Im Gespräch: Dr. Kai Schmidt-Eisenlohr

Am Mittwoch – 16.09.2015 – trafen wir uns mit dem OB Kandidaten Dr. Kai Schmidt-Eisenlohr in einem Wieslocher Cafe zu einem tollen Gespräch über die bevorstehende Wahl:

Kai-Schmidt-Eisenlohr

wiwa-lokal:  Sie sind verheiratet, 1978 geboren. Wieviele Kinder haben Sie?

Dr. Kai Schmidt Eisenlohr: Wir haben einen einjährigen Sohn.

wiwa-lokal:  Sie sind als der Landtagsabgeordnete bekannt geworden der als erster Abgeordneter in Elternzeit gegangen ist. Würden Sie das  bei einem zweiten Kind als Bürgermeister auch wieder tun?

Dr. Kai Schmidt Eisenlohr: Ich finde das nach wie vor richtig, dass beide Partner Verantwortung in der Erziehung der Kinder übernehmen. D.h. für mich heutzutage auch, dass beide für eine gewisse Zeit die Erziehung ganz persönlich in den Mittelpunkt stellen. Als Bürgermeister würde ich das selbstverständlich auch tun.

wiwa-lokal:  In Wiesloch sind Sie der Kai, Sie sind nicht der Doktor. Wollen Sie dann als Bürgermeister lieber der Kai sein oder der Doktor Kai Schmidt-Eisenlohr?

Dr. Kai Schmidt Eisenlohr:   Ich möchte der Bürgermeister Kai Schmidt-Eisenlohr sein. Für mich ist die Ansprache kein Kriterium dafür, ob ich jemanden mehr oder weniger Respekt entgegen bringe. Ich komme aus der IT-Branche in der man sich immer Dutzt. Auch bei uns Grünen nutzt man das Du, hat aber trotzdem den nötigen Respekt.

wiwa-lokal:  Was passiert mit der Landtagskandidatur wenn Sie gewählt werden und woher nehmen Sie im Moment die viele Zeit für den Wahlkampf in Wiesloch?

Dr. Kai Schmidt Eisenlohr: Es war jetzt gerade Sommerpause, in der hatten wir frei und keine Sitzungen in Stuttgart.  In den nächsten Wochen werde ich das in der Tat gut organisieren müssen. Es sind jetzt noch drei Wochen, aber ich habe mit meinen Terminen und Gesprächen schon Anfang des Jahres begonnen. So konnte ich mich mit den Menschen hier in Wiesloch intensiv auszutauschen.  Zur Kandidatur – ich werde mich, wenn ich Oberbürgermeister werde, nicht mehr aufstellen lassen. Das Mandat läuft dann mit der nächsten Wahl aus.

wiwa-lokal:  Was macht am meisten Spass im Landtag?

Dr. Kai Schmidt Eisenlohr: Als Abgeordneter im Landtag bekommt man vielseitige Einblicke. So habe ich das Glück, dass ich als wissenschaftspolitischer Sprecher sehr viel mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen zusammenabreiten darf. Ich kann hautnah miterleben, welche Fragen aktuell beforscht werden und was die Antworten auf die vielfältigen gesellschaftlichen Herausforderungen sind.

wiwa-lokal:  Sie sagten einmal dass Sie in der Zeit im Gemeinderat miterlebt haben wie sich die Lage der Kommunen verschlechtert hat. Wiesloch hat es wohl besonders getroffen. Wird das wieder besser, oder was müsste sich ändern?

Dr. Kai Schmidt Eisenlohr: Es gibt mehrere Ansatzpunkte, exemplarisch zwei: erstens, Geld von Bund und Land: Die Kommunen haben mehr Aufgaben und Verantwortung bekommen, zum Beispiel in der Kinderbetreuung. Da habe ich mich in den letzten Jahren sehr eingesetzt. Unter Grün-Rot hat sich vieles für die Familien verbessert. Wiesloch bekommt heute mit rund 1 Mio. Euro für die Kinderbetreuung mehr als das Dreifache, als noch vor ein paar Jahren.  Zweitens die Einnahmenseite: In meiner Rolle als Oberbürgermeister werde ich mich intensiv um unsere Unternehmen kümmern. Und da möchte ich meine Erfahrung aus 10 Jahren Industrie einbringen. Unternehmensbetreuung ist Chefsache bei mir. Nach Jahren als Berater in mittleren und größeren Unternehmen, kenne ich viele der Herausforderungen gut. Ich möchte, dass sich Unternehmen bei uns gut aufgehoben fühlen und hier wachsen können.

wiwa-lokal:  Sie sind seit 16 Jahren im Gemeinderat. Sie kennen Wiesloch wie ihre Hosentasche?

Dr. Kai Schmidt Eisenlohr: Ich denke – ich kenne die Stadt ziemlich gut. Aber ganz ehrlich, man kann natürlich nicht alles wissen. Aber ich kenne die Strukturen und ich kenne die Geschichte hinter den meisten Dingen.  Das sehe ich als einen wichtigen Vorteil für meine Arbeit. Wenn man sich gegenseitig kennt, kann man auch in schwierigen Zeiten besser eine Lösung finden.

wiwa-lokal:  Was würden Sie in Wiesloch als erstes ändern?

Dr. Kai Schmidt Eisenlohr: Wenn ich drei Prioritäten benennen müsste: Die Erste ist ganz sicher das Thema Unternehmensbetreuung. Zweitens im Bereich Bildung und Betreuung ein konsequente Weiterentwicklung am Bedarf der Menschen, d.h. beispielsweise Ausbau der Kinderbetreuung sowie der Schulbau. Drittens, die Innenstadtentwicklung mit den neuralgischen Punkten Dannheimer und Untere Hauptstraße.

wiwa-lokal:  Was ist das wichtigste Langfristziel?

Dr. Kai Schmidt Eisenlohr: Die Finanzsituation der Stadt zu stabilisieren weil davon alle anderen Dinge abhängen.  Ich möchte eine lebenswerte Stadt, eine Stadt in der alle Generationen sich wohlfühlen. Um Wiesloch zukunftsfähig zu machen müssen wir in den nächsten Jahren eben auch Investitionen tätigen. Hierfür brauchen wir auch wieder finanzielle Beinfreiheit.

wiwa-lokal:  Was macht Wiesloch so besonders?

Kai-Schmidt-Eisenlohr-PortraitDr. Kai Schmidt Eisenlohr: Besonders ist in Wiesloch – auch weil wir so wenig Geld haben – das wir ein bürgerschaftliche Engagement haben, um das uns andere Kommune beneiden. Die Menschen bringen sich intensiv ein, wie man es aktuell beim Netzwerk Asyl auf beeindruckende Weise sehen kann.  Die Menschen sind da kreativ und engagiert, das ist ein echter Schatz. Sinnbildlich könnte man sagen: Wir sind zwar arm an Geld, aber reich an engagierten Menschen. Und das ist viel wert!

wiwa-lokal:  Wie ist die Situation beim Ärtzlichen Bereitschaftsdienst?

Dr. Kai Schmidt Eisenlohr: Da habe ich mich sehr engagiert und hatte im Frühjahr Herrn Dr. Fechner (Anm.d.Redaktion: Vorstandsmitglied der Kassenärztlichen Vereinigung) nochmals eingeladen. Zusammen mit zahlreichen niedergelassenen Ärzten habe ihm damals ausführlich dargestellt, welche Konsequenzen diese Entscheidung für unsere Stadt hat. Insbesondere, weil die Schließung die Schwächsten, nämlich alte Menschen und sozial Schwache, am härtesten trifft. Wir kämpfen weiter um einen kleinen Kompromiss am PZN.

 wiwa-lokal:  Wieslochs Einzelhandel hat in der Innenstadt Probleme mit den Parkplätzen, mit der Frequenz, den Einzelhandelsflächen. Was wollen Sie tun um den Einzelhandel zu stärken?

Dr. Kai Schmidt Eisenlohr: Der erste Ansatzpunkt ist der Dannheimer. Dieser war immer der Leuchtturm des Einzelhandels, und ich werde mich darum kümmern dass dies wieder so wird. Ich werde mich bemühen, dass es nun zügig zu einer baulichen Lösung kommt. Weiterhin gibt es ganz konkrete Projekte – die ich bereits mit dem Stadtmarketing e.V., den Einzelhändlern ansprechen konnte. So besteht der Wunsch über das Thema Business_Improvement_District (link zu Wikipedia)  eine Entwicklung in der Stadt anzustoßen. Ich werde diese Bemühungen gerne aktiv unterstützen. Auch das Thema Parkplätze beschäftigt den Einzelhandel. Wir haben ausreichend Parkplätze in der Stadt, sie werden nur nicht schnell genug gefunden. Ich möchte deshalb ein funktionierendes Parkleitsystem.

wiwa-lokal:  Sie schmücken sich auf Plakaten und auch auf ihrer Seite gerne mit großen Namen – Kuhn, Özdemir, Kretschmar.

Dr. Kai Schmidt Eisenlohr: Das ist eigentlich ganz einfach. Ich habe bei all diesen Leuten ein hohes Ansehen. Der Bundesvorsitztende der Grünen hat mich gefragt, ob er mal vorbei kommen kann. Der Ministerpräsident von Baden Württemberg fragt mich zu bestimmten Themen, weil ihm meine Meinung wichtig. Er kommt jetzt in zwei Wochen zum wiederholten Mal nach Wiesloch. Ich kann mich nicht erinnern dass ein anderer Ministerpräsident, egal welcher Farbe, schon so oft da war. Fritz Kuhn kenne ich auch sehr gut, und er ist als Bürgermeister von Stuttgart ein wichtiger Gesprächspartner für mich. Aber es sind nicht nur Vertreter meiner Partei zu Besuch, auch nahezu alle SPD Landesminister waren hier in Wiesloch.

wiwa-lokal:  Im Handball, habe ich gehört, waren Sie der Abwehrchef. Im Handball muss man ja aber nicht nur abwehren sondern auch den entscheidenden Pass nach vorne spielen. Was ist bei der Wahl der entscheidende Pass?

Dr. Kai Schmidt Eisenlohr: Im Handball ist man ja Abwehr- und Angriffsspieler. Man muss beides machen, anders als beim Fußball. Ich konnte also auch angreifen. Ich denke der entscheidende Pass im Wahlkampf ist, dass ich den Menschen nochmal klarmache dass es sich um eine Persönlichkeitswahl handelt. Ich bin aus guten Gründen als junger Mensch zu den Grünen gegangen und heute Abgeordneter. Nun kandidiere ich jedoch mit meinen Fähigkeiten und mit meinen Inhalten, und nicht mit meiner Partei.  Ich möchte der Oberbürgermeister aller Wieslocherinen und Wieslocher sein. 

Wir bedanken uns recht herzlich für dieses Gespräch.
Das Gespräch führte Alfred Arnold.

 

Veröffentlicht am 25. September 2015, 06:00
Kurz-URL: http://www.wiwa-lokal.de/?p=134849 

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2 Kommentare für “Im Gespräch: Dr. Kai Schmidt-Eisenlohr”

  1. Peter

    @wslwilli: „Erst die Stadt, dann die Familie“ heißt nicht, dass man rund um die Uhr pausenlos für die Stadt arbeitet. Man hat auch Urlaub und auch ein OB hat ein Anrecht auf eine vernünftige Work-Life-Balance.

    Angenommen, eine Frau würde sich für den OB-Posten bewerben: würden Sie dieser ebenfalls erklären, dass sie im Falle einer Schwangerschaft gefälligst das Mandat auszuüben hat und keine Elternzeit nehmen dürfte? Wohl kaum. Eine Frau würde übrigens weit länger ausfallen, als ein Mann, der in der Regel nur 2 Monate Elternzeit nimmt.

  2. wslwilli

    ´tschuldigung, hab ich das richtig verstanden? Herr KSE würde als sein von den Bürgern übergebenes Mandat monatelang ruhen lassen, weil er eventuell in Erziehungsurlaub geht? Toll.
    Wie war das im Palatin? Erst die Stadt, dann die Familie?
    (abgesehen davon, dass diese Aussage gegenüber der Familie schon ein Unding wäre – zumindest in meiner Familie – aber wenn Sie es sagen, Herr KSE, dann müssen sich schon dann daran messen lassen!)
    Wie auch immer, alleine die Sache mit dem Erziehungsurlaub entzieht bei mir jegliches Vertrauen in eine ehrliche Arbeit für die Sache!
    (ja, Erziehungsurlaub ist toll, aber sorry, nicht beim gewählten Mandant!)

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