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Auftakt zur Woche der Demenz versammelte vielfältige Angebote

22. September 2025 | > Walldorf, > Wiesloch, Allgemeines, Das Neueste, Nußloch, Politik

 

Raus aus der Tabuzone

Vernetzung ist ein wichtiges Stichwort, wenn es um das Thema Demenz geht. Denn es gibt zwar zahlreiche Angebote und Anlaufstellen, die Hilfe für Betroffene und ihre Angehörigen anbieten. Allerdings sind diese nicht unbedingt vielen Menschen bekannt; auch untereinander müssen entsprechende Angebote besser vernetzt werden. Der Ansatz der Auftaktveranstaltung zur Woche der Demenz am Montag in der Nußlocher Olympiahalle war deshalb folgerichtig: möglichst viele Institutionen unter einem Dach zu versammeln.

Das waren zum Beispiel Pflegeheime und Anbieter von seniorengerechtem Wohnen, medizinische Einrichtungen und Dienste sowie Bewegungs- und Freizeitangebote. Die Woche der Demenz findet vom 15. bis 21. September zum zweiten Mal statt und wird von der IAV-Stelle der Stadt Walldorf, der Initiative demenzfreundliches Wiesloch (unter dem Dach der Bürgerstiftung Wiesloch) und dem Verein Lichtblick aus Nußloch organisiert.

Zum Auftakt begrüßten die Bürgermeister Matthias Renschler (Walldorf), Joachim Förster (Nußloch) und Ludwig Sauer (Wiesloch) die Gäste. Renschler hob die besondere Position der IAV-Stelle im Rathaus hervor und lobte ausdrücklich die Arbeit von Andrea Münch. Es sei wichtig, das Thema Demenz aus der Tabuzone zu holen. Renschler dankte allen Beteiligten für die nicht immer einfache Arbeit: „Wir müssen mit dem Thema offen umgehen“, warb er. Auch Joachim Förster dankte den beteiligten Institutionen. Sie würden helfen, Leben in den „abstrakten Begriff Demenz“ zu bringen.

Dass die drei Bürgermeister Präsenz zeigten, „ist für uns ein Signal: Das Thema ist in den Rathäusern angekommen“, freute sich Annegret Sonnenberg von der Bürgerstiftung Wiesloch. Es sei ganz wichtig, sich rechtzeitig einen Überblick zu verschaffen, was es zum Thema Demenz gibt. „Und zwar rechtzeitig!“, mahnte Sonnenberg. Denn oft kümmerten sich die Menschen erst darum, wenn es schon zu spät sei.

An zahlreichen Ständen informierten die verschiedenen Anbieter über ihre Dienste. „Wir bieten kostenlose Fortbildungen an“, sagte etwa Eva Maderas, Koordinatorin des Geriatrischen Schwerpunktes an der GRN-Klinik Schwetzingen. Der Schwerpunkt der Fortbildungen liege auf dem Thema Demenz. Einen besonderen Kurs für Bewohner mit Demenz stellte Caroline Günther von der Betreuung des Pflegezentrums Astor-Stift vor: „Es werden verschiedene Übungen mit Gegenständen gemacht – zum Beispiel mit Igelbällen oder Korken. Damit begeben sich die Teilnehmenden auf eine Fantasiereise. Die Gegenstände helfen dabei, die Vorstellung mit Haptik fühlbar zu machen. Jede Einheit dauert 45 Minuten und wird einmal wöchentlich, in Ergänzung mit einer Gymnastikeinheit, angeboten.“ Entwickelt wurde das Konzept vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und wird seit 2019 vom InCoPE, einem Projekt des Instituts für Sport und Sportwissenschaft am KIT, verantwortet.

 

 

Haptik spielt auch am Stand der Kirchlichen Sozialstation Wiesloch eine Rolle: Dort konnten Bilder mit einem Schwamm und Wischtechnik gemalt werden. In einem Sandbad lagen Gegenstände bereit, die ertastet und ebenfalls zur Bildgestaltung verwendet werden konnten. Das sei ein gutes Training für an Demenz Erkrankte, so Christine Streib, Leiterin der Tagespflege. Sie verteilt im Alltag auch gerne „Schmunzelsteine“, auf denen lachende Gesichter aufgemalt sind. Diese sollen bei schlechter Laune die Stimmung heben; passend dazu gibt es kleine heitere Gedichte.

Am Stand des PZN (Psychiatrisches Zentrum Nordbaden) gab es eine besondere Erfahrung zu machen: einen Demenz-Simulator. An zwei Stationen konnten die Besucher verschiedene Aufgaben mit eingebauter Hürde absolvieren. Man durfte nicht direkt auf seine Hände schauen, sondern musste den „Umweg“ über einen Spiegel gehen. So waren die Aufgaben für die meisten schier nicht zu schaffen, was einen Eindruck vermitteln sollte, warum an Demenz Erkrankte an scheinbar simplen Aufgaben im Alltag scheitern können.

Theresa-Marie Muck, Janina Koch und Administratorin Sabine Dickgießer stellten für die Advita Pflege das betreute Wohnen im Advita Haus in Baiertal vor. Das gibt es seit 2023 und umfasst 48 Wohneinheiten. „Wir haben auch eine Pflege-WG mit bis zu zwölf Plätzen“, so Muck. Im Haus werde jeden Tag gekocht, es gebe einen ambulanten Pflegedienst, alles sei barrierefrei. „Uns ist es wichtig, mit anderen Kontakte zu knüpfen und zu beraten“, ergänzte Janina Koch zur Teilnahme an der Veranstaltung.

Mit einem Vortrag informierte Dr. Christoph Rott, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Gerontologie der Universität Heidelberg, über aktuelle Erkenntnisse, um das Demenzrisiko präventiv zu verringern. Er wolle mit seinem Vortrag eine fundierte Auseinandersetzung mit der Thematik liefern, so Rott, der zunächst über die verschiedenen Formen der Demenz sprach und einen kleinen biologischen Exkurs gab, der Aufschluss darüber gab, welche Vorgänge im Gehirn zur Erkrankung führten. Nach seinem Vortrag beantwortete Rott auch Fragen aus dem Publikum.

„Es ist toll, dass sich so viele Vereine und Organisationen die Zeit für die Veranstaltung genommen haben. Wir hatten eine geballte Ladung Kompetenz“, zog Andrea Münch ein positives Fazit.

 

Text: Stadt Walldorf
Fotos: H. Pfeifer

 

 

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