihrer Hunde wurde mir dabei vor Augen geführt.

Foto aufgenommen beim Hundesportverein Tairnbach e.V. / Foto links: Dexter und sein Frauchen hören ganz genau zu / Foto rechts: Dexter läuft vorbildlich bei Fuß, beide halten Augenkontakt

 

Oberbürgermeister Elkemann im Gespräch mit seinen Wieslochern

Statement Oberbürgermeister Elkemann

WiWa-lokal: Was sind Ihre Erfahrungen mit Hunden im Allgemeinen? 

Elkemann: „Grundsätzlich habe ich überhaupt nichts gegen Hunde. Ich freue mich, wenn ich Hunde unbeschwert und dies auch ohne Leine toben und rennen sehe. Wenn Hundeführer und Hund ein gut eingespieltes Team sind, kann ich als Externer auch darauf vertrauen. Im Endeffekt geht es immer um gegenseitigen Respekt und das Verständnis für das Gegenüber.“

„Nicht jeder mag Hunde, viele haben vielleicht auch Angst vor einem Zusammentreffen. Leider habe auch ich beim Laufen, auf dem Rennrad oder beim Mountainbiken schon viel zu viele Situationen erlebt, in denen ein anfangs ruhig wirkender Hund plötzlich auf mich losging. Hier trug bei dem einen oder anderen Mal das Verhalten der Hundebesitzer ebenfalls nicht dazu bei, mein Vertrauen in die jeweiligen Herrchen oder Frauchen und deren Einfluss und unbedingt notwendige Kontrolle in dieser Situation zu stärken. Daher lasse ich einen nicht angeleinten Hund niemals aus den Augen und bedanke mich stets bei den Besitzern, die ihre Hunde während meiner Passage festhalten.“

WiWa-lokal: Hatten Sie vor dem Besuch des Wesenstests bereits Erfahrung mit Listenhunden?

Elkemann: „Mit Listenhunden  habe ich persönlich noch keine Erfahrungen gemacht, ich gebe allerdings zu, dass ich hier gerne einen respektvollen Abstand halte. „

WiWa-lokal:  Wie war Ihre Meinung über Listenhunde vor dem Besuch des Wesenstests? Hat sich diese Meinung bestätigt/geändert? Finden Sie, der Wesenstest ist aussagekräftig bzgl. der Einschätzung des potentiellen Aggressionsverhaltens eines Hundes?

Elkemann:“ Bei meinem Besuch eines Wesenstests hat sich in meinen Augen bestätigt, dass diese Hunde besonderer Aufmerksamkeit bedürfen. Ich denke, dass sich hier auf jeden Fall Einschätzungen eines potentiellen Aggressionsverhaltens bei Hunden ableiten lassen. Selbstverständlich gibt es hier nie eine hundertprozentige Sicherheit, aber eine Verpflichtung zur Vorbeugung etwaiger Gefahren. Ein Hund bleibt immer noch ein Tier mit Instinkten und das ganz unabhängig von der jeweiligen Rasse.“

WiWa-lokal:  Der Wesenstest gilt hauptsächlich für Listenhunde, welche jedoch einen verschwindend geringen Teil der Hundepopulation ausmachen. Halten Sie einen generellen Hundeführerschein vor der Anschaffung eines Hundes für sinnvoll?

Elkemann: „Ich hoffe einfach, dass sich jeder Hundehalter und Halterin der Verantwortung für das Tier und für die Mitmenschen ohne Hunde bewusst ist. Die Freiheit von Hund und Halter hört da auf, wo die Freiheit anderer Menschen eingeschränkt wird. Dies sollte auch ohne Reglementierung durch etwaige Hundeführerscheine eigentlich ganz selbstverständlich sein. „

 

Dexter beim Wesenstest

 

WiWa-lokal:  Warum entscheidet man sich trotz der vielen „Unannehmlichkeiten“ für einen Listenhund?

Mareike S.: Ich habe den American Staffordshire Terrier bereits als Kind in einem Hundebuch entdeckt und fand die Rasse toll. Zu dieser Zeit gab es noch keine Rasseliste. Wir hatten auch damals schon einen kleineren Terrier zuhause. Als dann später feststand, dass wir einen Hund aufnehmen möchten, habe ich mich nach einer seriösen Zuchtstätte umgesehen, diese kontaktiert und später auch besucht, um die Hunde kennenzulernen. Ein Jahr danach konnte Dexter bei uns einziehen. Natürlich hatte ich mich bereits im Vorfeld über alle Auflagen in unserem Bundesland informiert und mir gründlich überlegt, ob die Entscheidung für einen Listenhund auch tatsächlich die richtige ist. Schließlich darf man den ganzen Aufwand, der damit verbunden ist, nicht unterschätzen.

Wir haben diese Entscheidung aber noch keine Sekunde bereut. Dexter hat einen wunderbaren Charakter. Ich kenne keinen anderen Hund, der sich so sehr über Menschen freut. Egal ob Bekannte oder Unbekannte. Er begrüßt jeden, der sich für ihn interessiert, überschwänglich. Außerdem versteht er sich sehr gut mit unseren Meerschweinchen, ist mit unserer Katzenoma aufgewachsen und ist auch anderen Kleintieren gegenüber freundlich und vorsichtig. Ich hatte vorab tatsächlich Bedenken, wie die Menschen in meinem Umfeld wohl auf diesen Hund reagieren würden, da man oft hört, dass leider sehr viele Berührungsängste und Vorurteile haben. Doch das konnte ich bisher glücklicherweise nicht feststellen. Ganz im Gegenteil: Unsere Nachbarn und auch viele andere in unserem Wohngebiet sind Dexter gegenüber durchweg positiv eingestellt. Bisher habe ich noch nicht erlebt, dass jemand unfreundlich regiert, Angst gehabt oder die Straßenseite gewechselt hätte. Die Kinder mögen ihn und streicheln ihn oft und auch von anderen Personen erhält er viele Streicheleinheiten und Lob für sein gutes Benehmen. Ich denke daher, es ist in jedem Fall wichtig und richtig, einfach mit gutem Beispiel voranzugehen und den Hund bestmöglich zu erziehen und zu sozialisieren, damit er ein angenehmer und verlässlicher Begleiter wird.

Außerdem sehe ich mich seit Anfang an in erster Linie als Hundehalterin, nicht als Listenhundehalterin. Ich finde es ganz wichtig, sich nicht durch Gejammer und Selbstmitleid aufgrund der vielen Auflagen und wegen negativer Berichte in den Medien von anderen Hundehaltern abzugrenzen. Auf diese Weise wird man nie eine vollständige Akzeptanz erreichen, weil man sich immer auf eine andere Stufe stellt. Mich ärgert auch Vieles, was in Bezug auf Listenhunde passiert – beispielsweise, dass man häufig trotz aller Bemühungen mit erhöhten Steuern abgestraft wird –, aber es überwiegen dennoch meine persönlichen, guten Erfahrungen. Ich habe durch Dexter in den letzten zwei Jahren sehr viele tolle und nette Menschen mit den verschiedensten Hunderassen und auch Menschen ohne Hund kennengelernt und neue Freundschaften geschlossen. Ich hatte für alle Interessierten stets ein offenes Ohr und habe dadurch sicherlich den einen oder anderen Skeptiker eines Besseren belehrt. Ich kann die aktuelle Gesetzeslage nicht ändern, aber ich kann tagtäglich zeigen, dass auch ein Listenhund ein ganz normaler Hund sein kann.

Einige Privatfotos – Dexter und seine Freunde

 

Lesen Sie auch Teil 2 des Berichts zum Wesenstest:

Haltung von Hunden und gefährlichen Hunden – Bericht zum Wesenstest Teil 2

 

Text und Fotos: Robert Pastor

Hinweis der Redaktion: Wir danken allen Teilnehmern für die Erlaubnis sie zu fotografieren und die Fotos in unserer Internetzeitung veröffentlichen zu dürfen! Diese Erlaubnis kann lt. DSGVO jederzeit widerrufen werden per E-Mail an: [email protected] / Unsere Datenschutzerklärung finden Sie hier: https://www.wiwa-lokal.de/datenschutzerklaerung

 

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