Ein Film, der zum Widerspruch ermutigt
Im Rahmen der Fairen Woche bot die Stadt in Kooperation mit der Steuerungsgruppe Fairtrade bei freiem Eintritt erneut einen Film im Luxor-Filmpalast an. Bereits zum dritten Mal, wie Wirtschaftsförderin Susanne Nisius bei der Begrüßung betonte. Schade, dass aus diesem Anlass nur wenige Interessierte den Weg ins Kino fanden. Diese konnten dafür einen gut inszenierten Film sehen, der Denkanstöße liefert.
„Rise up“ ist ein deutscher Dokumentarfilm aus dem Jahr 2022, der von Marco Heinig, Steffen Maurer, Luise Burchard und Luca Vogel inszeniert wurde. Er rückt vier Aktivistinnen und einen Aktivisten aus verschiedenen Ländern sowie ihre politischen Kämpfe und Projekte in den Fokus: Kali aus den USA, Shahida aus Südafrika, Judith und Marlene aus Deutschland sowie Camila aus Chile. Sie haben jeweils einen unterschiedlichen Schwerpunkt, doch alle eint der Kampf gegen ein politisches System, das sie als ungerecht empfinden.
Auch der Film macht aus seiner antikapitalistischen Grundhaltung keinen Hehl. „Das Ende der Menschheit kann man sich gut vorstellen. Das Ende des Kapitalismus dagegen kaum“, sagt die Sprecherin an einer Stelle. Die Klimakrise wird dabei auch als Folge einer Systemkrise dargestellt. Vor allem wird ein weltweites Wirtschaftssystem angeprangert, das nur wenige Menschen sehr reich macht und dafür viele Menschen sowie die Natur ausbeutet.
Es geht viel um die Sinnfrage: Was ist eigentlich wichtig im Leben? Das Konsumieren, Kaufen, Besitzen, wie es oft propagiert wird? Die Aktivistinnen und Aktivisten im Film stellen das von Anfang an infrage. Für sie geht es vielmehr darum, das System, das viele Menschen unterdrückt, nicht nur zu hinterfragen, sondern aktiv zu bekämpfen.
Kali etwa spricht über seine Erfahrungen, wie der Drogenkrieg sein Viertel zugrunde gerichtet hat und wie er den Eindruck gewann, dass dies politisch so gewollt sei. Er berichtet auch von Polizeigewalt, die er am eigenen Leib erfahren habe. Shahida erlebte Ähnliches: Als Kind sei sie von Polizisten daran gehindert worden, einen Gehweg zu benutzen. Das sei schwarzen Menschen nicht erlaubt gewesen. Dass sich ihre Mutter dagegen nicht gewehrt habe, habe sie erschüttert. Da habe sie beschlossen, sich gegen die Apartheid aufzulehnen. Ihr Aktivismus habe sie ins Gefängnis gebracht – eine traumatische Erfahrung. Eine ähnliche Erfahrung machte auch Judith, die in der DDR aufgewachsen ist und sich in der Opposition engagiert hatte. Auch dafür musste sie ins Gefängnis, wo sie erniedrigt worden sei. Allen Protagonistinnen und Protagonisten gemeinsam sind Erfahrungen mit Rückschlägen, Gewalt und Repressalien – ebenso wie der Wille, sich nicht unterkriegen zu lassen.
Es wird aber auch über Erfolge und glückliche Momente gesprochen, die der Aktivismus den Menschen gegeben hat. Marlene etwa hat sich entschieden, sich der kurdischen Bewegung in Rojava anzuschließen, wo sie, wie sie sagt, eine Art Utopie leben darf, in der sich Frauen in einer Gemeinschaft zusammenschließen und sich selbst verwalten. Camila berichtet von dem überwältigenden Erlebnis, als feministische Proteste in Chile 2019 das ganze Land erfassten und Millionen Menschen gegen soziale Ungleichheit auf die Straßen gingen.
Aber wie lassen sich die Erfahrungen dieser Menschen auf das eigene Leben übertragen, wenn man ebenfalls soziale Ungleichheit in dem System erkannt hat, in dem man leben muss? „Es gibt 1000 Dinge, die man ändern müsste in einer hochkomplexen Welt. Wo zur Hölle damit anfangen?“, fragt die Sprecherin. Konkrete Tipps sind dem Film vielleicht nicht zu entnehmen. Vielmehr dient er als Denkanstoß, das eigene Leben sowie das politische beziehungsweise wirtschaftliche System zu hinterfragen. Und er ist in jedem Fall ein Appell, sich mit Gleichgesinnten zusammenzuschließen und trotz aller Krisen nicht zu resignieren.
„Es ist nicht einfach, sich zusammenzuraufen“, heißt es am Ende des Films. Positive Beispiele wie das Ende der Apartheid oder das erfolgreiche Auflehnen gegen autoritäre Systeme wie im Fall der DDR bieten aber Anlass zur Hoffnung, dass es sich lohnen kann.
Text und Fotos: Stadt Walldorf















